Barock

Malen nach Tönen

Die Klangfarbe beeinflusst entscheidend die Wirkung, die Musik auf uns hat. In der Musikgeschichte wurden die traditionellen Dimensionen der Komposition, der Melodie, der Harmonie und des Rhythmus immer mehr in den Dienst der Klangfarbe gestellt.

Die Klangfarbe nahm bei der Analyse von Musik oft eine untergeordnete Rolle ein. Obwohl sie die Wirkung von Musik entscheidend mitbestimmt, hat sie eine eher verdeutlichende als grundlegende Funktion, da sie im Gegensatz zur Tonhöhe und Tondauer nicht messbar ist.

Am einfachsten beschreiben lässt sich "Klangfarbe" (abgeleitet von dem französischen Wort "timbre") als der Unterschied, der zwischen gleich hohen, gleich lauten und gleich langen Tönen besteht, wenn diese dennoch verschieden klingen. Derselbe Ton, auf einem Klavier oder einer Geige gespielt, hinterlässt einen unterschiedlichen Klangeindruck.

Die Einführung von Crescendo und Decrescendo

Im Barock ist die Klangfarbe meistens noch nicht bewusst auskomponiert. Oft fügt der Komponist von Instrumentalmusik seiner Partitur keine Instrumentalbezeichnungen bei. Um heutzutage dem damaligen Originalklang nahe zu kommen, braucht man wohl auch Musikinstrumente aus dieser Zeit, da beispielsweise die hohe E-Saite der Barockgeige viel weicher klingt als die Stahlsaiten der heutigen Violinen.

In der Klassik setzt sich der Streicherklang endgültig durch. Eine grundsätzliche Neuerung ist die Einführung von Crescendo und Decrescendo, dem An- und Abschwellen des Klanges. Im klassischen Orchester sind das Experimentierfeld nun die Holzbläser.

Ventile für Hörner und Trompeten

Die von Mozart geschätzte Klangfarbe der Klarinette ist in der Oper "Don Giovanni" eine Art akustische Visitenkarte für den Charakter der Donna Anna. Mozart ist einer der ersten, für den die Instrumentation mehr bedeutet als nur die Verdeutlichung der Kompositionsstruktur.

In der Romantik wird die Orchesterstärke beständig gesteigert bis hin zu den Riesen-Besetzungen in Mahlers Symphonien oder Schönbergs Gurreliedern. Die Blechbläsergruppe wird konsequent ausgebaut, vor allem die Einführung der Ventile für Hörner und Trompeten ab 1830 macht eine vielfältigere und selbstständige Verwendung dieser Instrumente möglich.

Klangfarbe als autonomes Element

Zu diesem Zeitpunkt taucht auch das Wort Klangfarbe zum ersten Mal in musikwissenschaftlichen Publikationen auf. Es erscheinen ausführliche Instrumentationslehren, in denen auf die Klangfarbe der Instrumente und ihre Verwendung im Orchester eingegangen wird.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wird die Klangfarbe immer öfter als autonomes Element eingesetzt. Ein Beispiel dafür ist das 1906 entstandene Orchesterstück "Farben" von Arnold Schönberg. In der Musik des 20. Jahrhunderts kommt es zu einer weiteren Verschleierung in der Harmonik und Rhythmik.

Klangfarbentransformationen

In der Zwölftontechnik und der seriellen Musik treten die Klangfarbe und die Dynamik in den Vordergrund. Das Geräusch wird immer wichtiger, das heißt, es werden immer mehr Perkussionsinstrumente eingesetzt. Die Auseinandersetzung von Komponisten wie Karlheinz Stockhausen mit dem Gebiet der Elektronik führte ab Mitte der 50iger Jahre zur Entwicklung der elektronischen Musik, bei der der Interpret als Vermittler zwischen Komponist und Hörer wegfällt.

Bei den vielen verschiedenen Strömungen in der heutigen so genannten E-Musik fällt es schwer, ein allgemeines Urteil über die Weiterentwicklung des Klanges abzugeben. Während sich einige Komponisten sich in den letzten Jahrzehnten der Klanglichkeit eher verweigerten und motivisch-thematische Überlegungen in den Vordergrund stellten, wird bei vielen anderen Protagonisten zeitgenössischer Musik das musikalische Geschehen quasi von Klangfarbentransformationen getragen.