Nebelwald
Von: Christine Doblinger | 6. Jänner 2026, 21:10
Dichter Nebel bedeckt das Land
in einer undurchdringlichen Wand.
Schaurig düstre Schwaden schleichen
nasskalt durch Tannen, Buchen, Eichen.
Linus und Annabell gehen Hand in Hand.
Nebelverhangen ist ihr Blick,
sie finden nicht mehr zurück,
sie irren wie die Irren
in den Nadelwaldwirren.
Da macht es „Klick“.
Linus stolpert: „Annabell,
geh nicht so schnell!“
Auf den feuchten Blättern oh Graus
rutscht er erschrocken aus:
„Dort steht ein düstrer Gesell!“
„Halt dich fest an den Fichtenzweigen,
die sich dort vor dir verneigen!“
ruft ihm Annabell von oben zu
und bückt sich zu ihrem Schuh
im feuchten Herbstwaldreigen.
Linus wird vor der Tiefe gerettet
und er hätte gewettet,
einen Schatten gesehen zu haben
dort im tiefen Hohlweggraben,
in nahes Unheil eingebettet.
Ein Schuss – ein Schrei – ein zweiter Schuss
Annabell sackt auf das Moos
nicht mehr grün, nein, blutig bloß.
Linus zieht sich den Abhang hinauf,
im gehetzten Pechsträhnenlauf
fällt er auf Annabells Schoß.
„Hilfe, Hilfe!“
Das Handy hat keinen Empfang:
„Wie setz ich die Rettung in Gang?“
Angstschweiß macht sich breit,
bis zum Auto ist es zu weit,
ihm wird unbändig bang.
Er fängt an zu schwitzen,
Schweiß tritt aus den Hautritzen:
„Was ist uns geschehen,
wie soll es weitergehen?“
Jetzt fängt es an zu blitzen.
Das Phantom erklingt erst sacht,
dann laut in der Musik der Nacht:
Schließ die Augen, schütze dein Gesicht
vor dem grellen Tageslicht.
„Linus hat die Augen aufgemacht,
ist in meinem Schoß erwacht“
*
Credits:
Erzählstimme - Christine Doblinger
Linus - Julian Haunold
Annabell - Teresa Doblinger
Text - Christine Doblinger
Ton, Klarinetten - Teresa Doblinger
Übersicht:
Schließ die Augen
