Kaffee als wertvoller Rohstoff
Das Aroma des Wohlstands
Kaffee ist ein Symbol für westliche Lebensart und Wohlstand. Und deswegen steigt die Nachfrage nach Kaffee in Ostasien, vor allem in China. Das lässt die Preise ebenso auf Rekordhöhen klettern wie die zunehmende Spekulation.
8. April 2017, 21:58
Harald Mayer, Präsident des Kaffee- und Tee-Verbandes
Kaffee ist - nach Wasser - das Lieblingsgetränk der Österreicher: durchschnittlich 162 Liter davon trinkt jeder Österreicher pro Jahr, das sind zwei bis drei Tassen täglich. Der durchschnittliche Bierverbrauch nimmt sich mit 109 Litern pro Kopf und Jahr dagegen geradezu bescheiden aus.
Als Ursprungsland der Kaffeestaude gilt Äthiopien, erklärt Kaffee-Experte Edmund Mayr, die ersten Plantagen gab es auf der gegenüberliegenden Seite des Roten Meeres, im Jemen. Durch Schmuggel hat sich Kaffee dann rund um die Welt verbreitet. Die besten Anbaugebiete liegen im sogenannten Kaffee-Gürtel 25 Grad nördlich und südlich des Äquators, zwischen den Wendekreisen des Krebses und des Steinbocks.
Hochwertige Ware aus Kolumbien
Weltweit wird für die laufende Saison eine Ernte von 124 Millionen Sack Rohkaffee erwartet, das entspricht 744.000 Tonnen. Brasilien produziert davon etwa 42 Millionen Sack pro Jahr, in Vietnam waren es zuletzt 20 Millionen Sack vorwiegend der Sorte Robusta. Kolumbien liefert besonders hochwertige Ware und erntet konstant etwa elfeinhalb Millionen Sack Rohkaffee jährlich.
Die beiden wichtigsten Sorten sind Arabica, der milde Hochland-Kaffee, der 70 Prozent der Jahresproduktion ausmacht und der kräftige Robusta, der in niedrigeren Lagen gedeiht. Für den perfekten Espresso braucht es aber die richtige Mischung aus beiden Sorten, 10 Prozent Robusta-Anteil gelten als ideal.
Vielgehandelter Rohstoff
Rohkaffee ist nach Erdöl der am meisten gehandelte Rohstoff der Welt. Nach Berechnungen der Internationalen Coffee Organization ICO hat sich der Jahresdurchschnittspreis in den vergangenen vier Jahren von knapp 52 US-Cent je Pfund auf 1,08 Dollar mehr als verdoppelt. Derzeit kostet ein Pfund Arabica an der Rohstoffbörse in New York bereits 1,55 Dollar. Experten gehen davon aus, dass ein Drittel des Preisanstiegs auf Spekulationen zurückzuführen ist.
Weltweit steigt die Nachfrage nach Kaffee - 125 Millionen Sack werden allein heuer verbraucht, schätzt die ICO, auch in China und Indien wird immer mehr gebrüht. Ein Zeichen des steigenden Wohlstandes in der Region.
Österreichs Verbrauch steigt
Zwei Millionen Sack Rohkaffe wurden 2006 nach Österreich importiert, das ist um ein Viertel mehr als in den Jahren davor. In den Haushalten wird die Filtermaschine immer mehr von Espresso-Automaten abgelöst. Der Markt mit Espressokapseln hat sich in den letzten beiden Jahren versiebenfacht.
In Österreich werden unter anderem das Tassimo-System des Konzerns Kraft Foods, die Kaffeepad-Systeme von Senseo und Tschibo-Eduscho und die Nespresso-Kapseln des Nestle-Konzerns angeboten.
Portionierter Kaffee im Vormarsch
Weltweit gehört Nespresso zu den führenden Anbietern von portioniertem Kaffee und machte im Vorjahr mehr als 900 Millionen Euro Umsatz. Der Geschäftsführer von Nespresso Österreich, Wolfgang Wallinger, meint, bis 2010 wird sich der Anteil an portioniertem Kaffee weltweit verdoppeln.
Nestlé will für seine Marke die Hälfte seines Bedarfs aus nachhaltigem Anbau beziehen, derzeit kommt knapp ein Drittel aus Nachhaltigkeitsprogrammen. Das Ziel: Kaffee der Spitzenqualität aus umweltschonendem Anbau und gerechte Löhne für die Bauern.
Dafür bezahlt Nespresso um 30 Prozent mehr an die Bauern, als sie am Rohkaffeemarkt dafür erhalten würden, betont Geschäftsführer Wolfgang Wallinger. Nachhaltigkeit ist aber offenbar nicht nur für Nespresso-Kunden ein Thema: Allein 2007 wurden in Österreich 9,3 Millionen Euro Umsatz mit Fairtrade-Kaffee gemacht, um zwölf Prozent mehr als im Jahr davor.
Hör-Tipp
Saldo, Freitag, 22. Februar 2008, 09:45 Uhr
Links
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