Unverfälschter Sound
It was 20 years ago today
Der Beginn einer dreiteiligen Sommerserie: Legendäre Aufnahmen , die heuer einen runden Geburtstag feiern. Den Anfang macht Tom Waits mit dem 1985 erschienenen "Rain dogs". Klaus Wienerroither erinnert sich an seine ersten, prägenden Teenagereindrücke.
8. April 2017, 21:58
Tom Waits aus dem Album "Rain dogs
Die von den Beatles (Sergeant Peppers Lonely Hearts Club Band") inspirierte Überschrift ist natürlich nicht wörtlich zu nehmen. Also, vor ungefähr 20 Jahren veröffentlichte Tom Waits das Album "Rain dogs. Die damalige Begeisterung des Teenagers stellte sich bei mir auch heute beim Wiederhören des Soundtracks meiner Sturm- und Drangjahre nochmals ein.
Der Charles Bukowski des Rock 'n' Roll
Auf die Gefahr hin, einige Tom Waits und Charles Bukowski Fans zu verärgern: Für mich gehörten die beiden immer zusammen. Beide interessierten sich für Außenseiter der Gesellschaft und sind - bzw. im Falle Bukowskis - waren geniale Chronisten des so genannten White Trash.
Bei beiden verbirgt sich hinter der rauen Schale der weiche Kern eines unverbesserlichen Romantikers. Sowohl Waits als auch Bukowski waren in den achtziger Jahren ein großer Undergrounderfolg und damit ein kleiner, aber respektabler kommerzieller Erfolg beschieden.
Ein futuristischer Retrosound
Eine der augenscheinlichen Stärken dieses Albums ist der rohe, unverfälschte Sound, der auf die damals üblichen elektronischen Gimmicks und Keyboardsounds (Man denke nur an das im selben Jahr erschienene "Brothers in Arms von den Dire Straits!) völlig verzichtete. Die Musik von "Rain Dogs ist stark beeinflusst von alten Rhythm&Blues-Aufnahmen, vermischt mit südamerikanischen Elementen sowie den typischen Tom Waits Skurrilitäten, zum Beispiel der Einsatz ungewöhnlicher Instrumente wie Marimba und Harmonium .
Dieses Album hätte genauso gut in den fünfziger Jahren wie heute erscheinen können, diese Zeitlosigkeit ist eine seiner großen Stärken. Auf drei Nummern ist das Rolling Stones Urgestein Keith Richards zu hören. Er darf hier das tun, was er bei den Stones zu dieser Zeit nur selten tat: eine richtig dreckige Rock 'n' Roll Gitarre spielen.
Die Texte beschreiben ein Panoptikum an schrägen Typen, Herumstreunern (Rain dogs), Femme fatales, verrückten Nachbarn und Verwandten etc. Die poetische Kraft dieser Schilderungen erreichen meiner Ansicht nach nur wenige Songwriter.
Das Hörerlebnis auf Vinyl
Ich habe diese Aufnahme damals noch als Langspielplatte erstanden und möchte an dieser Stelle einmal eine Lanze für das gute alte Vinyl brechen. Nicht nur das haptische Erlebnis ist ein ganz anderes als bei der CD (endlich wieder einmal etwas Richtiges in den Händen), ich kann außerdem die Liner Notes ohne Lupe lesen.
Am besten finde ich die Zweiteilung der Musik in die A- und B-Seite, die das Auflegen der Platte zu etwas geradezu Feierlichem macht. Bei einer LP kann man sich nicht durch die einzelnen Nummern durchskippen, man hört die Musik wirklich als Ganzes. In letzter Zeit sind ja wieder mehr Neuerscheinungen auch in kleineren Auflagen als Langspielplatte erschienen. In diesem Sinne: Long live the vinyl!
Vinyl-Tipp
Tom Waits, "Rain dogs, Island Records 207 085
CD Tipp
Tom Waits "Rain dogs, Island Records 1056554
Links
Tom Waits
Charles Bukowski