Die Eden Bar

Stets Fixpunkt des Wiener Nachtlebens ist die Eden Bar auch durch ihre illustre Foto-Auslage bekannt. Seit knapp einem Jahrhundert besteht die Lokalität. Schon in den 20er Jahren lud die erste Besitzerin, Baronin von Stein, in die Eden zum Hausball.

Wer kennt sie nicht, die Fotos, die die vergnüglichen Abende in der Wiener Eden Bar dokumentieren? Illustre Runden gutgelaunter Exponenten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaftsleben strahlen saturiert auf Flaneure, die durch das Gässchen ganz in der Nähe der Stephanskirche bummeln.

Die publicity-trächtige Foto-Auslage der Eden Bar ist eine Erfindung des Bar-Besitzers Heinz Werner Schimanko, der sich mit sonorer Stimme über den Jahrmarkt der Eitelkeiten amüsiert: "Anfangs wollten die Leute, die drinnen waren, nicht draußen hängen, aber mittlerweile intervenieren die Gäste bei Personal und Fotografen, damit ihr Konterfei die Auslage ziert."

Die Wiener Eden Bar ist ein nostalgisches Lokal. 2004 feierte man 100 Jahre Eden. Was verwundert, zumal das Haus in der Liliengasse 2 vom Architekten Rudolf Erdös erst im Jahre 1911 erbaut wurde. Doch in der Eden war schon immer jeder Anlass zum Feiern höchst willkommen.

Lange Tradition

Heinz Werner Schimanko übernahm die Bar 1974 von dem Ungarn Gabor Kenezy, mit der Auflage, sie im Sinne Kenezys unter Wahrung von Kleideretikette und traditionsbewusster Umgangsformen weiterzuführen.

Gabor Kenezy hatte die Bar seit 1953 geführt. Vor ihm hieß die Eden-Bar-Betreiberin Emmy Stein. Heinz Werner Schimanko kannte Emmy Stein nicht, wohl aber Gerhard Bronner. Gerhard Bronner, der 1958 mit seinem für Helmut Qualtinger komponierten Lied "Der Papa wird's schon richten" der Eden Bar zu ihrer bis dato besten Werbung verholfen hat, wäre einige Jahre zuvor selbst beinahe Eden-Bar-Besitzer geworden. Ihm, der zu jener Zeit die Marietta Bar führte, bot Emmy Stein ihre Eden Bar zur Übernahme an.

Baronin von Stein, Erstbesitzerin

Also nachgefragt: Wer war eigentlich diese Frau Stein? Wie war sie? Sehr alt, fast blind. Viel mehr kann Gerhard Bronner nicht über sie sagen. "Sie dürfen nicht vergessen, ich bin jetzt auch schon über 80 und damals war ich wohl einer der jüngsten Eden-Bar-Besucher." Bronner glaubt, Emmy Stein wäre eine Jüdin gewesen, die auf wundersame Weise den 2. Weltkrieg in Wien unbeschadet überlebt hat.

Im Zuchthaus wegen Feindsenderhörens

Also nachgeforscht: Mitnichten! Unbeschadet überlebte Emmy Stein den 2. Weltkrieg nicht. "Am rechten Auge total blind, linkes Auge 6/60 eingebüßt, Nierenleiden, Rheumatismus, arbeitsunfähig, bedarf einer Führerin" steht im Ansuchen an den KZ-Verband, welches sich im Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands findet. Emma Steininger - so der bürgerliche Name der Eden-Bar-Besitzerin - war vom 29. Juni bis August 1944 in Haft. Der Inhaftierungsgrund war nicht konfessionell bedingt, sondern das Delikt des "Feindsenderhörens".

Ihre Bar bekam Emma Steininger am 5. Juni 1948 rückerstellt, da erwiesen war, dass ihr die Eden Bar im Zusammenhang mit der NS-Machtübernahme entzogen worden war.

Gerhard Bronner hat das Angebot der Frau Stein nicht angenommen. Gabor Kenezy griff zu und übernahm die Bar gegen eine Leibrente von 5.000 Schilling. Nur einmal empfing Emmy Stein ihre Rente für die Eden Bar. Dann starb sie.