Bernard Ammerer, Maler

Nach dem Jus-Studium wechselte er zur Kunst: Bernard Ammerer, Jahrgang 1978, der an der Angewandten Malerei studierte und nun beendet hat. Zuletzt waren seine Werke bei der heurigen "Artefiera" in Bologna zu sehen. Zum Abschluss zeigt er seine Arbeiten in der Angewandte-Diplom-Schau bis 30. Juni.

"Ich habe immer schon gezeichnet. Das liegt daran, dass ich gerne beobachte. Und das Malen ist für mich ein Reflektieren meiner Beobachtungen. Früher war ich vielleicht eher außenstehend und wollte in Geschehnisse gar nicht involviert sein. Später hat es sich so entwickelt, dass ich meine Beobachtungen wiedergeben und für andere Menschen anschaulich machen wollte.

Die Malerei war für mich das Naheliegendste, weil ich mit diesem Medium meine Vorstellungen am Konkretesten umsetzen kann. Es war ein kontinuierlicher Prozess, der dann zum Beginn einer professionellen Ausbildung führte", erzählt Bernard Ammerer, gebürtiger Wiener, Jahrgang 1978, der bereits ein Studium der Rechtwissenschaften abgeschlossen hat, über seine Entwicklung.

Seit Herbst 2003 begann Ammerer sein Malerei-Studium zunächst bei Wolfgang Herzig und studierte ab 2005 bei Johanna Kandl an der Angewandten. Abgeschlossen hat er im Juni 2010.

Davor hatte sich der junge Künstler mehrere Jahre autodidaktisch mit Malerei und Zeichnung beschäftigt.

"Für mich ist die Kombination der Verarbeitung moderner Themen in Verbindung mit dem Handwerklichen, das die Malerei noch bietet, das Faszinierende. Es ist das Denken in Bildern - und das kommt vom Sehen", so Ammerer.

Diplom-Schau an der Angewandten

Seit 22. Juni 2010 zeigt Bernard Ammerer zum Abschluss seines Studiums seine Arbeiten in der Diplom-Ausstellung an der Angewandten. Die Schau ist bis 30. Juni zu sehen.

Jus quasi als Grundausbildung

Zu seinem Jus-Studium stellt er fest: "Das war schon immer ein Wunsch von mir. Denn die Beschäftigung mit verschiedenen Themen war bei mir immer sehr ausgeprägt. Daher war Jus für mich wie eine Grundausbildung. Weder gab es dazu Druck von außen, noch war es eine Verlegenheitslösung. Ich konnte mir anfänglich eher nicht vorstellen, mein kreatives Potenzial beruflich auszuüben. Es war also umgekehrt. Und erst zu Beginn des Jus-Studiums wurde mir bewusst, dass die Kunst mit professioneller Ausbildung ein ebenso gangbarer Lebensweg ist".

Figurativ-narrative Malerei

"Meine Malerei ist figurativ-narrativ, also eine Darstellung von Szenen mit handelnden Personen, die nicht unbedingt eindeutig zuzuordnen sind. Diese Mehrdeutigkeit kommt von meiner Beobachtung und löst sich nicht immer auf - auch für mich nicht. Insofern ist meine Malerei assoziativ, obwohl ich von meinem Wesen und durch das Jus-Studium geschult analytisch denke. Es ist eine Kombination zwischen assoziativen und sehr streng geplanten Elementen", erläutert Ammerer seine Arbeit.

"Für mich ist die realistische Malerei die konkreteste Möglichkeit, meine Gedankengänge darzustellen. Ich finde abstrakte Malerei durchaus faszinierend, aber mich reizt sie als Herausforderung nicht - und wäre als Methode unbrauchbar, um meinen Gedanken Ausdruck zu verleihen."

Vorbereitungszeit als wesentlicher Aspekt

"Der Anspruch an das Konzept steigt kontinuierlich, denn man lernt sich besser einzuschätzen und wird sich selbst gegenüber kritikfähiger im Lauf der Zeit. Die Hauptanstrengung beim Malen ist die Vorbereitungszeit. Es sind nicht die Ideen, sondern die Frage: Wie bringe ich möglichst klar bzw. unklar, wenn ich es in diese Richtung haben will, meine Bild-Ideen auf die Leinwand?", so der junge Maler zu seiner Herangehensweise.

Bei "Artefiera 2010" in Bologna

Zuletzt war Bernard Ammerer mit neuen Arbeiten durch die Wiener Galerie Frey bei der diesjährigen "Artefiera" in Bologna, die bis 31. Jänner 2010 stattfand, vertreten.

"Exit Strategies"-Einzelschau bei Frey
Im Jänner 2009 wurde die Einzel-Ausstellung "Exit Strategies", die bis März geöffnet hatte und in der Ammerer neue Arbeiten zeigte, in der Wiener Galerie Frey eröffnet.

In dieser Schau rückte Ammerer nicht die Figur in den Vordergrund, sondern die Landschaft mit ihrer vielfältigen Interpretationsmöglichkeit. Dem ehemaligen Meisterschüler von Wolfgang Herzig wurde der physische Standpunkt zum geistigen Bezugs- oder Referenzpunkt.

Gruppen-Ausstellung "6 x 3"

Ende Juli 2008 zeigte Bernard Ammerer im Rahmen der Ausstellung "6 x 3" in der Wiener Galerie Frey neue Arbeiten. Die Schau war bis Ende September geöffnet.

An dieser Ausstellung, die sechs junge Künstler unter 40 mit ihren aktuellen Arbeiten präsentierte, waren weiters die Ö1 Künstlerin Adrienn Kiss, Philip Patkowitsch, Christian Platny, Josephine Scianna sowie Jimmy Zurek vertreten.

Mehr zu Adrienn Kiss in Ö1 Talentebörse

"Move" bei "Strabag Artaward 2007"

Von November 2007 bis Jänner 2008 zeigte Bernard Ammerer im Rahmen des "Strabag Artaward", bei dem er 2007 einen Anerkennungspreis erhielt, seine Arbeiten in der Ausstellung "Move".

Ausstellungen - und ein glücklicher Zufall

Seit drei Jahren hat Ammerer bereits an mehreren Ausstellungen teilgenommen, so unter anderem 2004 in einer Gruppenschau in der Stadtgalerie Vienna, 2005 war er mit seinen Arbeiten bei der Schau "Frisch Gestrichen" der Meisterklasse Schmalix an der Bildenden, bei "Malstrom" an der Angewandten, bei "Alle reden vom Wetter" im Hotel Kunsthof Wien sowie in der Gruppenausstellung "New Perspectives" in der Wiener Galerie Frey und 2006 bei "The Essence 2006" der Angewandten im MAK vertreten.

"Die wichtigste Ausstellung für mich war 'New Perspectives' in der Galerie Frey, denn ich hatte den Galeristen durch Zufall kennen gelernt - und er hat es mit mir probiert. Das Feedback war so positiv - sowohl von der Publikumsresonanz als auch vom Verkauf her - dass ich nun die Möglichkeit dieser Kooperation habe. Es war ein Glücksfall - und der wirkliche Beginn für mich", erzählt Bernard Ammerer.

Mehr zu "The Essence 2006" in oe1.ORF.at

Erste Einzelschau 2006 in Galerie Frey

Im August 2006 widmete die Galerie Frey dem Nachwuchskünstler die erste Einzel-Ausstellung "Two Perspectives", in der Bernard Ammerer 14 seiner Arbeiten zwei Monate lang präsentierte.

"Das war ein ganz wichtiges Ereignis für mich und ich hatte bei diesem Glücksfall sehr gutes Feedback. Für die Schau wurden verschiedene thematische Serien, darunter aus 'Möglichkeit' und 'Fragen der Orientierung', zusammengestellt", so Ammerer.

Und bis März 2007 waren in der Galerie Frey Werke des jungen Künstlers im Rahmen der prominent besetzten Gruppenschau "Red", an der u. a. Christian L. Attersee, Gunther Damisch, Hermann Nitsch sowie Karl und Katharina Prantl teilnehmen, zu sehen.

Teilnehmer der "Real"-Schau in Krems

"Ich habe mich bei der ersten Schau 2005 umgesehen und dann Kurator Hartwig Knack Arbeiten von mir geschickt. Im Frühjahr kamen er und Direktor Belgin, haben meine Bilder begutachtet und gesagt, dass sie ihnen gefallen. Bis Juli hatte ich dann die feste Zusage für die Schau", erzählt Bernard Ammerer, der für die "Real"-Ausstellung 2006 in der Kunsthalle Krems mit acht Arbeiten ausgewählt wurde.

Bernard Ammerer war der erste der insgesamt vier noch studierenden Nachwuchskünstler, die im Rahmen der Ö1 Kooperation mit der Kunsthalle Krems anlässlich der "Real"-Ausstellung 2006 in der Ö1 Talentebörse vorgestellt wurden.

Mehr dazu in oe1.ORF.at

Das Interesse des Publikums wecken

"Man kann es natürlich nicht vorhersagen, aber wenn die Entwicklung so weitergeht, wie sie seit meiner Einzel-Ausstellung begonnen hat, mache ich mir doch leichte Hoffnungen, dass es möglich sein könnte, von der Kunst zu leben - und es ist mein absoluter Wunsch, freischaffender Künstler zu sein", stellt der junge Maler vorsichtig optimistisch fest.

Und wie lauten die Zukunftswünsche des erfolgreichen Nachwuchskünstlers? "Dass das Interesse an meiner Arbeit geweckt wird, denn ich möchte den Menschen ja etwas mitteilen. Und dass es ihnen etwas bringt, wenn sie meine Bilder sehen - und fragen, worum es geht. Denn ich möchte ja nicht im Keller sitzen und Bilder malen", so Bernard Ammerer.