Unternehmer, Verleger, Komponist, Pianist
Brückenschläger von der Klassik zur Romantik
Ignaz Joseph Pleyel war einer der meist gespielten und höchst angesehenen Komponisten seiner Zeit und Begründer einer Klaviermarke. Er war klug genug, sein Komponieren zurückzustellen, um die Besten der nächsten Generation zu fördern.
8. April 2017, 21:58
Ignaz Pleyel wurde am 18. Juni 1757 in Ruppersthal (Niederösterreich) geboren. Die Karriere des Buben aus dem Weinviertel ist steil, und dies nicht zufällig. Dass Pleyel, der Schulmeisterbub, von Graf Ladislaus Erdödy aus Pressburg unterstützt, bei Johann Baptist Wanhal im Jahr 1771 und bei Joseph Haydn von 1772 bis 77 lernen durfte, muss auf besondere Beziehungen zurückzuführen sein. Möglicherweise war die Mutter adeliger Abstammung.
Gelernt bei Haydn
Pleyel war Freimaurer wie sein Lehrer Haydn, er war ein Logenbruder von Ludwig von Erdödy. Dem Grafen Ladislaus von Erdödy, der in Pressburg ein Musikzentrum nach dem Vorbild Esterhaza etablieren wollte, diente Pleyel kurze Zeit als Kapellmeister, bevor ihn Prinz Luis von Rohan als Vizekapellmeister an das strassburgische Münster von 1783 bis 1793 verpflichtete. In diesen Jahren war er am Höhepunkt seines kompositorischen Schaffens.
Wie erfolgreich er sich als Komponist vermarktete, zeigt die Tatsache, dass er 1797 der meistgespielte Komponist Europas war. Er kreierte mit Johann Philipp Schönfeld in Strassburg öffentliche Amateurkonzerte, verehelichte sich 1788 mit Franziska Gabriele Ignatia Lefebvre. 1788 wurde der Sohn Camille geboren, der die klavierbauerische Tradition Pleyel fortführen sollte.
Freundschaft vor Wettkampf
Ende des Jahres 1791 sollte Pleyel in London in den "Professional Concerts" als Konkurrent Haydns auftreten, doch der Wettkampf scheiterte an der Freundschaft der beiden, Haydn hielt große Stücke auf Pleyel. Dennoch reich geworden in London, kaufte er sich in Paris ein Landgut, komponierte - als verdächtiger Österreicher unter Hausarrest gestellt - eine Revolutions-Kantate. 1796 als Komponist, der den Ruhm der Revolution verbreitete, in eine Ehrenliste aufgenommen, war Pleyel zwar in Paris anerkannt, in Wien aber abgeschrieben.
Er gründete 1797 einen Verlag, erfand die Taschenpartitur - beginnend mit der Edition von vier Sinfonien Haydns, verabsäumte es aber, seine eigenen Werke zu drucken - was ihre Aufführung heute so schwierig macht.
Begnadeter Unternehmer
Der Komponist Pleyel war dennoch ein viel verlegter: seine US-amerikanische Bearbeiterin Rita Benton, der wir das Benton-Werkverzeichnis verdanken, listet 2.000 verschiedene Ausgaben von etwa 250 Verlegern in Europa und Nordamerika auf. Bereits 1822 wurde in Massachusetts eine Pleyel-Gesellschaft gegründet.
Sein Verlagshaus - errichtetet 1797 - wurde das größte Europas, die 1807 gegründete Klaviermanufaktur mit 1.500 Angestellten so bedeutend, dass viele reisende Künstler auf einem Pleyel-Klavier mit englischer Mechanik spielten und im Salon des Erzeugers auftraten. Die Manufaktur des Instruments, das die Romantik einbegleitete, besteht heute noch in Ales. Wie die meisten Klavierbauer schuf Pleyel auch einen Aufführungsort, einen Salon, der an seinem dritten Standort - der Salle Pleyel - 1927 begründet wurde. Der Geförderte wird - ganz im Sinne einer mäzenatischen Tradition - ein Fördernder, hört in Paris zu komponieren auf und widmet sich den Nachkommenden - wie der Karriere Frederic Chopins, der mehrmals bei ihm auftrat.
Bei einem Brand wurden 500 historische Flügel zerstört; jenes Pleyel-Klavier, das heute im Museum in Ruppersthal im ehemaligen Schulhaus ausgestellt und auch bespielbar ist, ist daher eine Rarität.
Von Mozart geschätzt
Nach einigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten und dem Verkauf seines Verlagshauses starb Pleyel am 14. November 1831 in Paris und wurde am Pariser Friedhof Père-Lachaise beerdigt. Er hatte noch im Todesjahr die zweite Hochzeit seines Sohnes mit der ehemaligen Verlobten Berlioz', Marie Félicité Denise Moke, einer gefeierten europäischen Pianistin, erlebt.
Pleyels Musik mit Abschätzigkeit zu begegnen, zeigt nur den Hochmut der Nachgeborenen. Mozart nannte sie "sehr gut geschrieben und sehr angenehm." Am 24. April 1784 schrieb er an seinen Vater: "Gut und glücklich für die Musik, wenn Pleyel seiner Zeit imstande ist, uns Haydn zu remplacieren."
So wie Mozart widmete auch Pleyel sechs seiner über 60 Quartette Haydn. Zu seiner Zeit wurde Pleyel die Kompetenz an der Wiener Klassik keineswegs abgesprochen. Chopin sagte: "Es gibt nur einen Mann, der weiß, wie man Mozart spielt. Dies ist Pleyel, und wenn er zustimmen sollte, möchte ich gern mit ihm eine vierhändige Sonate spielen. Ich bin auch gern bereit zu lernen." Chopin widmete Pleyels Schwiegertochter seine Nocturnes op.9, und die 24 Préludes op. 28 dem Sohn Camille.
Hör-Tipps
Apropos Klassik, Montag, 5., 12., 19. und 26. März 2007, 15:06
CD-Tipp
Ignaz Joseph Pleyel, "Streichquartette", Artis-Quartett Wien, ORF-CD 484, ab Ende März im ORF-Shop erhältlich.
Links
Ignaz Pleyel Museum
Artis-Quartett Wien
