Informationstechnologie 2005

Die Flaute für Internet- und Informationstechnologie ist vorbei. Nach dem Platzen der IT-Blase erfüllt UMTS die hohen Erwartungen von einst - mit schnellem Internetzugang und laufenden Bildern. Auch Internet-Telefonie und TV via Internet-Steckdose ist im Vormarsch.

Inode-Chef Michael Gredenberg zum Breitband-Angebot

Seit den neuen Entwicklungen im Breitband-Bereich sind Internet- und Informationstechnologie wieder im Aufwind. Die Unternehmen investieren wieder, die gesamte Branche schöpft Hoffnung. Ob die Erwartungen eintreffen, wird man u. a. auch daran ablesen können, wie sich die neuen Technologien durchsetzen werden.

Zauberwort UMTS

Man erinnert sich noch an die Milliarden Euro teuren Lizenzen, die die Mobilfunk-Unternehmen vor Jahren bezahlt haben. Seither herrschte Flaute. Doch heuer soll im deutschsprachigen Raum UMTS, die dritte Handy-Generation, endlich den Durchbruch schaffen: mit schnellem Internetzugang und laufenden Bildern.

Das Telefonnetz muss sich als noch schnelleres Medium bewähren, als Breitband-Anschluss für's Internet und mit Internet-Telefonie, später auch für's Fernsehen.

Die neuen Handys

Obwohl in Europa fast schon jeder ein Handy besitzt, ist für die Handy-Hersteller und -Betreiber noch viel Geschäft zu machen. Denn noch immer werden fast 90 Prozent aller Gesprächsminuten über Festnetz geführt, weil dem Handy der Ruf nachhängt, bei den Gesprächsgebühren teuer zu sein. Aber die neuen Handys werden immer kleiner, immer leistungsstärker, nicht immer billiger, dafür bunter, vom Design anspruchsvoller - einfach besser. Und mit UMTS, der neuen Technologie, die die Übertragung großer Datenmengen in immer kürzerer Zeit verspricht, soll nun der Trend zum Handy weiter angekurbelt werden. Nach jahrelangem Warten gibt es jetzt genügend massentaugliche Endgeräte am Markt.

Der Europa-Vertriebschef von Sony Ericsson, Stefan Streit, ist vom Marktdurchbruch der Handys, mit denen man nicht nur Videotelefonieren, sondern auch Fernsehen und Musik in Digitalqualität hören kann, überzeugt. Entscheidend aber, ob ein Produkt am Markt ankommt, ist der Preis. Nur wenn der stimmt, wird UMTS ein Massenprodukt, wie wir es bei GSM erlebt haben.

Tolle Angebote beim großen Nachbarn

In Österreich haben sich die Handybetreiber im Unterbieten bei den UMTS-Tarifen eher zurückgehalten. Man hat offensichtlich aus den Preisschlachten der letzten Jahre gelernt.

Anders in Deutschland: Vodafone, die Nummer zwei am Mobilfunkmarkt, wirbt bereits mit dem Ein-Euro-UMTS-Handy, Gratisgesprächen und kostenlosem Fernsehen per Handy, und die Konkurrenz zieht nach. Kann man da die Milliarden Euro teuren Lizenzen jemals wieder verdienen? Ute Schack, Sprecherin von Vodafone, glaubt ja:

Vodafone sieht UMTS nicht isoliert, sondern als Teil des Gesamtangebotes, und da kommt genug Geld im Laufe der Zeit herein.

Wachstum ohne Ende

Während Hersteller und Betreiber den Durchbruch von UMTS erwarten, wird bereits die nächste Weiterentwicklung vorbereitet. Sie lautet HSDPA und soll noch einmal fünf- bis zehnmal schneller als UMTS sein. T-Mobile will damit im kommenden Jahr auf den Markt kommen, kündigt Österreich-Chef Georg Pölzl an, der bisher eher auf mobilen Internetzugang als auf Fernsehen oder Bildtelefonieren gesetzt hat.

Für die Geräte-Hersteller bleibt UMTS vorerst nur ein weiteres Standbein. Auch das herkömmliche GSM hat noch Zukunft, ist Sony-Ericsson Europa-Vertriebschef Stefan Streit überzeugt:

In Europa wechseln die Kunden im Durchschnitt alle zwei Jahre ihr Handy. Das Angebot wird immer gruppenspezifischer: das Businesshandy, das Jugendhandy, das Freizeithandy - der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Vorerst heißt die Devise noch: Wachstum ohne Ende, vor allem in Osteuropa. Und nicht zu vergessen ist der chinesische, lateinamerikanische oder afrikanische Markt. Heuer sollen weltweit mehr als 700 Millionen Handys verkauft werden.

Konkurrenz Internettelefon

Ein möglicher Angriff auf Handys und Festnetztelefon - das zeigt ein Blick auf die neuesten Entwicklungen und Trends auf der CeBit - kommt aus dem Internet: "Voice over IP" nennt sich jene Technologie, die ermöglicht, Telefongespräche über das Internet führen. Eine Voraussetzung dafür sind schnelle Zugangsleitungen zum Internet, mit denen auch gleichzeitig große Datenmengen übermittelt werden können.

In Österreich werden diese so genannten Breitbandanschlüsse seit dem Vorjahr steuerlich gefördert. Das sei zu wenig, Österreich rutsche damit im internationalen Vergleich immer mehr zurück, hat die ARGE Breitband Austria, der die elf größten Unternehmen aus der Informations- und Kommunikationstechnologie-Branche angehören, kürzlich in einer Studie festgestellt.

Deutsche Schlacht um Kunden

Im benachbarten Deutschland sieht es, was die Förderung anlangt, zwar auch nicht besser aus; dort rechnet man allerdings heuer mit einem neuen Breitband-Boom.

Während die deutsche Telekom erst langsam beginnt, das Internet als mögliche Lösung für's Telefonieren zu entwickeln, liefern sich die privaten Breitbandanbieter bereits eine Schlacht um die Kunden. Mit Sprüchen wie "Weg mit dem Internet-Winterspeck, schneller in den Frühling" will Freenet mit seinen Voice-over IP-Produkten den klassischen Telefonanbietern das Geschäft abgraben.

TV via Internet-Steckdose

Das Telefonieren über's Internet ist aber nur ein erster Schritt. Schon wird Bildtelefonieren angeboten, schon bald soll Fernsehen - ganze Filme und Musik ohnehin - über's Breitband in die Haushalte geliefert werden.

In Österreich will die Telekom Austria im Herbst testweise Fernsehen aus der Internet-Steckdose anbieten. Die Internet-Telefonie wurde für das dritte Quartal angekündigt. Man kann gespannt sein.

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