Banman

Von: Eva | 9. Jänner 2026, 14:51

Benman
"Erik, schau nicht so blöd", krächzt die Mutter und klopft ihm einige Male mit der eingerollten Gala-Zeitschrift auf den Kopf. "Du bläda Bua, undankbares Gfrast, wieviel wir in dich investiert haben, dass du Frauen kennenlernst. Du unfähiger Bazi. Dein Bruder kann das!" "Der Ben ist ein Fettsack", blökt es aus Eriks Mund. Ben öffnet seine Lippen fassungslos und will sich aus seinem Sessel erheben, der bereits seinen exakten Körperabdruck angenommen hat. Unerwartet steckt er fest. "Ich hau dir gleich in die Fresse, du Brunzer". Erik tänzelt an Benman vorbei, der im Wohnzimmer seine Lieblingsseifenoper "Gefängnis der Liebe" mit seiner Mutter ansieht. "Ich hole nur meine Unterhosen und bin gleich wieder weg", betont Erik. "Du Muschi!", rülpst Benman und schiebt sich im gleichen Augenblick ein Pizzastück in den Mund. Das Öl trieft ihm seitlich am Kinn weiter die Kehle herunter und der letzte Tropfen saugt sich am Kragen voll und hinterlässt eine Fettspur. Weniger kauend, mehr schlingend erfreuen sich seine Geschmacksknospen am warmen, glitschigen Käse und der knusprig-saftigen Salami. Ben schleckt seinen Zeigefinger und Daumen ab. Schmatz! Die Mutter geht Erik nach und fragt: "Wozu brauchst du Unterhosen?". "Ich übernachte bei Siggi". "Mich trifft bei dir noch der Schlag". Erik kehrt seiner Mutter den Rücken und kramt im Kasten seines Kinderzimmers, welches er sich noch mit seinem Bruder teilt. Bens Glückseligkeit mündet durch die Käse-Salami-Pizza in einen Orgasmus. Wie ein Reptil, welches brockenweise Pizzateile verschlingt, verschluckt sich der Lieblingssohn. Panisch schlägt er um sich herum. Schmeißt die Fernbedienung zu Boden. Die Mutter dreht sich im Nebenzimmer um und lugt über den Bügelberg auf ihrem Tisch. "Benischatz, was ist?" sie eilt zu ihm. "Erik!", kreischt die Mutter aus dem Bügelzimmer rennend. "Hilfe!" Erik kommt angetänzelt und bleibt mit angewinkelten Armen in einer Hundepose im Türstock stehen. Sein offener Mund und sein leerer Gesichtsausdruck fühlen sich ratlos und überfordert an. "Erik, hilf mir!", schreit die verzweifelte Mutter. Erik ist wie festgefroren und hält sich angewidert die Hand vor dem Mund und muss würgen. Er wendet sein Gesicht ab. Ben ist zu schwer für die Mutter. Er steckt im Fauteuil fest. Sie versucht ihn hochzuhieven, er zappelt jedoch nur langsam. Die Mutter umschlingt Bens gebeugten Brustkorb und drückt gegen seinen Magen. Sie drückt abermals, diesmal fester. Sein Gesicht ist bereits rot und scheint zu platzen. Der Schweiß rinnt an ihm herunter. Seine Beine krampfen und zappeln kaum mehr. Da tritt Gevatter Tod an die Türschwelle. Eine gesichtslose Gestalt in eine Kutte gehüllt mit einer Sense in der Hand. Mit der anderen Hand zeigt sie zu Ben und spricht klar die Worte: “Schließ die Augen!“. "Beni!", schreit die Mutter. Erik läuft schreiend hindurch den Tod aus der Wohnung. Die Mutter setzt zum letzten Versuch an, holt mit ihrer kräftigen Faust aus und schlägt ihrem Liebling auf den Rücken. Ein schleimiges Stück Pizzarest klatscht auf des Todes Schuhspitze. Benman bekommt Luft, bäumt seinen Oberkörper auf und fällt erleichtert in den durchgeschwitzten Lehnsessel zurück. Die Mutter fällt erschöpft auf die Knie, umarmt Bens wiederbelebten Körper und weint vor Freude in ihr rotkariertes Geschirrtuch.

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Schließ die Augen