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Hüseyin Tabak, Regie und Drehbuch

Wiener Filmpreis für Doku "Kick Off"

Durch Chaplin und Güney kam er zum Film: Hüseyin Tabak, Deutsch-Kurde, Jahrgang 1981, der an der Filmakademie Wien Regie und Drehbuch studiert. Sein Dok-Film "Kick off" wurde heuer bereits mit dem "Diagonale"-Jugendpreis ausgezeichnet. Nun erhält die Doku den Wiener Filmpreis im Rahmen "Viennale".

"Ich habe schon mit 13 die Kamera von meinem Vater ausgeliehen. Meine Freunde und ich haben jahrelang bei Street-Soccer-Turnieren mitgemacht. Dabei habe ich oft mit gefilmt. Schließlich habe ich das Material geschnitten und es meinen Freunden gezeigt. Als ich sah, wie gerührt sie waren, dachte ich mir: das ist etwas für dich.

Es sind vor allem zwei Filmemacher, die ich auch als Menschen bewundere: Charly Chaplin und Yilmaz Güney. Denn sie versuchen mit ihren Werken, die Menschen zu berühren. Ich habe mich sehr mit ihnen auseinander gesetzt. Und sie waren es, die mir halfen, an meine Grenzen zu gehen", erzählt Hüseyin Tabak, Deutsch-Kurde aus Lemgo in Nordrhein-Westfalen, Jahrgang 1981, über seine Anfänge.

Seit 2006 studiert er Regie und Drehbuch bei Peter Patzak und Michael Haneke an der Filmakademie Wien. Abschließen wird er voraussichtlich 2011.

Auf Wunsch der Eltern hatte er nach seiner Matura zunächst in Bielefeld mit dem Studium der Volkswirtschaft begonnen. 2003 ging er nach Hamburg, wo er in über 20 Film- und TV-Produktionen vom Set-Praktikanten bis zum Regieassistenten tätig war.

Durch Stephan Wagner nach Wien

Nach Wien kam Tabak durch den Regisseur Stephan Wagner, der in Wien studiert hatte und dem Nachwuchs-Filmer empfahl, unbedingt an die Filmakademie zu gehen. Nach mehreren Bewerbungen in Deutschland versuchte es Tabak schließlich in Wien und wurde sofort aufgenommen.

Soziale Themen im Fokus

"Ich experimentiere natürlich noch. Beim Spielfilm liegt meine Stärke bei den Schauspielern und bei der Team-Führung. Ich wähle mein Team so aus, dass es meine Wellenlänge hat. Und ich fordere seine Kreativität ein.

Sowohl im Spiel- wie im Dokumentar-Film beschäftige ich mich sehr mit sozial-dramatischen Themen. Aber ich will sie nicht trocken erzählen. Daher haben auch meine Dok-Filme eine Spielfilm-Dramaturgie", charakterisiert Tabak, der bisher elf Kurzfilme und einen Langfilm gemacht hat, seine Arbeiten.

"Diagonale"-Preise für "Kick off"

Heuer feierte Hüseyin Tabak einen durchschlagenden Erfolg: Sein erster langer Dokumentar-Film "Kick off", in dem sich der begeisterte Fußballspieler mit Teilnehmern des "Homeless World Cup" auseinandersetzt, wurde mit dem "Diagonale-Preis der Jugendjury des Landes Steiermark" und mit dem Publikumspreis ausgezeichnet.

"Wir sollten im vierten Semester einen 20-minütigen Dok-Film machen. Mein Kameramann Lukas Gnaiger, der meine Street-Soccer-Vergangenheit kannte, machte mich damals auf diesen Weltcup aufmerksam. Beim Recherchieren wurde mir klar, dass die Story so stark ist, dass sie 90 Minuten trägt. Das Akademie-Budget betrug aber nur rund 200 Euro.

Da ich davor Josef Aichholzer, den Produzenten von Stefan Ruzowitzkys 'Oscar'-gekröntem Film 'Die Fälscher', kennen gelernt hatte, rief ich ihn an und erzählte von meinem Projekt. Nach einem langen Gespräch sagte er schließlich zu."

In Ö1 "Synchron" zu Wien-Premiere

Anlässlich der Wien-Premiere von "Kick off" sendete das Ö1 Filmmagazin "Synchron" am 6. Mai 2010 ein Interview mit Hüseyin Tabak.

Am 7. Mai startete Tabaks preisgekrönter Dokumentar-Film, der auch vom ORF unterstützt wurde, im Wiener "Votiv Kino". Der Film wurde auch in Linz und Graz gezeigt.

"Heim" bei "Vienna Independent Shorts"

Ebenfalls im Mai wurde Tabaks Kurzfilm "Heim" bei den "Vienna Independent Shorts" gezeigt, wo er im Wettbewerb lief.

Arbeit an Milo-Dor-Verfilmung

Derzeit arbeitet Hüseyin Tabak an der Verfilmung des Milo-Dor-Jugendromans "Das Pferd auf dem Balkon". Das Drehbuch hat Dors Sohn Milan verfasst. Die Dreharbeiten sind für Winter 2011/12 geplant.

Internationaler Erfolg mit "Cheeese"

Einen großen internationalen Erfolg feierte Hüseyin Tabak bereits 2008 mit seinem ersten Akademie-Kurzfilm "Cheeese", der von einer kurdischen Familie während des Irak-Kriegs 2003 handelt:

Die Produktion, die beim "World Film Festival" in Montreal Weltpremiere hatte, wurde von der Filmakademie für den "Studenten Oscar" in Los Angeles eingereicht. Tabaks erfolgreicher Film erhielt über 50 Festival-Einladungen und rund ein Dutzend Auszeichnungen.

Frei arbeiten und eigene Geschichten erzählen

Wie lauten die Zukunftswünsche des erfolgreichen Regisseurs?

"Dass ich Freiheit beim Filmemachen habe und meine eigenen Geschichten erzählen darf. Mein Ziel ist es, mir aussuchen zu können, was und wie ich es mache. Natürlich im Team – ich komme ja vom Fußball", so Hüseyin Tabak.

Gestaltung: Matthias Osiecki · 03.04.2010

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