Die Retter des Jahres 1945

Die vergessenen Helfer

Bis zum Jahr 2006 dauerte es, bis für Retter von jüdischen Zwangsarbeitern aus dem Jahr 1945 in Niederösterreich ein öffentliches Denkmal gesetzt wurde. Im Rahmen des Viertelfestivals gab es vergangene Woche eine Ehrung jener Lebensretter.

Ludwig Knapps Neffe erinnert sich

Gerade in ländlichen Gemeinden ist das öffentliche Erinnern an die Zeit von 1938 bis 1945 auf Kriegsopfer beschränkt. Die Millionen Opfer des Holocaust und die wenigen Menschen, die bis zum Ende der Nazi-Herrschaft versuchten diesen zu helfen, sind kaum im öffentlichen Erinnerungsdiskurs präsent.

Der Vielzahl an Kriegerdenkmälern, die sich in den meisten Gemeinden an prominenten Plätzen befinden, soll durch das Projekt "Ehrungen von Lebensrettern und Lebensretterinnen" ein positives Zeichen entgegengesetzt werden. Der Künstler Christian Gmeiner will durch das Projekt die Erinnerungskultur in Waldviertler Ortschaften erweitern. Gmeiner fand in den Gemeinden Gmünd, Weitra und St. Martin Lebensretter und Lebensretterinnen aus dem Jahr 1945 und pflanzte in Gedenken an sie einen Baum.

Pragmatisches Schweigen

Bald nach Ende des Zweiten Weltkrieges galt es in Österreich dem öffentlichen Gedenken pragmatische Fesseln anzulegen. Dieses Schweigen war auch Selbstschutz: Geschwiegen wurde nicht nur zu den Opfern des Holocaust, sondern auch zu jenen, die den Verfolgten Hilfe leisteten, so die Historikerin Eleonore Lappin.

Besonders in kleinen Gemeinden, in denen das Wohl der Gemeinschaft im Vordergrund stand, wurden die positiven und vor allem die negativen Taten verdrängt.

Couragiertes Handeln der Retter

1944 wurden über 16.000 ungarische Juden nach Österreich zur Zwangsarbeit in kriegswichtigen Betrieben verschleppt. Solange ihre Arbeitskraft benötigt wurde, war ihr Leben geschützt. Doch ihre österreichischen Arbeitgeber wurden vom NS-Arbeitsamt gezwungen, Meldung zu erstatten, sobald die Arbeitskräfte nicht mehr im Betrieb benötigt wurden. Für die betroffenen Juden bedeutete dies Deportation.

Deshalb benötigte es besonderen Mut und auch die notwendigen Kontakte, um jüdische Zwangsarbeiter zu verstecken. In kleinen Gemeinden jedoch fielen die Zwangsarbeiter auf, deshalb konnte ohne die Unterstützung durch Menschen aus dem Dorf die Rettung nicht gelingen. 1945 schwiegen die Bewohner von St. Martin/Schützenberg, als Ludwig Knapp 26 jüdische Zwangsarbeiter versteckte.

Ehrung der Familie Knapp

Deshalb gilt die Ehrung vom 3. August nicht nur den Lebensrettern Maria und Ludwig Knapp, sondern auch den Bewohnern von St. Martin. Ludwig Knapp war Besitzer eines Sägewerks und entschloss sich im April 1945, die 26 jüdischen Zwangsarbeiter nicht an die SS auszuliefern. Er versteckte sie bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Alle 26 wurden am 9. Mai 1945 von der roten Armee befreit.

Ludwig und Marie Knapp sahen sich selbst nicht als Helden. Sie weigerten sich, den Deportationsbefehl für ihre Arbeiter Folge zu leisten. Dieses mutige Handeln zeigt, dass es Handlungsmöglichkeiten gab, in den letzten Tagen des NS-Terrorregimes zu helfen.

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Hör-Tipp
Moment, Mittwoch, 9. August 2006, 17:09 Uhr

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Links
erinnern.at
Viertelfestival Niederösterreich