Lichtbesucher
Von: Elisabeth Leeb | 7. Jänner 2026, 16:42
Ich bin Schauspielerin und Sprecherin und beschäftige mich erst sehr kurz mit dem Thema Hörspiel.
Titel: Lichtbesucher
Text: Elisabeth Leeb
Wir stehen mit unserem Raumschiff inmitten eines sakralen Gebäudes.
Raum und Zeit haben wir überwunden, um unser Experiment auf
terrestrischem Boden voranzutreiben.
Im Zeit-Raum-Kontinuum finden wir die Kirche menschenleer, was unser
Ziel war. Nur so können wir für die Erdenbewohner unsere Kenntnisse in
Träume verpackt zurücklassen.
Ein Boden, der keiner ist, eine Wirklichkeit, die keine ist, der Mensch, der
keiner ist. Werden sie es je verstehen? Wir geben die Hoffnung nicht auf
und warten auf das nächste Zeitfenster.
Es ist vollbracht und wir fliegen zurück in unsere Heimatgalaxie.
Der Sonnenstrahl, der durch das große Mosaikfenster der Kirche fällt,
wird von der Haut unseres Raumschiffes absorbiert und vervielfacht,
damit liefert er uns die notwendige Energie für unseren Abflug.
Technisch betrachtet beginnt die Lichtenergie in einer sich steigernden
Frequenz zu schwingen, bis die Geschwindigkeit der Atome so hoch ist,
dass wir faktisch unsichtbar werden.
Und schon sind wir wieder zuhause, weit weg und doch am selben Ort.
Diese Kurzausflüge auf die Erde machen richtig Spaß. Mein Crew
Partner und ich, wurden speziell für die terrestrischen Einsätze
ausgewählt, weil wir uns schnell in die Gedankenmuster der
Erdenbewohner einklinken können, und daher unser Wissen
menschengerecht zu vermitteln wissen.
Mein Partner ist schon ein erfahrener TA1, was bedeutet, dass er ein
Terra Adventicus der ersten Stunde ist. Ich bin neu und es ist mein
allererster Einsatz, den ich mitgeflogen bin. Ich bin eine T 10100.
Ich habe bereits gelernt, wenn Menschen sagen: „Schließ die Augen!“,
dann meinen sie damit, jemand soll sich schlafen legen. Und genau da
kommen wir ins Spiel.
Es ist richtig spannend unser Wissen an Traumreisende – oder was die
Erdenbewohner für Träume halten – weiterzugeben.
Freud war nicht der erste, der einen guten Ansatz hatte, um unsere
Kommunikationsmechanismen zu entschlüsseln.
Natürlich wird das nie gelingen, weil wir Lichtjahre voraus sind.
Ich schaue den Erdenbewohnern gern bei ihrer Entwicklung zu, was
auch heißt, ich schaue ihnen gerne beim Schlafen zu.
Ich denke, meine Gefühle dabei sind am ehesten mit einem Elternteil
vergleichbar, der sein Kind liebevoll beobachtet, es aber seine eigenen
Erfahrungen machen lässt, und nur, wenn unbedingt nötig ist, lenkend
eingreift.
Oh, ich höre das Glockenspiel der Kirche, wir müssen los, ein neuer
Einsatz ruft.
Salus lumen, TA1 und TA10100 melden sich zurück.
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Übersicht:
Schließ die Augen
