Studenten und Rektoren planen Protestaktion
Unimisere und kein Ende
Seit dem großen Uniprotest vor einem Jahr hat sich nichts verbessert, meinen viele Studenten: Überfüllte Lehrsäle, lange Wartezeiten, zu wenig Lehrpersonal. Nächste Woche sind wieder Protestaktionen geplant. Österreich werde angesichts der Situation an den Universitäten international ausgelacht, meinte kürzlich der Rektor der Technischen Uni Graz, Hans Sünkel.
8. April 2017, 21:58
Mittagsjournal, 12.10.2010
Ein Lokalaugenschein von
Semesterbeginn an den Universitäten
Kalt aber sonnig ist es an diesem Tag. Vor der Universität Wien werden Gratiszeitungen verteilt, und es werden Zeitungsabos für Studenten angeboten. Zwei Banken haben Plakate aufgestellt und bieten Studentenkontos an. Hunderte Studenten betreten das Universitätsgebäude, viele haben eine blaue Uni-Wien-Tasche umgehängt, ein Geschenk der Universität für Studienanfänger.
"Nichts hat sich verbessert, alles ist überfüllt"
"Ich habe heute meine erste Vorlesung und werde jetzt mal schauen, wie viel los ist“, sagt eine Studentin. Eine andere meint: "Ich war einmal in einer Vorlesung zusammen mit 450 anderen Studenten, in dem Raum war aber eigentlich nur Platz für 200 Leute." Auch eine Studentin aus Russland hat heute ihren ersten Tag auf der Uni, sie nennt es ihren Traum, hier zu studieren. Für viele ältere Studenten ist dieser Traum der Realität gewichen: kein Platz im Hörsaal, kein Platz im Seminar, kein Platz in der Übung. "Es ist hier auf der Uni genauso wie letztes Jahr, alles ist überfüllt. Bei Ernährungswissenschaften muss man drei Semester warten, um in eine Übung zu kommen", meint ein Student. "Es gibt sicher einen enormen Zuzug von ausländischen Studenten, die in ihrem Land nicht zum Studium kommen, ich denke, das wirkt sich negativ auf die Universitäten aus, weil sie dafür nicht gewappnet sind."
Rektor: "Österreich wird ausgelacht"
Der Rektor der Technischen Universität Graz, Hans Sünkel, sagte vor kurzem, dass Österreich angesichts des Betreuungsverhältnisses und des freien Unizugangs international ausgelacht werde. Immer weniger ausgezeichnete Bewerber melden sich für neue Professorenstellen an den heimischen Unis, beklagen die Rektoren. Abschreckend seien die Massenfächer und der finanzielle Notstand.
Aber welche Zugangsregeln sind gerecht? "Grundsätzlich bin ich schon für Aufnahmeregelungen", sagt ein Student. Aber eine Studentin der Wirtschaftsuniversität widerspricht: "Das finde ich eigentlich blöd, vor allem diese Knockout-Prüfungen. Bei der Wirtschaftsuniversität muss man zum Beispiel vier große Prüfungen in einer Woche schaffen, auf die muss man hinlernen und kann sich nicht einzeln darauf vorbereiten."
"System wird an die Wand fahren"
Aber nicht nur die drohenden Aufnahmeregelungen sorgen unter den Studenten für Diskussionen. Ein weiteres Streitthema sind auch die Studiengebühren. Sollen sie wieder eingeführt werden? "Durch die Abschaffung der Studiengebühren verlängert sich die Studiendauer, weil man ohne den finanziellen Druck nicht mehr so schnell studieren muss", meint eie Studentin. Doch die Wirtschaftsstudentin widerspricht abermals: "Studiengebühren sind blöd, weil ärmere Menschen dann nicht studieren können." Viele wären bereit Studiengebühren zu zahlen, wenn sich dadurch die Studienbedingungen merkbar verbessern würden. Ob sie sich dem Studentenprotest nächste Woche anschließen werden, das wissen hier derzeit noch wenige.
"Das System wird irgendwann an die Wand fahren, denn wenn die Hörsäle jetzt schon so überfüllt sind, wie wird das dann in fünf Jahren ausschauen?", meint ein Student. Die Probleme der Studenten scheinen noch lange nicht gelöst. Ein heißer Herbst an den Universitäten dürfte auch heuer wieder bevorstehen.
Mittagsjournal, 12.10.2010
Studenten und Rektoren vereint,
Einigkeit bei ÖH
Der Grimm der Studentenvertretung richtet sich besonders gegen die Minister Karl und Pröll, von denen sie ein Hochschulrettungspaket für das Budget 2011 fordern, sagt Thomas Wallerberger vom ÖH-Vorsitzteam.
Gegen die geplanten selektiven Studieneingangsphasen spricht sich Sigrid Maurer vom ÖH-Vorsitzteam aus. Die Geburtenraten seien ohnehin rückläufig und außerdem würden viele Studierende durch sogenannte Voraussetzungsketten auch später aus dem Studium kippen, da sie aus Platzgründen keine Seminarplätze bekämen.
19. Oktober Protesttag
Am 19. Oktober halten nun die Unis - Rektoren, Professoren, Personal und Studenten gemeinsam Vollversammlungen ab. Geordnete Demonstrationen sind bereits geplant, so ÖH-Generalsekretärin Mirijam Müller.
Was die autonome Hörsaalbesetzungsszene unter dem Motto "Uni brennt" tun wird, ist noch nicht klar - das liegt wohl auch in der Natur der Sache. Der Unterschied zu früheren Protesten: die Einigkeit. Bei den Vollversammlungen machen die Rektoren mit.
