
80 Jahre Zweite Republik Zwischen Trümmern und Neubeginn
Radiokolleg Wie Österreich neu formiert wurde
Im Kartoffelkeller bei Bombenalarm
Pindur Johanna, Jahrgang 1939
Fliegeralarm – Luftschutzkeller
Bei dem Bauern, bei dem meine Mutter mit mir und meinem kleinen Bruder untergebracht waren, gab es keinen Luftschutz“keller“. Bei Fliegeralarm mußten wir in ein kleines Nebengebäude laufen, in dem die Kartoffel für das ganz Jahr gelagert waren. Ich kann mich noch erinnern, daß meine Mutter bei Fliegeralarm zum Himmel schaute, die herannahenden Flugzeuge im Auge behielt und auch manchmal sagte, wenn diese die Bomben ausklinkten „die erreichen uns nicht“. Und sie hatte immer recht. Im obersten Stock des Bauernhauses war eine Frau untergebracht, die immer Karten legte. Sie kam nie in den Kartoffelkeller. Doch eines Tages kam sie gerannt und rief „heute wird’s gefährlich“ … und tatsächlich schlug eine Bombe hinter dem Haus ein.
weiterlesensonstiges Oberösterreich 8. November 2025
Brunnen, Waschschüssel und Nachttopf
Johanna Pindur, Jahrgang 1939
Waschmöglichkeiten, WC, ...
In der Nachkriegszeit lebte ich - Jahrgang 1939 - mit meiner Mutter und mit meinem kleinen Bruder auf einem Gutshof bei Freinberg/Schärding. Es war ein großer Hof mit einem Hühnerzuchtbetrieb. In der Großküche gab es schon Wasseranschluß, in den Zimmern eine große Waschschüssel mit Krug und Nachttopf. Einmal in der Woche war nicht nur in den Zimmern Großreinigung, auch wir Kinder kamen an die Reihe. Neben dem Riesenherd wurde eine flache Zinkwanne aufgestellt, wir mußten uns hineinstellen und wurden mit einem Waschlappen von oben bis unten gewaschen. Es war nicht sehr angenehm. Mein Bruder protestierte heftig und weinte „ich bin froh, wenn ich groß bin, dann muß ich mich nicht mehr waschen – so wie der Onkel Hans“. Schnelle Wäsche wurde damals mit kaltem Wasser beim Brunnentrog erledigt. Ansonsten im Zimmer mit warmen Wasser, das in der Küche vom seitlich eingebauten Wasserbecken geholt wurde. Ich kann mich eigentlich nicht erinnern, daß einer von den vielen Menschen am Ho...
weiterlesenWohnen Oberösterreich 8. November 2025
Schulweg
Johanna Pindur, Jahrgang 1939
gesunde mühsal
Die ersten drei Schuljahre erlebte ich in Freinberg bei Schärding. Von dem Bauernhof, auf dem meine Mutter, mein jüngerer Bruder und ich untergebracht waren, war es 1 Stunde auf der Landstraße in die Schule. Über die Länge des Weges mündeten immer wieder Feldwege von den verschiedenen Höfen in die Straße und war für alle Kinder der Schulweg. Die Gruppe wurde immer größer, und es war nie fad auf dem langen Weg. In der warmen Jahreszeit gingen die meisten Barfuß. Im Winter hatten wir feste , genagelte Schuhe und Wollsocken an, die dann im Klassenzimmer zum Trocknen auf einer Stange, die oberhalb des Kohleofens angebracht war, aufgehängt wurden. Den Geruch dieser nassen Wollsocken habe ich heute noch in der Nase. Auf jeden Fall hatten wir jeden Tag genug Bewegung und kamen mit viel angereichertem Sauerstoff zum Unterricht.
weiterlesenSchule und Ausbildung Oberösterreich 8. November 2025
unterkunft als flüchtling
Johanna Pindur, Jahrgang 1939
Wohnsituation Flüchtlingskinder
Meine Mutter wurde - als die russische Front immer näher kam – aus Wien evakuiert, und wir kamen bei einem Bauern in Bayern unter. Das war eine bittere Zeit. Der Bauer schimpfte und scheuchte uns - mich und meinen Bruder – andauernd. Wir lebten in einer kleinen Kammer mit einem winzigen kohleofen mit einer Herdplatte, auf der unsere Mutter die Wäsche wusch, das Wasser zum waschen wärmte und kochte – sofern sie etwas zum kochen hatte. Wir kannten nichts Süsses, Obst gab es nicht. Ich kann mich nur an Haferflocken und Kartoffeln erinnern, die meine Mutter mit Kräutern zubereitete. Das Holz für diesen Ofen mußte meine Mutter 'organisieren'. Und wenn sie deswegen unterwegs war, saß ich mit meinem kleinen Bruder im diesem Zimmer …. kampfbereit, falls uns einer was antun wollte... In diesem Dorf half uns nur eine Frau manchmal mit Lebensmittel aus... Das ganze Leben, wenn ich an diesen Bauern dachte, habe ich ihm nichts Gutes gewunschen. Die Art dieses Mannes hat mich geprägt. Ich...
weiterlesenFluchtgeschichten Bayern 8. November 2025
Material zum Artikel "The Elephant In The Room"
Angelika Beer
Material zum Artikel "The Elephant In The Room" von A. Beer aus dem Buch "Iglau unterm Hakenkreuz" von Jiri Vybihal
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Fluchtgeschichten Südosten 12. Oktober 2025
Material zum Artikel "The Elephant In The Room"
Angelika Beer
Material zum Artikel "The Elephant In The Room" von A. Beer aus dem Buch "Iglau unterm Hakenkreuz" von Jiri Vybihal, Teil 3
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Fluchtgeschichten Südosten 12. Oktober 2025
Material zum Artikel "The Elephant In The Room"
Angelika Beer
Material zum Artikel "The Elephant In The Room" von A, Beer aus dem Buch "Iglau unterm Hakenkreuz" von Jiri Vybihal
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Fluchtgeschichten Südosten 12. Oktober 2025
Schießbefehle Vertreibung aus Iglau 1945, Original
Angelika Beer
Dokumente aus dem Buch: Iglau unterm Hakenkreuz von Jiri Vybihal Material zum Artikel: The Elephant In The Room von Angelika Beer
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sonstiges Südosten 12. Oktober 2025
The Elephant In The Room
Angelika Beer
Angelika Beer erzählt über ihre Familiengeschichte aus der Iglauer Sprachinsel ( heute Cz) und das tragische Ende 1945 in einem erweiterten historischen Kontext. (Teil 2)
Das erste Mal von Alois Beer erfahren hatte ich im handschriftlichen Testament seines Onkels, des ehemaligen Ehrenbürgers von Iglau, Johann Beer, das ich im Jahr 2022 mit vielen anderen Originaldokumenten geerbt hatte. Johann Beer hatte in den Jahren 1897 bis 1899 zwei Zinshäuser mit je 5 Wohnungen in Iglau errichtet, die immer noch stehen. Alois war der Verwalter eines der Häuser. Er, seine Schwester sowie drei Cousinen waren Erben dieser Häuser. Eine dieser Cousinen ist Amalie, meine Urgroßmutter. Sie starb 1985 in Wien. Mali war aus ihrer Iglauer Wohnung als letzte geflüchtet, nachdem die Familie ein paar Tage zuvor noch über die Grenze kommen konnte. Hier gibt es die Geschichte, dass mein Großvater sie mit einem Miet- Kleintransporter in letzter Minute abholen konnte, nachdem ein Anruf oder Telegramm eingegangen war: „Hol uns hier raus, die bringen uns sonst alle um“. Das einzige, was sie von 500 Jahren Iglauer Familiengeschichte mitnehmen konnten, war eine kleine, silberne St...
weiterlesenFluchtgeschichten Südosten 12. Oktober 2025
The Elephant In The Room
Angelika Beer
Angelika Beer erzählt über ihre Familiengeschichte aus der Iglauer Sprachinsel ( heute Cz) und das tragische Ende 1945 in einem erweiterten historischen Kontext (Teil 1)
THE ELEPHANT IN THE ROOM The Elephant in the Room, das ist wohl etwas, was jede Nachfahrin, jeder Nachfahre von nach Ende des zweites Weltkriegs vertriebenen Deutschsprachigen kennt. Und es sind viele, allein aus dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik sind es rund 3,5 Millionen Menschen, die zuvor jahrhundertelang in der österreichischen Kultur zutiefst verwurzelt waren. Es soll ihnen heute, zum 80jährigen Gedenken des Kriegsendes, eine Stimme gegeben werden- der Elefant darf tief durchatmen und sein enges Zimmer verlassen. Jahrhundertelange Verwurzelung an einem Fleckchen Erde, von dem man lange Zeit sehr wenig wegfuhr oder wegfahren konnte, prägt. Oft sehr alte Familiengeschichten wurden in wenigen Wochen ausgelöscht. Personen, Verwandte, Freunde, verschwanden in Lagern und man hatte nie wieder etwas von ihnen gehört. Einige wenige schafften es vor den „wilden Vertreibungen“ zu Fuß über die Grenze, nachdem sie alle ihre Besitzungen verloren hatten. Sie wurden nur ...
weiterlesenFluchtgeschichten Südosten 12. Oktober 2025
Berührendes Treffen zweier Familien
Lindorfer Ursula
Unser Onkel Karl Gabriel nahm Flüchtlingsfamilie aus Schlesien (Polen) auf. In seinem Pfarrhof wurde am 15. 4. 1945 das Kind Margarete geboren und getauft.
Frau Martha Staisch kam im Jänner 1945 mit 5 Kindern und schwanger zuerst mit dem Zug und dann von Schärding bis Kopfing zu Fuß (! 21 km) in OÖ an und im Pfarrhof unter. Es gab Schwierigkeiten mit der Unterbringung. Unser Onkel war dort Pfarrer. Er nahm sie auf. In seinem Pfarrhof (genauer im Bischofszimmer!) wurde am 15. 4. 1945 das Kind Margarete geboren und getauft. 1946 kehrte die Familie nach Oppeln zurück und seit 1978 lebt sie in Deutschland. Erst heuer erfuhren wir von der Mitmenschlichkeit unseres Onkels. Heuer feierte Margarete ihren 80. Geburtstag. Ihr Gatte machte ihr ein Geschenk und suchte nach Spuren des Wohltäters. Mit Nichten und Neffen traf sich das Geburtstagskind am 7. Juni 2025 an dessen Grab (Pfarre Rannariedl, Pühret 4143 Neustift) in Österreich.
weiterlesenFluchtgeschichten Oberösterreich 21. Juli 2025
Kriegsende in Osttirol
Peter Steiner, Jg. 1937
Ich bin zwar in Baden geboren und in Baden aufgewachsen, bin aber 1944 mit meiner Mutter in das Tal ihres Vaters und ihrer Ahnen in Sankt Jakob in Osttirol gefahren, um den "Endsieg" abzuwarten, In der Alpenfestung, wie meine Mutter mir erklärt hat. Ich muss dazu sagen, dass meine Mutter, wie auch mein Vater Partei Mitglieder der NSDAP waren, dass beide überzeugte Nationalsozialisten waren und das in meinem Kindheitsumfeld überhaupt nur Nationalsozialisten in Erscheinung getreten sind. Ich kann mich an nichts anderes erinnern. Jetzt geht es um das Kriegsende 1945 im Mai. Ich kann nicht beschwören, dass es sich tatsächlich um das Kriegsende oder um Hitlers Tod gehandelt hat, der Ende April im Radio verlautbart wurde, dass er heldenmütig im Kampf gefallen sei. Auf jeden Fall bin ich damals mit meiner Mutter von unserem Gehöft am Berghang hinunter auf den Dorfplatz gegangen, wo vor dem einzigen höheren Haus, das dort existiert hat, in Sankt Jakob vor dem Hotel Post ein Fahnenmast wa...
weiterlesenFamiliengeschichten Tirol 30. Juni 2025
Flucht aus Graz 1945
Herr Reinitzer
Also im Jahre 1945 im März wurde die Bevölkerung aufgefordert die Gebiete um Graz zu verlassen und möglichst nach Norden zu flüchten, weil die Front schon in der Oststeiermark war. Man hat sie schon schießen gehört. Ich wollte dann mit meiner Familie von einem Bauernhof, der circa zehn Kilometer nördlich von Graz ist, aufbrechen und haben alles vorbereitet, haben zwei Pferdefuhrwagen beladen mit allen notwendigen Dokumenten und was man halt alles bei einer Flucht mitnimmt und haben vorgehabt, am 31. März loszuwandern. Die beiden Wagen sind gezogen worden von Pferden. Und als wir dann starten wollten, haben wir bemerkt, dass ein Pferd gestohlen wurde. Jetzt haben wir einen der Wagen mit zwei Pferden bespannt und einen mit einem Pferd, nur weil das zweite gestohlen war und sind losgefahren, das war der 31. März. Und als wir kurz einige Kilometer gefahren sind, hat mein Onkel gemerkt, da ist ein anderes Fahrzeug gewesen mit diesem gestohlenen Pferd. Er ist hingegangen und hat mit de...
weiterlesenFluchtgeschichten Steiermark 30. Juni 2025
29 Heimatvertriebene aufgenommen
Frau Zach, Jg. 1938
Ich war sechs Jahre alt in 45er Jahr am 6. Juni, da haben wir haben wir auf einer Wiese gearbeitet, und da ist ein Zug von Menschen auf der Straße runtergekommen von der anderen Ortschaft. Da hab ich noch zehn Kilometer von der Grenze in meinem Elternhaus gewohnt. Mein Vater war damals Ortsvorsteher, und wir haben eine neu gebautes Haus gehabt, wo noch niemand drin gewohnt hat. Und da war dann 29 Flüchtlinge aufgenommen. Da war von Holleschitz (Anm.: heute Holešice) der Bürgermeister dabei mit neun Kindern. Und der ist getragen worden auf so Brettern. Den haben die die Tschechen so geschlagen, dass er am ganzen Körper ganz blau war. Und der hat bei uns dann von Juni bis nächsten Juni, wo sie nach Deutschland gekommen sind, nur Pudding, Milch und Semmeln und Biskotten gegessen. Und bei uns hat er noch das Jahr gelebt und in Deutschland draußen ist er gestorben. Meine Mutter hat ihm damals alle Kopfpolster mitgegeben, die sind dann beim Hinauswandern im Juni in einen Viehwaggon h...
weiterlesenFluchtgeschichten Niederösterreich 27. Juni 2025
Erniedrigungen zu Kriegsende
Gertrude Liegl
Beschreibungen über Erniedrigungen und Ungerechtigkeiten zu Kriegsende
Ich erinnere mich auch noch, wie einmal mir sehr bekannte und lieb gewordene ältere Leute vor dem Werkstor die Steine der Straße reinigen mussten ! Alte Frauen und Männer knieten da im Staub und schruppten oft weinend stundenlang (ich verstand damals den Grund nicht, wusste aber sofort, dass diese Arbeit mit Bösem zu tun hat), und junge Männer feuerten sie an, es war schrecklich! Ein mir bekanntes Ehepaar sah ich dann lange nicht, aber nach Jahren fand mein Vater sie in einer Mansarde im nächsten Ort, versteckt von guten Menschen. Diese Dame war früher eine Pianistin. Wir bekamen nach dem Krieg eine größere Wohnung, aber in der Nähe der alten und jener dieses jüdischen Ehepaares. Da stand ein wunderschöner Flügel im Wohnzimmer! Mein Vater, Trompeter und Kapellmeister, untersuchte das Klavier und fand tatsächlich ein Schild innen mit dem Namen dieser Dame. Er begann sie zu suchen, glaubte nicht an ihren Tod, und die Freude war für...
weiterlesenBesatzungsmächte Niederösterreich 27. Juni 2025
