Fluchtgeschichten, Wohnen

unterkunft als flüchtling

Von: Johanna Pindur, Jahrgang 1939 | 8. November 2025, 19:34

Wohnsituation Flüchtlingskinder

Meine Mutter wurde - als die russische Front immer näher kam – aus Wien evakuiert, und wir kamen bei einem Bauern in Bayern unter. Das war eine bittere Zeit. Der Bauer schimpfte und scheuchte uns - mich und meinen Bruder – andauernd. Wir lebten in einer kleinen Kammer mit einem winzigen kohleofen mit einer Herdplatte, auf der unsere Mutter die Wäsche wusch, das Wasser zum waschen wärmte und kochte – sofern sie etwas zum kochen hatte. Wir kannten nichts Süsses, Obst gab es nicht. Ich kann mich nur an Haferflocken und Kartoffeln erinnern, die meine Mutter mit Kräutern zubereitete.
Das Holz für diesen Ofen mußte meine Mutter 'organisieren'. Und wenn sie deswegen unterwegs war, saß ich mit meinem kleinen Bruder im diesem Zimmer …. kampfbereit, falls uns einer was antun wollte...
In diesem Dorf half uns nur eine Frau manchmal mit Lebensmittel aus... Das ganze Leben, wenn ich an diesen Bauern dachte, habe ich ihm nichts Gutes gewunschen. Die Art dieses Mannes hat mich geprägt. Ich würde nie einem Kind, das als Flüchtling bei uns lebt – und es sind jetzt wieder viele – so entgegen treten.

Umgebungskarte "Fluchtgeschichten"

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Bayern

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