Schauspieler und Regisseur Herwig Seeböck tot

Mit seiner "Häfenelegie" hat der Schauspieler, Kabarettist und Regisseur Herwig Seeböck 1964 ein Stück Kleinkunstgeschichte geschrieben. Heute ist Seeböck 71-jährig verstorben, wie die Familie gegenüber Radio Wien bestätigte.

Bereits als Neunzehnjähriger stand Herwig Seeböck als Statist auf der Bühne des Wiener Burgtheaters, obwohl er eigentlich Malerei studierte. Es folgten Engagements in Basel, Freiburg im Breisgau und in Graz, danach am Wiener Volkstheater und schließlich wieder an der Burg.

Daneben unterrichtete der Schauspieler am Wiener Reinhardt-Seminar, führte Regie und schrieb zahlreiche Stücke fürs Kabarett. Über Nacht berühmt wurde er durch seine "Häfenelegie", die er während seines viereinhalb-monatigen Aufenthalt im Gefängnis niederschrieb.

Verhängnisvoller Irrtum

Was damals im Jahr 1964 bei einem Heurigen-Besuch harmlos begonnen hatte, endete äußerst unglücklich: "Ein Freund und ich haben in Grinzing zwei Mädchen kennen gelernt. Nach ihrem Dienst gingen wir bei ihnen 'fensterln'. Irgendjemand, der uns gesehen hatte, glaubte, wir seien Einbrecher und verständigte die Polizei. Bei der Verhaftung habe ich mich aufgelehnt; ein Polizist schlug mich mit einem Gummiknüppel nieder; daraufhin wurde ich wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt zu viereinhalb Monaten Haft verurteilt. Im Gefängnis habe ich dann meine Erlebnisse niedergeschrieben".

"Die große Häfenelegie" wurde ein großer Erfolg und mehr als 3.000 Mal aufgeführt. Seeböck selbst spielte das Kabarettstück zwei Jahre lang am Kärntnertortheater. Die Vorstellungen waren immer ausverkauft. Bei aller Freude über den großen Erfolg ärgert den Schauspieler allerdings bis heute, dass er seit damals in das Kabarett-Eck gestellt wurde: "Das Stück hat sich mit meinem Namen verflochten. Ich war damals gekränkt, weil ich ja eigentlich kein Kabarettist war, sondern Theatermensch, und es hat dann auch Jahre gedauert, mich als solcher zu etablieren", sagte er rückblickend.

Vom Maler zum Schauspieler und Kabarettisten

1939 in Wien geboren, entschloss sich Herwig Seeböck zunächst für ein Studium der Malerei. Die Faszination fürs Theater, für die Bühne, sei erst durch ein Erlebnis in der Jugendzeit ausgelöst worden, als ihn ein Freund zu einer Aufführung mitnahm. Damals war er so hingerissen, dass er sich entschloss, auch einmal auf der Bühne stehen zu wollen. Privaten Schauspielunterricht bekam er von keinem Geringeren als Albin Skoda.

In der Folge bekam Seeböck zahlreiche Engagements in Wien, Berlin, Hamburg, München und Graz. Ebenso wirkte er bei vielen internationalen Filmproduktionen mit. Später war er zudem als Regisseur ein gefragter Mann, so etwa am Wiener Volkstheater. Schon früh widmete sich der Künstler auch dem "oft von vielen unterschätzten" Kabarett. So hat er nicht nur selbst viele Jahre lang Kabarett gespielt und zahlreiche Programme wie etwa "Quer durch" oder "Die Qualverwandtschaften" präsentiert, sondern war auch ein wichtiger Lehrer und Förderer: Roland Düringer, Alfred Dorfer, Josef Hader oder Andrea Händler - sie alle haben früh bei ihm ihr Handwerk gelernt.

Nach dem "Salzbaron" hatte Herwig Seeböck genug von der Schauspielerei.

Ein Hofnarr kann nicht alt werden

Bereits als 31-Jähriger spielte Herwig Seeböck am Wiener Volkstheater, von 1973 bis 1976 auch am Wiener Burgtheater. Trotz seiner zahlreichen Engagements im Ausland ist er bis zuletzt in Wien geblieben: "Die intensive Beschäftigung mit dem Theater, mit der Erarbeitung von Rollen, der genaue Blick auf die eigenen Emotionen - all das hat auch seinen Preis", erinnerte sich der gesundheitlich angegriffene Künstler 2006 im Ö1 "Menschenbild":

"Der Hofnarr kann nicht alt werden. Ich war bis fünfzig so wild, dass mir das heute wehtut". In seinem Werk "Das Seeböckbuch", das 1991 erschien und inzwischen längst vergriffen ist, schreibt er im Vorwort über sich selbst: "Das Kind, das ich bleiben wollte, versuchte ich in einem viel zu großen Körper zu verstecken. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, dass je größer der Körper, desto größer die Fläche für Treffer ist".

"Man muss das Verzichten lernen"

Herwig Seeböck hatte sich vom Schauspieler-Dasein schon länger zurückgezogen. Sein Leben hatte sich im Laufe der letzten Jahre sehr verändert. Er wirkte müde, aber nicht resignierend, auch nicht verbittert: "Verbittert bin ich nur manchmal, wenn ich Dinge sehe, die man besser machen könnte, und ich kann sie nicht mehr machen; ich weiß nur, wie's geht. Ich bin keine Henne; ich kann kein Ei legen, ich kann nur noch feststellen, wenn's faul ist", sagte er lächelnd und nach einer kleinen Atempause: "Man muss das Verzichten lernen. Vieles ist nur unnützer Ballast, der einen behindert".

Auf künftige Aktivitäten angesprochen, meinte der Künstler 2006, als dieses Gespräch entstand: "Ich bin das erste Mal im Leben zufrieden. Ich habe meine Pension, ich denke viel nach, beginne vielleicht einmal, alles aufzuschreiben. Momentan habe ich keine Energie dazu, aber ich glaube schon, dass ich es einmal tun werde. Ich will mich nicht unter Druck setzen. Workoholic war ich genug; jetzt will ich mir keinen Stress mehr machen und habe eine Schaffenspause eingelegt."

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Wikipedia - Herwig Seeböck

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