70 Jahre Juliputsch

Am 25. Juli 1934 stürmt eine SS-Einheit das Bundeskanzleramt in Wien. Engelbert Dollfuß, Führer des autoritären Ständestaates, wird getötet. Im ganzen Land kommt es zu Aufständen, die rund 250 Todesopfer fordern. Am 28. ist der Putsch gescheitert.

Zeitzeugen und Kurt Schuschniggs Grabrede auf Dollfuß

Der "Juliputsch" ist der erste Versuch der Nazis, die Macht in Österreich zu übernehmen. Putschpläne gab es bereits seit dem Verbot der NSDAP in Österreich im Juni 1933. Dem waren zahlreiche Sprengstoffanschläge vorausgegangen, die die Nazis in der Illegalität freilich fortsetzten. Die Auflösung des Parlaments durch Engelbert Dollfuß hatte sie der Möglichkeit beraubt, wie in Deutschland durch Wahlen an die Macht zu kommen.

Der Putsch in Wien wurde von der SS vorbereitet und durchgeführt, der Aufstand in den Bundesländern war eine Aktion der SA. Zentrum des Aufstandes in den Bundesländern waren die Hochburgen des Nationalsozialismus - Kärnten und die Steiermark.

Motive der Putschisten

Die Argumente sind altbekannt: "Hitler hat die Arbeitslosigkeit besiegt" oder: "Im Dritten Reich wurde ordentliche Beschäftigungspolitik gemacht". Das sei das gängige Deutungsmuster, sagt Kurt Bauer, der in seinem Buch "Elementarereignis - die österreichischen Nationalsozialisten und der Juliputsch" von einem Modernisierungsstau in den 30er Jahren spricht und einer daraus resultierenden Negativ-Stimmung, die von den Nationalsozialisten instrumentalisiert worden ist.

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Für seine sozio-historische Untersuchung hat Bauer die Daten von 2.500 am Juliputsch Beteiligten analysiert. Resümee: Arbeitslose, junge Menschen ohne Perspektive - das ist das Potential der Nationalsozialisten. Die wirtschaftliche Lage war tatsächlich katastrophal, mit 25 Prozent Arbeitslosen. "Nach der Lehrzeit bist auf der Straße g'standen, hast vielleicht Notstandshilfe kriegt, nicht einmal genug zum Essen hast g'habt", erklärt der heute 90-jährige Rudolf Ohrner, weshalb er sich am Aufstand in Admont beteiligt hat.

Ein Zeitzeuge erinnert sich

Zeitzeuge August Oswald, Gründer der SA-Ortsgruppe Eggenburg, beteiligte sich am Aufstand in Preding in der Steiermark. Er wusste seit einem geheimen Treffen von SA-Führern im Juni 1934, dass es einen Putsch geben wird. Wenn es losgehen würde, müssten Orte besetzt und die Gendarmerie entwaffnet werden, sei besprochen worden, erinnert sich Oswald. Schon damals habe er gewarnt: "Meine Herren, wie soll ein Putsch ohne Hilfe des Bundesheeres funktionieren?" Oswald sollte Recht bekommen. Am 28. Juli hat der Ständestaat die Lage unter Kontrolle.

In Preding gelang es den Nazis, die Stellung bis zum Abend des 27. Juli zu halten. Dann rückte das Bundesheer ein. Die Nazis verletzten zwei Gendarmeriebeamten, eine unbeteiligte Frau wurde erschossen. August Oswald floh wie viele Putschisten nach Jugoslawien und von dort zur Österreichischen Legion nach Deutschland. Er sollte erst im März 1938 wieder nach Österreich zurückkommen...

Link
70 Jahre Juliputsch - Artikel des DÖW

Buch-Tipp
Kurt Bauer, "Elementarereignis", Czernin Verlag 2003