APA-IMAGES/ZUMA/LORENA SOPENA
Resonanzen 2026 live
Jordi Savall eröffnet die Resonanzen
Die 34. Ausgabe der Resonanzen steht unter dem Motto "Les Femmes", ist also den Frauen gewidmet. Den Eröffnungsabend gestalten Jordi Savall und das von ihm gegründete - rein weiblich besetzte - Originalklangensemble "Les Musiciennes du Concert des Nations". Es kommen Werke zur Aufführung, die Antonio Vivaldi einst für seine Schülerinnen am venezianischen Waisenhauses Ospedale della Pietà komponiert hat.
17. Jänner 2026, 17:58
Sendungen hören
Eröffnungskonzert Resonanzen | 17 01 2026
Resonanzen: L’uomo femmina | 25 01 2026
"Lege ich mich abends ins Bett, überlege ich mir bereits, was ich am nächsten Tag alles erledigen darf", sagt Jordi Savall und lächelt dabei spitzbübisch. Seit Jahrzehnten zählt der Gambist, Dirigent, Theologe und Wegbereiter der historischen Aufführungspraxis zu den Schutzheiligen der Alten Musik.
Mit seinen Ensembles steuert der 1941 im katalanischen Igualada geborene Musiker Konzertsäle in aller Welt an. Die Fracht, die er mit seinen internationalen Musikerkolleginnen und -kollegen express liefert, zählt zum Schönsten, was Ohren bestellen können. Jordi Savalls Karriere ist geprägt von der Verbindung aus historischer Genauigkeit und emotionaler Unmittelbarkeit.
Musik als kulturelles Gedächtnis
Gemeinsam mit Montserrat Figueras, seiner 2011 verstorbenen ersten Ehefrau und künstlerischen Weggefährtin, gründete er die Ensembles Hespèrion XXI, La Capella Reial de Catalunya und Le Concert des Nations. All diese Formationen stehen für ein musikalisches Ideal, das auf Vielfalt, Forschung und Offenheit basiert. Jordi Savall begreift Musik als kulturelles Gedächtnis der Menschheit - und als Kraft der Verständigung. Seine Diskografie umfasst Hunderte Einspielungen, die nicht nur die Entwicklung des europäischen Repertoires zwischen Mittelalter und Klassik dokumentieren, sondern auch dessen Verbindungen zu Nordafrika, dem Nahen Osten und Lateinamerika. Savall spürt musikalischen Wegen nach, die die Geschichte geprägt haben: Handelsrouten, Migrationen, höfische Traditionen und mündliche Überlieferungen.
"Das Alter ist nur eine Zahl"
Am 1. August feiert Savall seinen 85. Geburtstag. Kein Grund leiser zu treten, im Gegenteil: "Das Alter ist nur eine Zahl", sagt er, "natürlich zwickt es da und dort, aber ich will weiter dirigieren, forschen, reisen und neue Musikerinnen und Musiker kennenlernen". Wie er es schafft, seine Konzerte in stille Zeremonien zu verwandeln, in denen die Zeit langsamer zu fließen scheint, darüber sprach Savall unter anderem in den Gedanken am 11. Jänner. Am 17. Jänner eröffnet Jordi Savall die heurigen Resonanzen - das Festival für Alte Musik im Wiener Konzerthaus. Savall dirigiert das von ihm gegründete - rein weiblich besetzte - Originalklangensemble Les Musiciennes du Concert des Nations. Dabei kommen Werke zur Aufführung, die Antonio Vivaldi für die Musikerinnen des Ospedale della Pietà komponiert hat, einem der vier venezianischen Findlingshäuser.
Hier wurden nur Mädchen musikalisch ausgebildet, im Gesang und auf Instrumenten. Die Faszination der reinen Frauenorchester Venedigs kann man sich heutzutage kaum noch vorstellen: Allerorten durften nur Männer im Orchester spielen und in der Kirche singen. Hier aber triumphierten die Frauen in der Musik. Ihre Virtuosität auf allen Instrumenten, ihr Musizieren hinter Holzgittern auf den Emporen der Hospitalkapellen und die Musik, die ihnen von den größten Komponisten Italiens auf den Leib geschneidert wurde, lösten ungläubiges Staunen und höchste Bewunderung aus.
Deshalb gehörten die vier Ospedali zu den Hauptattraktionen der Lagunenstadt. Gebürtiger Venezianer war übrigens auch Baldassare Galuppi, einer der bedeutendsten Opernkomponisten des 18. Jahrhunderts. Sein Dramma giocoso L’uomo femmina setzt am 25. Jänner den Schlusspunkt zu den Resonanzen´- und wird ab 19.30 Uhr live in Ö1 übertragen.
Gestaltung
- Gerhard Hafner
