Q-Gaia - Qantum Gaia - Close Your Eyes

Von: Q-Gaia von Andreas H. Landl | 9. Jänner 2026, 18:30

Q-GAIA: Close Your Eyes / Schließ die Augen!

ERZÄHLER:IN
UNO-City Wien, in naher Zukunft.
Ein voll besetzter Konferenzsaal, müde Delegierte, ein schwarzer Bildschirm, der noch nichts zeigt.

(Atmo Saal: Murmeln, Stühlerücken, Kopfhörer-Klappern)

TECHNIK-STIMME
(neutral)
System Q-GAIA bereit.
Ausgangsszenario geladen:
Hohe Rüstung. Hohe Emissionen. Hohe Ungleichheit.

(Murmeln wird lauter, dann leicht abblenden)

EMMA
(nach vorne, ruhig, klar)
Mein Name ist Dr. Emma Engel,
Quanten-Systemsimulations-Stab des UN-Generalsekretärs
und Leiterin der Task-Force für Quanten-Szenarien Q-GAIA.

Keine Sorge – ich verwandle Ihr Budget nicht in Zauberstaub.
Ich zeige Ihnen nur, welche Zukunft wahrscheinlicher wird,
je nachdem, was Sie heute beschließen.

BOTSCHAFTER
(genervt)
Berichte haben wir genug.
Was soll dieser Rechner anders machen als tausend PDFs?

EMMA
Vielleicht gar nichts.
Vielleicht genau das, was bisher gefehlt hat:
Ein Moment Ehrlichkeit.

(Kurze Stille, Atmo zurück)

EMMA
Bevor wir rechnen, bitte ich Sie um etwas Ungewöhnliches.
Lassen Sie für einen Augenblick alles los,
was Sie heute sagen müssen.
Parteipositionen, Pressemitteilungen, rote Linien.

(Pause, Saal-Atmo leiser, etwas Hall)

EMMA
Und jetzt bitte ich alle im Saal –
und dich, der du gerade zuhörst:
Schließ die Augen!

(Atmo wegblenden. Stühle knarzen, Kopfhörer rascheln.
Dann: leiser Herzschlag oder tiefer Puls, sehr ruhig.)

ERZÄHLER:IN
Zum ersten Mal seit Jahren ist der Saal wirklich still.
Keine Handys, kein Geflüster.
Nur Atemzüge – drinnen und draußen vor den Radios.

EMMA
(leise, sehr präsent)
Stell dir ein Kind vor, das heute in deinem Land geboren wird.
Nicht die Flagge. Das Kind.
Seinen Himmel, sein Wasser, seine Stadt in dreißig Jahren.

(Kurze Pause, Herzschlag etwas deutlicher)

EMMA
Zwei Fragen.
Erstens:
Was ist das Schlimmste, das diesem Kind genommen werden könnte?
Zweitens:
Welche drei Entscheidungen könntest du heute treffen,
damit genau das unwahrscheinlicher wird?

(Pause – der Herzschlag, dann ein Stuhlknarren)

BOTSCHAFTERIN
(zögernd, berührt, zuerst leise)
Drei Entscheidungen…
Weniger Waffen.
Mehr Bildung.
Und dass niEMMAnd mehr hungern muss,
weil irgendwo jEMMAnd an Öl verdient.

ERZÄHLER:IN
Sie merkt, dass sie laut gedacht hat.
Doch niEMMAnd lacht.
Der Saal atmet weiter – mit geschlossenen Augen.

EMMA
Gut.
Behalten Sie diese drei Entscheidungen im Kopf.
Ihr Bild. Ihr Kind.

(Pause)

EMMA
Jetzt öffnet die Augen.

(Atmo Saal kommt zurück, Kopfhörer, leises Murmeln.
Herzschlag ausblenden, dafür wieder Technik-Summen.)

TECHNIK-STIMME
Bereit für Szenarien.
Parameter setzbar: Rüstung, Klima, Umverteilung.

EMMA
Wir spielen Ihr Bild jetzt im Modell nach:
Rüstungsausgaben sinken in zehn Jahren um fünfzehn Prozent.
Ein globaler Klimafonds entsteht.
Und die Reichsten zahlen einen echten Beitrag
für Bildung, Gesundheit und Anpassung in den ärmsten Ländern.

BOTSCHAFTER
skeptisch
Das ist politisch… fast unmöglich.

EMMA
Vielleicht.
Aber Meeresspiegel, Hitze und Hunger führen keine Wahlkämpfe.
Die Physik verhandelt nicht.
Sie zeigt nur, was passiert,
wenn wir nichts tun –
oder zu wenig.

TECHNIK-STIMME
Simulation läuft.

(Quantenrauschen: kurze digitale Glitches,
dann ein ruhiger, pulsierender Ton)

TECHNIK-STIMME
Ergebnis:
Weniger Kriege um Wasser.
Weniger Klimaflüchtlinge.
Weniger extreme Armut.
Konfliktrisiko: deutlich reduziert.

(Stille, Saal-Atmo fast weg, nur ein Husten, ein Stift.
Dann Herzschlag wieder ganz leise unterlegen.)

ERZÄHLER:IN
Die Zahlen stehen im Raum wie ein weiterer Dolmetscher –
für Zukunft.

BOTSCHAFTER
(leiser)
Und wenn wir uns trotzdem dagegen entscheiden?

EMMA
Dann steigt die Wahrscheinlichkeit
für genau das, wovor Sie eben die Augen geschlossen haben.

(Pause)

EMMA
Q-GAIA nimmt Ihnen die Verantwortung nicht ab.
Es nimmt Ihnen nur eine Ausrede:
„Wir hätten es nicht wissen können.“

(Kurze Stille – dann vereinzelt Applaus, der langsam dichter wird.
Saal-Atmo hoch, dann langsam alles ausblenden.)

ERZÄHLER:IN
Vielleicht scheitert ihr Plan.
Vielleicht gelingt er.
Aber an diesem Tag, in diesem Saal
und an allen Radios, die zuhörten,
war eines anders als sonst:
Für ein paar Atemzüge
hat die Welt die Augen geschlossen –
um klarer zu sehen,
wohin ihre Entscheidungen sie führen.

Eventuell:

(Leiser Schlussakkord oder einzelner Ton, dann Ende.)

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Schließ die Augen