Besatzungsmächte , Frauen, Mütter, Kinder
Die Zeit während des Zweiten Weltkrieges
Von: Birgit Müller | 10. April 2026, 11:47
Es handelt sich um eine Erzählung meiner Cousine Rosl, die 1939 erst 16 Jahre alt war und bereits Schlimmes gesehen und erlebt hatte.
Als am 01.09.1939 der Zweite Weltkrieg begann, wurde das Leben in Ranzengrün, dem Heimatdorf meiner Mutter Barbara Müller, noch schwieriger und es brachen düstere Zeiten an. Mein Opa musste Gott sei Dank nicht mehr in den Krieg ziehen, denn er war bereits 55 Jahre alt und sollte die Landwirtschaft aufrechterhalten. Als Bürgermeister war er außerdem dafür verantwortlich, im Dorf die Panzersperren zu errichten – genutzt haben sie leider nichts.
Meine Cousine Rosl erzählt:
Die Heimat meiner Mutter Rosa, das Sudetenland, war vor dem Zweiten Weltkrieg unter tschechischer Verwaltung. Die Männer mussten den Wehrdienst bei den Tschechen ableisten. Damals war es Vorschrift, dass ein Soldat vor dem 21. Lebensjahr nicht verheiratet sein durfte, auch wenn er ein Kind hatte.
Nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg waren die Deutschen bis etwa Juni/Juli 1945 „Freiwild“ – die siegreichen Mächte konnten über sie verfügen, wie über eine Ware. So kamen Russen oder Tschechen und suchten junge Mädchen, um sie zu vergewaltigen. Da ich gerade 16 Jahre alt war, war ich ständig in Gefahr. Aus diesem Grund trug ich ausschließlich Männerkleidung mit Hut oder Mütze, darunter versteckte ich meine langen Zöpfe. Meine kleineren Geschwister waren angewiesen, mir sofort Bescheid zu geben, wenn sich fremde Männer dem Hof näherten. Einmal war ich gerade am Bach, als ich gewarnt wurde, so sprang ich kurzentschlossen in sehr hohe Brennnessel, bis die Männer sich entfernt hatten. Ein anderes Mal versteckte ich mich im Heu, um nicht entdeckt zu werden. Die russischen Soldaten hatten sich kundig gemacht und wollten nicht ohne Mädchen den Hof verlassen. Sie suchten in Haus und Hof nach mir. Dabei stachen sie mit einer langen Gabel im Heu herum, um mich in meinem Versteck ausfindig zu machen. Ich konnte den Zinken der Gabel schon sehen, wurde aber zum Glück nicht entdeckt!
Mein Bruder Kurt, der damals erst 13 Jahre alt war und ich wurden von den Tschechen zu Hause abgeholt und mussten im Wald arbeiten. Untergebracht waren Mädchen und Buben getrennt, jeweils bei deutschen Familien, die ein Zimmer für die Kinder bereitstellen mussten. Am nächsten Tag kamen wieder die Tschechen und machten eine Hausdurchsuchung, sie wollten z.B. Schmuck oder sonstige Wertsachen finden, um gegen die Deutschen mit Gewalt vorgehen zu können. Schließlich verlangten sie nach Rahm (Sahne). Die Frau konnte ihnen aber keinen Rahm geben, weil sie die Milch an die Molkerei abgeliefert hatte. Weil sie die Wünsche der Tschechen nicht erfüllen konnte, wurde die Frau zuerst die Treppe hinuntergestoßen und anschließend an den Haaren mit dem Gesicht nach unten über die Straße geschleift und dann mit einem großen Prügel geschlagen, bis sie keinen Laut mehr von sich gab. Schließlich ließen sie von ihr ab. Die schwer verletzte Frau schleppte sich mit letzter Kraft ins Feld hinaus, um nicht noch einmal diesen Peinigern in die Hände zu fallen. Am Nachmittag kam der Soldat zurück und suchte noch einmal nach ihr. Was aus dieser Frau geworden ist, weiß ich nicht, aber wahrscheinlich ist sie an ihren schweren Verletzungen gestorben.
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