Rosenkrieg im Hause Einstein

Relativ ist nicht nur die Zeit des Universums, sondern auch die Zeit der Liebe. "Eine Minute auf einem heißen Ofen scheint eine Stunde zu dauern, aber eine Stunde mit einem heißen Mädchen vergeht wie eine Minute." - Albert Einstein.

"Die Ehe ist der erfolglose Versuch, einem Zufall etwas Dauerhaftes zu geben. Eine Sklaverei in einem kulturellen Gewande. Sie ist von einem phantasielosen Schwein erfunden worden". - Was sich hier liest wie eine Kampfparole aus den 68ern, stammt tatsächlich aus dem Jahr 1914. Und von Albert Einstein.

Kür vor Pflicht

Nach der Trennung von seiner ersten Ehefrau Mileva Maric hatte Albert der Große fürs erste genug von Ehefrauen. Nicht von Frauen allgemein, wohlgemerkt. Einstein hatte bereits eine neue Freundin, sie hieß Elsa, und war, wenn schon nicht der Grund, so doch der Anlass für die Trennung von Mileva.

Kür vor Pflicht - dieses Motto könnte als Generalthema über Einsteins Leben stehen. Das gilt in der Wissenschaft, wo Einstein grandiose Leistungen vollbrachte - aber nur wenn es ihm gerade Spaß machte. Als Student etwa hatte er nicht geglänzt. Da gab es zu viele Pflichtfächer.

Keine großen Mühen

Die Mühen der Ebene scheute der große Wissenschaft auch in der Liebe. Er konnte glühende Liebesbriefe schreiben, manchmal fast schon schlüpfrige, er konnte sich in Verehrung und Anbetung ergehen - solange die Liebe frisch und heiß war. War sie nicht mehr so heiß und frisch, wurde er bald mundfaul und machte sich irgendwann wortlos aus dem Staub.

Einstein sei ein "womanizer" gewesen, meint der Einstein-Biograph Ernst Peter Fischer. Mit Witz, Charme und nicht zuletzt mit seiner Geige in der Hand, war er einem Abenteuer nie abhold.

Das galt in der Anfangszeit auch für Mileva, die er im Frühjahr 1903 heiratete. 11 Jahre später hatte sich die große Liebe, der zwei Söhne entstammten, längst mit "Bonjour Tristesse" verabschiedet. Im Juni 1914 erfolgte die Trennung, fünf Jahre später auch offiziell die Scheidung.

Wer hatte Schuld?

Dazwischen lag ein Rosenkrieg um die Kinder und um das liebe Geld. Man kann als Außenstehender und 90 Jahre später kaum feststellen, wer da woran die Schuld trägt. Wurde Mileva, der Einstein knapp 60 Prozent seines Gehalts als Unterhalt für sie und die Kinder überwies, dadurch tatsächlich benachteiligt? Oder muss man Einstein Recht geben, der behauptete, Mileva wolle "alles in meiner Hand befindliche an sich reißen", und treibe ihn in den Ruin?

Hatte Mileva recht, wenn sie sagte, Einstein habe sich nach der Scheidung kaum um seine beiden Söhne gekümmert? Oder er, wenn er behauptet, sie habe systematisch einen Keil zwischen ihn und seine Kinder getrieben und die Vater-Söhne-Beziehung sabotiert?

Nervenaufreibende Jahre und doch Erfolg

Sicher ist, dass jene fünf Jahre von 1914 bis 1919 für das jüdisch-deutsch-schweizerische Weltgenie höchst nervenaufreibend waren. Dennoch schrieb er in dieser Zeit sein wichtigstes und bei weitem aufwendigstes wissenschaftliches Werk: die Allgemeine Relativitätstheorie, die er im November 1915 erstmals öffentlich in der Berliner Akademie der Wissenschaften vortrug.

Die ART ist die Theorie vom Universum als Ganzem. Vom Wesen von Raum und Zeit, Materie und Energie. Von der Ordnung des Kosmos mit seinen 100 Milliarden Galaxien zu je 100 Milliarden Sternen. Von den ungezählten Schwarzen Löcher, die nach Einsteins Konzept existieren könnten, gar nicht zu reden. Vielleicht kann man einem Mann, der so weit in den Himmel blickte wie Albert Einstein, ein paar kleine, menschliche Schwächen nachsehen.

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