Musikplattform Norient

Die Schweizer Musikplattform Norient schlägt Brücken zwischen den vielen verschiedenen Kulturen, die durch die weltumspannenden Medien- und Datennetzwerke immer näher aneinander gedrängt werden. Dabei rückt der Begriff Weltmusik in ein neues Licht.

Im Zentrum der Arbeit von Norient steht ein Internet-Magazin, gelegentlich organisiert und kuratiert Norient aber auch Veranstaltungen, sowohl Diskussionsveranstaltungen, Vortragsreihen als auch Konzerte. Weiters hat Norient etwa an den CD-Produktionen "Sounds from home" und "Mischpult Schweiz" mitgewirkt, die einen Einblick in die Musikszene der in der Schweiz lebenden Migrantinnen und Migranten geben.

Man hat auch bei der Erstellung eines neuen Lehrmittels mitgeholfen, das, wie es in einem Text auf der Norient-Homepage dazu heißt, "die Musik anderer Kulturen für die Volksschule aufarbeitet und dabei einen Kulturzentrismus vermeidet".

Auskunftsbüro

Vor allem aber, so Thomas Burkhalter, seien sie in den letzten Jahren immer mehr zu einem Auskunftsbüro geworden. Leute aus den unterschiedlichsten Kontexten - Journalisten, Kuratorinnen, Künstler oder Wissenschaftlerinnen - würden sie um Kontakte bitten. In jedem Fall sei zu bemerken, dass der Bedarf danach stetig steige.

Die Anfänge

Der Musikjournalist und Musikethnologe Thomas Burkhalter ist der Begründer und Chefredakteur der in der Schweiz beheimateten Musikplattform. Immer wieder, wenn er nach einer Reise seinen Bericht an diverse Weltmusik-Journale zu verkaufen versuchte, erzählt er von den Anfängen, wurde er mit der Frage konfrontiert, welche der von ihm interviewten Musiker denn einen Vertrieb in Deutschland hätten.

Thomas Burkhalter: "Und dann habe ich eben gesagt: Keiner. Woraufhin es oft hieß: Kannst du denn nicht vielleicht noch Goran Bregovic in deinen Artikel reinbringen? Nein, kann ich eigentlich nicht." Und so sei schließlich die Idee entstanden, selber eine Plattform zu schaffen. 2004 ging Norient online.

Wachsendes Interesse

"In den letzten Jahren hat sich viel verändert", so Thomas Burkhalters Bestandsaufnahme. Das Interesse an den neuen und experimentellen Musikszenen jenseits der westlichen Metropolen würde beständig wachsen; auch eine Chance, wie es scheint, endlich den Begriff Weltmusik hinter sich zu lassen.

Noch vor wenigen Jahren hätten es die meisten Leute nämlich ziemlich uncool gefunden, wenn er ihnen erzählte, dass er über die Musik aus anderen Ländern schreiben würde, erinnert sich Burkhalter: "Dann haben die Leute in der Regel gesagt: Aha, du schreibst also über Weltmusik. Und ich musste immer wieder erklären, dass ich eigentlich nicht wirklich über Weltmusik schreiben würde."

Lokalisierungs- und Globalisierungsprozesse

Heute, führt Burkhalter weiter aus, interessieren sich wesentlich mehr Leute für die Musik aus den Ländern Afrikas, Asiens oder Lateinamerikas, allerdings eben für jene Musik, die nicht die klischierten Bilder der Weltmusik transportiert, womit auch in seinem Leben die Weltmusik-Branche immer mehr an Bedeutung verlieren würde.

Vor allem, so Thomas Burkhalter, versuchen er und Norient der Frage nachzuspüren, wie sich Lokalisierungsprozesse und Globalisierungsprozesse gegenseitig bedingen, und wie Musik hier hinein spielt.

Ausbalancieren der Machtverhältnisse

Dass er sich in einer privilegierten Position befindet, ist Thomas Burkhalter durchaus bewusst: "Man ist immer der 'reiche Schweizer', der eben auch die Möglichkeit hat, in diese Länder zu reisen und seine Gedanken anschließend über verschiedene Medien zu verbreiten. Was man tun kann, ist zu versuchen, mit möglichst vielen Leuten zu reden und möglichst ehrlich zu sein."

Den Ländern aufgrund des Machtungleichgewichts von vornherein fern zu bleiben, sei jedenfalls keine Lösung. Stattdessen hält Thomas Burkhalter auf seinen Reisen auch immer Ausschau nach neuen Autorinnen und Autoren, die aus erster Hand über die Musikszenen in ihren Ländern berichten können.

Thomas Burkhalter: "Die Idee von Norient ist die eines dezentralen Netzwerkes. Mit der Zeit werden die Texte von mir eigentlich immer weniger."

Mehr zur "Zeit-Ton"-Reihe "Vom Zusammenklingen der Kulturen" in oe1.ORF.at
Doppelte Abwesenheit
Sublime Frequencies
Globale Popmusik für eine globalisierte Welt

Hör-Tipps
Zeit-Ton, Vom Zusammenklingen der Kulturen Teil 2, Donnerstag, 31. Mai 2007, 23:05 Uhr

Zeit-Ton, Vom Zusammenklingen der Kulturen Teil 3, Donnerstag, 14. Juni 2007, 23:05 Uhr

Zeit-Ton, Vom Zusammenklingen der Kulturen Teil 4, Donnerstag, 19. Juli 2007, 23:05 Uhr

Veranstaltungs-Tipp
Thilges, "la double absence", CD-Präsentation mit Live-Konzert, Sonntag, 3. Juni 2007, 19:00 Uhr, Zacherlfabrik, Nußwaldgasse 14, 1190 Wien

Link
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