Feministisch, direkt und allgemein verständlich

Marlene Haring, Videokunst

Entweder Musik oder Kunst - das stand für sie immer fest: Marlene Haring, Medien-Künstlerin der Klasse Peter Kogler an der Bildenden, die nun ihr Studium beendet hat. Heuer wurde die humorvolle Feministin bereits mit dem "Birgit-Jürgenssen-Preis" ausgezeichnet.

"Ich war am Wiener Musikgymnasium, und für mich stand schon immer fest, entweder Musik oder Kunst zu machen. Aber im Lauf der Zeit merkte ich, dass ich nicht Musikerin werden will. Einer der Auswege war, ermöglicht durch großzügige Unterstützung meiner Eltern, nach England zu gehen.

Ich maturierte dort an einer öffentlichen Schule und absolvierte danach am 'Chelsea College of Art and Design' einen Grundkurs, wo man einen großen Überblick über alle Tätigkeitsfelder innerhalb der Kunst erhält", erzählt Marlene Haring, gebürtige Wienerin, Jahrgang 1978, die an der Akademie für Bildende Kunst in Wien bei Peter Kogler Computer- und Videokunst studierte und im Juni 2005 erfolgreich beendet hat.

"Haarige" Diplomarbeit

Harings Diplomarbeit Magisterarbeit "Marlene Haarig oder In meiner Badewanne bin Ich Kapitän!" war im Atelierhaus der Akademie der bildenden Künste Wien, dem ehemaligen "Semperdepot" im Ausstellungsraum Nord bis Ende Juni 2005 zu sehen.

Beginn mit Zeichnung und Malerei

In ihren Anfängen malte und zeichnete sie hauptsächlich. "Ich habe mich immer schon künstlerisch betätigt, mich so ausgedrückt. Aber es kam der Punkt, wo mich andere Bereiche zu fesseln anfingen. Erst später habe ich begonnen, Installationen sowie meine ersten Video-Installationen zu machen. Da ich aus finanziellen Gründen aber nicht in England bleiben wollte, bewarb ich mich 1998 an der Akademie. Hier gab es die Medien und den für mich nötigen Background, um arbeiten zu können", so Haring rückblickend.

Direkt und feministisch

"Ich mache Sachen, die sehr direkt bezogen sind. Daher auch meine Entscheidung für das Video, weil ich hier diese Ausdrucksmöglichkeiten habe. Meine Arbeiten reagieren meist auf Orte, Räume, Gegebenheiten und Umfelder. Mein Ziel ist es, allgemein verständlich zu sein", beschreibt die Nachwuchskünstlerin ihren Zugang.

Eines der Themen in Harings Arbeiten, die sich laut Eigendefinition "zwar noch in der Entwicklung, aber gut und gerne" als Feministin sieht, ist der Feminismus: "Es ist die Frage, wie es ist, als Frau Kunst zu machen. Aus den Bedürfnissen kristallisieren sich die Themen heraus. Ich will Unmittelbarkeit zu erzeugen, aber auch über Humor eine Einstiegsebene schaffen."

Zusammenarbeit mit Catrin Bolt

Im Jahr 1999 begann für Marlene Haring eine dreijährige Phase kongenialer Zusammenarbeit mit Catrin Bolt, einer Kollegin aus der Medienklasse von Peter Kogler. "Das begann zufällig durch ein Gespräch. Es war eine Wechselbeziehung, die arbeitsmäßig immer intensiver wurde. Wir haben als Team sehr gut funktioniert - es war sehr dynamisch, hat für uns beide gepasst, und wir hatten beide Spaß daran."

Zu den Arbeiten des Teams "Halt + Boring", wie sie sich nannten, zählen u. a. die Fotoserie im trilateralen Kunstprojekt "Schöne Öde/Lepa pusca/bella brulla" für eine Gruppenschau im Klagenfurter Künstlerhaus. Diese bestand - scheinbar - aus mittelmäßigen Landschaftsbildern, die zwischen anderen Arbeiten verstreut hingen. Bei genauerer Betrachtung entdeckt man auf diesen Sujets - einen gestreckten rechten Arm. Eine andere Kooperation war "Call Boys", die im Auftrag der Salzburger "Galerie 5020" entstand: "Wir haben das Budget für Sex mit Call Boys verwendet, der mit statischer Kamera gefilmt wurde. Daraus entstanden zehn Videos, die bei der Schau gezeigt wurden. Es war eine wichtige Arbeit, weil sie sehr viele Fragen aufwirft und es viele Diskussionen gab."

Video-Award, Schindler-Stipendium, Jürgenssen-Preis

Im Jahr 2004 entstand Harings Installation "Heute bleibt die Küche kalt, wir gehen in den Wienerwald", konzipiert für die Gruppen-Ausstellung "Egocaster" der Gruppe "Supersaat".

"Es fand in einem Einbauküchen-Klassiker, wie es ihn in ganz Österreich gibt, statt. Der Titel bezieht sich lose auf Martin Kippenbergers 'Jetzt geh ich in den Birkenwald, denn meine Pillen wirken bald'. Es ist auch ein Schmäh über einen männlichen Künstler und seine Selbstinszenierung", erläutert Marlene Haring.

Über mangelnde Anerkennung kann die junge Künstlerin nicht klagen: Gemeinsam mit Catrin Bolt errang sie beim "1. Video Award" den dritten Platz, vor zwei Jahren erhielt sie das "MAK-Schindler-Stipendium" für einen sechsmonatigen Aufenthalt in Los Angeles. Dabei entstand ihre Aktion "KEEP OUT" anlässlich der Abschluss-Schau.

"I am not a feminist. I am normal"

Als für sie sehr wichtig bezeichnet Haring die Londoner Gruppen-Ausstellung "I am not a feminist. I am normal", die im Vorjahr im "Österreichischen Kulturforum" parallel zur Valie-Export-Retrospektive stattfand. Für diese Schau, die sie mit Anthony Auerbach kuratierte, entstand ihre Installation "Sex Tod Nivea".

"Interessant waren die Diskussionen zum Titel, den ich nicht als eigene Befindlichkeit, sondern als Fragestellung dargestellt habe. Und zwar als Wahrnehmung um mich herum: Es geht um Menschen, die sich nicht mit Feminismus auseinandersetzen bzw. glauben, er sei Normalität. Und viele junge Frauen distanzieren sich davon. Auch bei mir war es mit 16 so. Daher stellte sich für mich die Frage, woher das kommt. Von zu Hause kam es bei mir nicht - woher hatte ich also diesen Begriff und wieso haben Frauen dieses Distanzierungsbedürfnis?"

Gute Arbeit & glücklich sein

Und wie sieht Marlene Haring ihre Zukunft?

"Fest steht jedenfalls, dass ich mir einen Job suchen muss - in welchem Bereich auch immer. Denn bis jetzt verdiene ich mit meiner Kunst noch kaum etwas. Wichtig ist mir, weiterhin gute Arbeit, die mich auch fesselt zu machen und damit Menschen etwas zu geben. Und einfach glücklich zu sein."

Kontakt
Marlene Haring

Links
ACF London - I am not a feminist. I am normal.
Akademie der bildenden Künste Wien - Birgit-Jürgenssen-Preis
Unikum -Schöne Öde/Lepa Pusca/Bella brulla
Vargas Organisation, London - Marlene Haring
Birgit Jürgenssen
Akademie der bildenden Künste Wien
Betonsalon
MAK