Eines Tages im Park
Von: Mona und Susi | 6. Jänner 2026, 10:36
Eines Tages im Park
A: Endlich ist das Wetter schön genug für den Park
B: Stimmt, wir waren heuer auch noch nicht hier. Aber jetzt können unsere Kinder endlich wieder mal miteinander spielen.
A: Sie haben ja heuer ihr Kind nicht gewechselt.
B: Nein. Und das Jahr davor auch nicht.
A: Dann haben sie den Buben jetzt schon das dritte Jahr. Das ist unüblich.
B: Ich weiss. Ursprünglich haben wir aus finanziellen Gründen nicht gewechselt. Und dann nach 2 Jahren haben wir festgestellt, dass der Bub eigentlich gerade das beste Alter hat. Er spielt ganz lieb mit uns und ist schon recht selbständig. Abends können wir ihn sogar mal kurz allein lassen. Und neue Kleidung braucht er auch nicht.
A: Wenn sie mit ihren Freunden auf Urlaub fahren wird er halt bald der jüngste sein …..
B: Das macht ihm nichts, unsere Freunde haben alle sehr ruhige, liebe Kinder. Unsere Gruppe will keine superaktiven Genies. Und unser Beispiel macht Schule. Zwei Ehepaare in unserer Gruppe wollen jetzt auch lieber nur alle 2 bis 3 Jahre das Kind wechseln.
A: Lässt ihr Vertrag das denn zu?
B: An sich nur in Ausnahmefällen. Und viele Jahre nicht tauschen wird von den Fachleuten sehr abgelehnt.
A: Versuchen sie doch mal einen Hund. Meine Schwester wollte immer eine grosse Familie, hatte aber nach dem 3. Android-Kind einen burnout. Der Betriebsarzt hat ihr geraten die Kinder auf einen Android-Hund zu tauschen. Das ist jetzt 4 Monate her. Anfangs war es ein ungutes Gefühl zu sehen, wie die Dogge auf den Puppen der Mädchen herumkaut. Ihr Mann sagt: „Schliess die Augen“ aber so einfach ist das nicht. Sie macht jetzt viele Überstunden und nach der Arbeit geht sie täglich noch in den Boxclub. In der Firma freut man sich, dass sie wieder viel arbeitet und ihr Mann hat endlich abends genug Zeit für sein Hobby – seine elektrische Eisenbahn.
B: Aber da müssten wir die Gruppe wechseln, neuer Arbeitsplatz, neue Wohnung, neue Freunde,….
A: Sie haben bei jedem Gruppen-Wechsel Anrecht auf 1 Jahr Probezeit. Es ist echt spannend, alle paar Jahre ein neues Leben zu beginnen und trotzdem die Sicherheiten zu behalten. Ausserdem bringt die technische Abteilung des Familienministeriums fast jedes Jahr ein neues Android-Kind auf den Markt, man kann immer mehr Eigenschaften auswählen. Da lohnen sich die Risiken mit einem natürlichen Kind wirklich nicht.
B: Wir sind vom Familienministerium auf Kategorie C eingestuft. Deshalb haben wir nur ein halbes Jahr Probe und dürfen auch insgesamt nur 3 Mal die Gruppe wechseln.
A: Was haben sie und ihr Mann denn angestellt?
B: Wir sind als Studenten in die Gebiete übersiedelt um das Alte Wissen zu studieren. Unser erstes Kind war ein natürliches Mädchen. Sie hatte einen Unfall und ist gestorben. Im einzigen Spital der Stadt ist wieder einmal der Strom ausgefallen. Wir sind dann ins Staatsland zurück gegangen und haben, wie die meisten, ein Android-Kind genommen. Mein Mann hat eine Ausbildung als Anstreicher gemacht und ich bin Verkäuferin in einem Schuhgeschäft. Mit Kategorie C darf man nicht studieren, da ist nur eine Berufsausbildung möglich. Wir sind jetzt in einer nette Gruppe, alle sind zufrieden und wollen keine Experimente und keine Überraschungen mehr.
A: Das klingt ja ganz düster. Sind sie in Kategorie C-b, noch unter Beobachtung oder C-a, schon aufgenommen?
B: Keine Sorge, wir sind seit Kurzem C-a. Sie brauchen also keine Angst zu haben, mit mir gesehen zu werden. Ich weiss die Rund-um Versorgung, die mir das Staatsland bietet sehr zu schätzen. Glauben sie mir, ich will nicht undankbar oder traurig wirken. Nur manchmal, wenn ich an meine verstorbene Tochter denke kommen mir kurz die Tränen.
A: Ja, passt schon. Der Bruder meines Schwagers ist auch Kategorie C. Aber der ist ein ganz wilder, mit dem wollen wir nichts zu tun haben. Entschuldigen sie, ich muss gehen. Ich habe vergessen, dass heute Nachmittag eine Nachbarin zu mir kommt um sich meine Backform auszuborgen. - Kinder kommt, wir müssen gehen. Nein, keine Diskussion, wir müssen sofort gehen.
B: Auf Wiedersehen, bis zum nächsten Mal. Vieles hat sich in den letzen einhundert Jahren geändert - Einiges ändert sich nie.
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