Fritzelchens Fresslust

Von: Daniela Noitz | 26. Dezember 2025, 15:55

Fritzelchen ist groß für sein Alter.
Schwimmringig.
Von den Füßchen bis zu den Händchen Fett.
Mit einem Jahr ist das noch putzig.
Sagen sie.
Es sei die gute Milch.
Er trinkt doppelt so viel wie empfohlen.
Hinweise sind auch nur Empfehlungen.
Schließ die Augen, Fritzelchen.
Dann schmeckt es besser.
Kuhmilch.
Muttermilch von Kühen.
Gedacht für Kälber.
Nicht für Menschenkinder.
Aber es schmeckt.
Und Molkereien sagen, sie sei gesund.
Nur für die richtigen Babies.
Das sagen sie nicht.
Er braucht was G’scheits.
Wurst.
Gemüse mag er halt nicht.
Was soll man machen.
Ich hab’s auch so gehalten.
Mir hat’s nicht geschadet.
Stuten werden geschwängert.
Nicht bei uns.
Weit weg.
Sechs Wochen lang wird ihnen Blut abgenommen.
Viel Blut.
Für ein Hormon.
Damit andere Tiere schneller, planbarer, verwertbarer werden.
Schweine werden synchron schwanger gemacht.
Körper an Körper gepresst.
Bewegung unmöglich.
Sie sind nur noch der Körper, an dem die Brüste hängen.
Stillliegen.
Monate lang.
Schließ die Augen.
CO₂-Gondel.
So nennt man das.
Oben lebend rein.
Unten tot heraus.
Fast eine Minute Panik.
Manche leben noch.
Dann kommt das Brühbad.
Die Stute wird abortiert.
Das Fohlen ist überflüssig.
Ein Nebenprodukt.
Dann wird sie wieder geschwängert.
Körper vorbereiten.
Gebären.
Verlieren.
Von vorn.
Das mit dem Wechsel…
da braucht man halt Hilfe.
Das ist doch heute normal.
Man will sich ja noch spüren.
Noch Frau sein.
Schließ die Augen.
Es dauert nicht lang.
Schwein, Kuh, Stute.
Überall Mütter.
Überall Kinder.
Geboren, um zu verschwinden.
Reduziert auf Brauchbarkeit.
Kapitalisierbarkeit.
Fritzelchen wächst.
Von fremder Milch.
Von toten Kindern.
Unbehelligt.
Geliebt.
Schließ die Augen.

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Schließ die Augen