Cerha-Symposium

Rund um die Uraufführung von Friedrich Cerhas Requiem fand im Schönberg-Saal des Konzerthauses ein Cerha-Symposium statt. Eine der dort gestellten Fragen: War Friedrich Cerha wirklich abhängig von Alban Berg? Oder doch eher vom Neo-Klassizisten Paul Hindemith?

Kurt Schwertsik über sich und die Cerhas

"Zwischen Unbotmäßigkeit und Althergebrachtem" war der Titel des Eröffnungsvortrags einer zweieinhalb Tage langen Veranstaltung in Wien. Zweieinhalb Tage, die jenem Künstler gewidmet waren, der heute eindeutig als der Doyen der österreichischen zeitgenössischen Musik fungiert: Friedrich Cerha.

Künstlerischer Höhepunkt des vergangenen Wochenendes war selbstverständlich die Uraufführung des Requiems von Friedrich Cerha (in Ö1 konnte man diese Aufführung mit dem RSO Wien unter Betrand de Billy am Freitag live miterleben).

Abhängig von Alban Berg?

In der Zeit kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kannte Friedrich Cerha die Musik von Alban Berg noch gar nicht, wie er bemerkte. Damals hieß die musikalische Moderne in Wien Hindemith. Dass er damals dennoch schon in jenen expressiven, weitgespannten Bögen komponierte, in der so viele Beobachter seine Abhängigkeit von Alban Berg sehen wollen, könnte einem zu denken geben.

Solch Kontinuitäten oder auch Brüche aufzudecken, dazu gibt es Symposien. Nach den - atmosphärisch und launig - manche Details in Erinnerung rufenden Beiträgen war es wieder einmal an Jürg Stenzl, Professor für Musikwissenschaft in Salzburg, die von ihm ja nicht ungern gespielte Rolle des "Advocatus Diaboli" zu übernehmen.

Wo denn die Auseinandersetzung mit dem Neo-Klassizisimus sei - siehe den Verweis auf Hindemith; wieso denn das Thema Cerha und Ligeti immer so eigentümlich ausgespart bliebe und so fort. Im Schluss-Round-Table erforderte es dann drei unerbittliche Anläufe der Moderatorin Haide Tenner, um Jürg Stenzl dann endlich zu einem eigenen - und nicht nur als Frage an die anderen gemünzten - Statement zu Cerha herauszufordern.

"Kein Bruch in Cerhas Schaffen"

Stenzl sieht in Cerhas Schaffen "nie einen Bruch", sondern "permanente Kontinuität". Gerade deshalb habe er die Frage nach dem Neo-Klassizismus angesprochen: "Deshalb scheint mir eine Beschäftigung mit seinem Schaffen, die vom Ideologisierten Materialbegriff von Adorno her kommt, diesem Schaffen völlig inadäquat. Auf solche Fragestellungen antwortet das Werk nicht.

Beim Requiem habe Cerha versucht, die Idee der Gattungs-Spezifik in einem geradezu emphatischen Sinne zu retten, analysiert Stenzl. "Es gäbe ja auch ganz andere als diese auch ritualisierten Formen, wie hier ein Requiem komponiert ist, die am Beginn des 21. Jahrhunderts denkbar sind."

CD-Tipp
CD-Box, Cerha-Dokumente, die zwölfteilige ORF-CD-Edition gibt einen Überblick der wesentlichen Entwicklungen in der Musik von 1945 bis zur Gegenwart.

Link
Cerha-Symposium