Filme, Texte und Wegbegleiter
Axel Corti
Axel Corti war einzigartig kompromisslos. Einer, der nichts durchgehen ließ. Der Filmregisseur Corti konnte Dreharbeiten unterbrechen, bis vergessene Manschettenknöpfe ersetzt waren. 25 Autoren und Autorinnen erinnern sich.
8. April 2017, 21:58
Die Herausgeber haben es sich nicht einfach gemacht. 25 Autoren und Autorinnen haben Beiträge geschrieben, weitere neun Personen wurden interviewt. Sie erinnern sich, sie denken nach über den Menschen, den sie gekannt, mit dem sie gearbeitet, mit dem sie gelebt haben. Einen, der unter all den besonderen Menschen in Film und Funk, Literatur und Fernsehen eine Ausnahmeerscheinung war - darin sind sich die Beiträge einig.
Radio und Regie
Er war kompromisslos, das hieß bei Axel Corti sowohl genau bis zur Besessenheit, wie auch in moralischer Hinsicht unnachgiebig. Das war die Haltung schon des jungen Sprechers, dann Redakteurs, im ORF-Landesstudio Tirol in den 50er Jahren, erinnern sich die Kollegen Bert Breit und Ernst Grissemann (der spätere Hörfunkintendant). Damals bereits habe sich Axel Corti den Ruf des Arroganten, des Schwierigen erworben.
Corti begann beim Radio, er gab seine Stimme unter anderem der Radioglosse "Hömbergs Kaleidophon", die ab Anfang der 60er Jahre österreichweit ausgestrahlt wurde. Anfang der 60er, da begann Corti auch als Regisseur. Eine Inszenierung am Burgtheater wird von der deutschen Kritik gelobt und von der heimischen zerrissen.
Gesucht: eine moderne Fernsehshow
1967, Rundfunkreform. ORF-Generalintendant Gerd Bacher holt Axel Corti für eine Fernseh-Show. Modern soll sie sein, das betuliche österreichische TV an das Popzeitalter anschließen. Corti dreht mit den Bee Gees und mit Adriano Celentano. Die Schnitte sind schnell, die Reihe "Gogo-Scope" nimmt die Videoclip-Ästhetik von 15 Jahren später vorweg. Cortis Magazin "Bric à Brac" allerdings endet vor dem Staatsanwalt; Begründung, vielleicht auch Vorwand: Pornografie.
Der Schalldämpfer
Immer wieder machte Axel Corti Menschlichkeit und Unmenschlichkeit zum Thema: in seinen Filmen und in jener Sendung, die untrennbar mit seinem Namen verknüpft bleibt. Fast ein Vierteljahrhundert lang, von Anfang 1969 bis Ende 1993, lief zur Kennmelodie von Bert Breit jeden Sonntag, später auch samstags, "Der Schalldämpfer". Axel Cortis zehnminütiges Freispiel im Medium Radio.
Cortis Kolumne zu Gott und der Welt wurde für viele zu einer persönlichen Sonntagspredigt, die auf keinen Fall versäumt werden durfte. Hier konnte man jemanden mit höchster Konzentration denken, nachdenken, formulieren hören.
Das ungeplante Vermächtnis
In 25 Jahren ließ Axel Corti keinen einzigen "Schalldämpfer"-Termin aus. Wenn er außer Landes drehte, schrieb er in Hotelzimmern und nahm die Sendung auf einem mitgebrachten Tonbandgerät auf. Bis zum Schluss.
Am 26. Dezember 1993 wurde der letzte "Schalldämpfer" gesendet. Er wurde zum ungeplanten Vermächtnis.
Buch-Tipp
Robert Neumüller / Ingrid Schramm / Wolfgang Stickler, "Axel Corti. Filme, Texte und Wegbegleiter", Verlag publication PN 1 / Bibliothek der Provinz 2003, ISBN 3852525411
CD-Tipp
Die 4-CD-Box "Axel Corti im Radio" ist im ORF Shop erhältlich.
Hör-Tipps
Ö1 bringt die beiden Hörspiele "Erinnerung an Herkulesbad" (25. Dezember, 14.05 Uhr) und "Gemma Boic oder Die Angst des Flusses vor der Mündung" (26. Dezember, 14.05 Uhr), an denen Corti vor und hinter dem Mikrofon maßgeblich beteiligt war, sowie die Sendung "Du holde Kunst mit Axel Corti" (28. Dezember, 9.05 Uhr).
TV-Tipp
ORF 2 zeigt am Sonntag, dem 28. Dezember 2003, um 23.20 Uhr unter dem Titel "Warst du Axel Corti?" ein Porträt des Regisseurs.
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