Eine Stimme wie ein Cool Drink

Rokia Traoré

Rokia Traoré macht Musik in der Tradition der alten Geschichtenerzähler auf den Marktplätzen ihrer Heimat Mali, aber mit Elementen von Jazz und Popmusik. Zu Peter Sellars' Festival wird der Jungstar des Afro-Pop ins Wiener Konzerthaus kommen.

"Ich fand das etwas bizarr"

Amiens, eine Stunde nordwestlich von Paris, im Schatten der berühmten gotischen Kathedrale. In einem kleinen Kaffeehaus sitzt Rokia Traoré. Die junge Musikerin lebt seit ihrer Babypause in Amiens. Ihr Sohn Adam, ein paar Wochen alt, ist beim Interview dabei.

Das Leben hat sich für Rokia Traoré in letzter Zeit sehr geändert, sie hat eine Pause gemacht, seit einem Jahr hat sie mit ihren Konzerten aufgehört, sie hat nur noch ein Projekt über Billie Holiday gemacht, als sie im dritten Monat schwanger war.

Frühe Kindheit in Mali

Rokia Traoré war bis zu ihrem dritten Lebensjahr in Mali, dann ist sie mit ihrer Familie - ihr Vater war Diplomat - durch die Welt gereist, hat in China, Nord- und Südamerika gelebt.

"Im Gegensatz zu anderen Emigranten, die fern von ihrer Heimat arbeiten müssen, war unsere Emigration selbst gewählt und freudig", berichtet sie. "In der Zeit habe ich mit meinem Vater viel ganz unterschiedliche Musik gehört."

Musikalische Heimat

Wenn sie über ihre Musik spricht, wird Rokia Traoré sehr genau und leidenschaftlich. Musik, das hat aber natürlich auch immer mit ihrer Heimat Mali zu tun. Dort hat sie ihre Wurzeln und das haben ihr ihre Eltern auch immer klar gemacht.

Rokia Traoré denkt oft an Mali - auf ganz verschiedene Ebenen. Zum einen ist da ein nostalgisches Gefühl, das sie an ihre Kindheit zurück bindet: "Vor allem, wenn es hier kalt ist, die Häuser verschlossen sind, die Menschen wenig miteinander sprechen", seufzt sie. "Die Temperatur bestimmt auch die Atmosphäre zwischen den Menschen. Dann habe ich Heimweh. Ich denke auch an Mali, wenn ich an meinen musikalischen Projekten arbeite und da bin ich stolz auf mein Land. Auch wenn ich andererseits an Afrika denke und an die vielen Tragödien. Aber es gibt eben auch sehr schöne Dinge. Das ist doch auch toll, dass man eine Afrikanerin fragt, ob sie bei einem so aufregenden Mozartprojekt mitarbeiten will."

Phantastische Stimme

Für Peter Sellars ist Rokia Traoré und ihre phantastische Stimme einfach cool im positiven Sinn. Ihre Stimme komme einfach über dich, sagt er, "wie ein herrlicher Cool Drink - am heißesten Tag auf der Erde".

Für Peter Sellars gehört Rokia Traoré in die lange Tradition der wandernden Geschichtenerzähler in Afrika, die eigentlich Mitglieder des königlichen Hofs waren und Träger der eigenen Geschichte, weil es ja in Afrika lange nur mündliche Überlieferung gab.

Mozart im 21. Jahrhundert

Die Beschäftigung mit Mozart wird Rokia Traoré sicher weiterbringen, meint die Musikerin. Für sie geht es um Mozart im 21. Jahrhundert. Wäre er viel gereist, hätte er Instrumente aus anderen Kontinenten verwendet?

"Niemand weiß das", sagt Rokia Traoré. "Und die Welt hat sich doch sehr verändert, eine Welt, auf die Mozart wohl sehr neugierig gewesen wäre." Mozart ist mit New Crowned Hope im 21. Jahrhundert angekommen.

Mehr zu Mozart 06 in oe1.ORF.at

Veranstaltungs-Tipps
Rokia Traoré New Work, 3., 4. und 5. Dezember 2006, Wiener Konzerthaus

New Crowned Hope, 14. November bis 13. Dezember 2006,
Ö1 Club-Mitglieder erhalten ermäßigten Eintritt (15 Prozent).

Links
Calling Mozart - Station 44: Neugekrönte Hoffnung
Wiener Mozartjahr 2006 - New Crowned Hope
Rokia Traoré
New Crowned Hope