Schutz durch Nutzung

Amazonien ist aufgrund seiner biologischen Vielfalt für die Menschheit von eminenter Bedeutung und der wichtigste Sauerstoffproduzent der Erde. Dieses Ökosystem ist aber durch Raubbau und Misswirtschaft bedroht.

Amazonien ist das größte zusammenhängende tropische Regenwaldgebiet und damit auch der wichtigste Sauerstoffproduzent der Erde. Unangemessene wirtschaftliche Praktiken bedrohen dieses einzigartige Ökosystem - mit unabsehbaren Folgen für das Weltklima aber auch für die rund 20 Millionen Menschen, die im Amazonastiefland leben.

Keine Rücksicht auf Umweltauswirkungen

In der Zeit der brasilianischen Militärdiktatur, die 1964 begann und bis zu ersten demokratischen Präsidentschaftswahlen 1989 dauerte, sollte die Ausbeutung der reichen Naturressourcen das Entwicklungsland im Schnellverfahren zu einer Industrienation machen. Auswirkungen auf die Umwelt waren bei der Planung der einzelnen Projekte sekundär.

Wie z. B. im Fall Shushufindi. Die gesichtslose Kleinstadt verdankt ihre Existenz einzig und allein der Tatsache, dass unter ihr eines der fünf größten Erdölfelder Amazoniens liegt. Bohrtürme, Förderanlagen und Rohrleitungen sind hier in den letzten 30 Jahren aus dem Urwaldboden gewachsen, doch die Einhaltung von Umweltauflagen ist hier nicht die Regel, sondern eher die Ausnahme.

Doch Umweltdesaster gibt es aber nicht nur dort, wo das schwarze Gold sprudelt, sondern überall im Amazonasbecken, wo die reichen Erz- und Edelmetallvorkommen bergbaulich erschlossen wurden.

Nachhaltige Entwicklung als Ausweg

Dem zügellosen Raubbau steht das Konzept einer nachhaltigen Entwicklung entgegen, das auf die Verbindung von ökonomischem Wachstum, Armutsbekämpfung und gleichzeitiger Erhaltung der natürlichen Ressourcen abzielt.

"Als erstes muss man begreifen, dass Amazonien nicht homogen ist. In einem Bundesstaat werden Bodenschätze ausgebeutet, in einem anderen dreht sich alles um Holz und die Kautschukproduktion und in einem dritten gibt es vorwiegend Holz," erklärt der Ökonom und Ökologe Jose Alberto Machado von der Universität Manaus. "Bei uns im Bundesstaat Amazonas gibt es wiederum Mikroelektronik. Es gibt daher keine allgemein gültige Formel für nachhaltiges Wirtschaften, die Lösungen müssen auf die jeweilige Situation in den verschiedenen Bundesstaaten im Amazonasgebiet zugeschnitten sein."

Oft nur Lippenbekenntnisse

Doch für Politiker und internationale Organisationen ist die Berufung auf Nachhaltigkeit inzwischen zur Pflichtübung geworden. Internationale Abkommen oder Deklarationen, die oft nationalstaatlichen oder globalen Wirtschaftsinteressen widersprechen, blieben bislang folgenlos. Dennoch dürfe man die Hoffnung laut Dr. Basilio Vianez vom Amazonasforschungsinstitut in Manaus nicht aufgeben, denn es gebe keine Alternative.

"Hier leben 17 Millionen Menschen, das sind zehn Prozent der brasilianischen Bevölkerung. Und diese Menschen müssen sich von etwas ernähren. Wenn man will, dass das Ökosystem erhalten bleibt, muss man Einkommen schaffen und die ökonomische Situation der Bevölkerung in der Region verbessern. Die bisherigen Praktiken bewirken das Gegenteil: die Zerstörung der Wälder, egal ob es für den Export von Tropenholz, für die Schaffung von riesigen Rinderfarmen oder Sojaplantagen geschieht oder weil man Erze oder Erdöl ausbeuten will. Und wir wissen, dass der tropische Regenwald mit seinen vielen Arten ein so komplexes System ist, dass es unmöglich ist, ihn jemals wieder aufzuforsten."

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Das Programm Armut und Umwelt in Amazonien - POEMA (Programa Pobreza e Meio Ambiente na Amazônia) ist ein Forschungs- und Entwicklungsprogramm der Bundesuniversität von Pará (UFPA) in Belém, der Hauptsstadt des brasilianischen Bundesstaates Pará.

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