AUF LEISEN TATZEN
Von: Eva Maria Höfler | 5. Dezember 2025, 15:27
AUF LEISEN TATZEN:
Schließ die Augen und tauche ein in die magische Welt der Katzen.
Während ich mich am Bett liegend mit geschlossenen Augen entspanne, höre ich Ine – unsere Bengalenkatze – in den Raum kommen.
Das Auftreten der Tatzen am Holzboden ist wahrzunehmen und ihre feine Ausstrahlung, obwohl sie sich geschmeidig und fast lautlos bewegt.
Ich öffne meine Augen und sehe nur die senkrecht aufgerichtete Schwanzspitze von Ine. Sie ist etwas gebogen und in Bewegung. Das Fell ist cognacfärbig-schwarz gestreift mit einem zarten Seidenschimmer.
Jetzt vernehme ich ihre besondere Art zu Miauen. Es ist eine Mischung von Miauen, dem Quaken eines Frosches oder einer Ente und hat auch einen leicht bellenden Unterton.
Morgens ist es oft nur ein fast tonloses Krächzen, bis ihre Stimme wieder in Schwung kommt.
Das kleine Säckchen mit den ersehnten Knusperkissen-Leckerlis habe ich in der Lade meines Nachtkästchens untergebracht.
Ine verbringt immer wieder Zeit damit, von oben, von unten oder von der Bettseite aus, an das Leckerlisäckchen zu kommen. Doch die Lade ist aus massivem Holz und daher sind die Leckerlis für Ine unerreichbar aufbewahrt, was sie nicht daran hindert, immer wieder zu versuchen, doch noch an die Leckerlis zu kommen.
Alles, was Ine erblickt, verwandelt sie in ein Spielzeug:
Vorhänge, Jalousienschnüre, Zettel, Bücher, Schreibmaterialien, Pflanzen, und alles, was sie entdeckt, ist interessant und wird bespielt.
Ihr Spezialgebiet sind offene Koffer und Sporttaschen, die sie von Zeit zu Zeit als Kistchen verwendet nicht gerade zu unserer Freude.
Während ich am Computer sitze, höre ich ein leises Geräusch von oben.
Suchend schweift mein Blick hinauf Richtung Galerie.
Ine balanciert gekonnt auf einem der Dachbalken und hat ihre großen hellblauen Augen, die manchmal auch rot schimmern, beobachtend und fast hypnotisch auf mich gerichtet.
Interessiert und neugierig lebt sie und erforscht die Welt in jedem Augenblick.
Am liebsten trinkt sie fließendes Wasser von einem Trinkbrunnen. Wie aus einem Wasserhahn rinnt das Wasser und plätschert munter. Das gefällt ihr.
Aber auch die Wasserschüssel aus Edelstahl findet ihr Interesse.
Erst taucht sie eine Pfote ein und spritzt und spielt mit dem Wasser.
Danach trinkt sie.
Flink bewegt sie ihre Zunge ins Wasser und genießt die Erfrischung.
Und immer wieder höre ich an manchen Tagen aus dem Badezimmer ein ausdauerndes „Miau“. So lange bis ich ins Bad gehe und für Ine den Wasserhahn der Badewanne so aufdrehe, dass nur ganz wenig Wasser herausrinnt.
Dann trinkt Ine, obwohl dabei ihre Tatzen nass werden, bis sie genug hat.
Sie springt aus der Badewanne und tappt mit ihren feuchten Tatzen durchs Haus Abdrücke auf dem Parkettboden hinterlassend.
Jedes Mal nach dem Sitzen oder Liegen kommt ein Ritual von Ine, das ich Katzenyoga nenne.
Sie reckt und streckt und dehnt sich ausführlich.
Wir Menschen können viel von Katzen lernen.
Ine erfüllt sich viele ihrer Bedürfnisse selbst wie Jagen, Chillen und Reinigung.
Streicheleinheiten fordert sie ein, aber nur wenn sie gerade Lust darauf hat.
Sie lässt sich sehr ungern hochnehmen und zappelt dann so lange herum, bis sie wieder losgelassen wird.
Knisterbälle liebt sie sehr! Wie ein Hund bringt sie die geworfenen Knisterbälle als Trophäe zurück und wartet auf den nächsten Wurf.
An einem späten Frühsommerabend ist Ine bei uns angekommen. Sie hat unser ganzes Leben auf den Kopf gestellt, uns mit ihrem Charme verzaubert und unsere Herzen weit geöffnet.
Sie ist eine Quelle der Freude, der Neugier, von Überraschungen und unendlich viel Liebe!
Übersicht:
Schließ die Augen
