Alarich Lenz, Cutter

Zuerst studierte er Philosophie, zum Film kam er viel später: Alarich Lenz, Schnitt-Absolvent der Filmakademie Wien. Am 2. Oktober 2007 wurde nun Elisabeth Scharangs "Franz Fuchs"-Spieldoku, die der gefragte Cutter geschnitten hat, in ORF 2 ausgestrahlt.

"Wenn ich als Kind meine Mutter in Wien besuchte, ging ich immer ins Kino. Damals hatte ich hier wenige soziale Kontakte - und das Kino hat auf diesem Gebiet viel abgedeckt. So entwickelte ich eine Leidenschaft für den Film, die aber noch nichts mit beruflichen Ambitionen zu tun hatte. Während meines Philosophiestudiums habe ich zahlreiche Vorlesungen besucht, die mit Film zu tun hatten. Aber auf die Idee, beruflich in die Filmbranche einzusteigen, kam ich eher zufällig, als ich vom Beruf des Cutters erfuhr. In der Folge wurde ich dann initiativ, in diesem Bereich Fuß zu fassen, was nicht einfach war.

In dieser Zeit arbeitete ich als Beleuchter beim Filmakademie-Set und machte die Erfahrung, wie wichtig fächerübergreifendes Wissen ist. Schließlich traf ich den Entschluss, mich an der Filmakademie zu bewerben. Was schwierig war, weil traditionell eher junge Leute genommen werden. Aber ich wurde aufgenommen - das war der turning point", erzählt Alarich Lenz, gebürtiger Halleiner, Jahrgang 1967, der seit 1998 an der Filmakademie Schnitt studierte und im April 2007 sein Studium abgeschlossen hat.

Nach seiner HTL-Matura begann Lenz zunächst mit einem Philosophie-Studium an der Uni Wien, bevor er sich rund zehn Jahre später für den Film entschied. "Ein Eye Opener war sicher David Lynchs 'Twin Peak'-Serie. Damals wurde mir klar, dass ich mich noch stärker mit Film beschäftigen möchte", so der gefragte Cutter.

Eine Symbiose aller Kunstformen

"Der Film verbindet für mich alle Kunstformen: Musik, Literatur, Malerei - das ist für mich das Faszinierende und Prickelnde", erläutert Lenz.

Was das Schwierigste bei seiner Arbeit ist? "Die Distanzfähigkeit zu bewahren und einen Film immer wieder so sehen zu können, als wäre es das erste Mal."

Gleiches Interesse an Dok- und Spielfilm

"Für mich sind beide Genres gleichwertig - Dokumentarfilm wie Spielfilm. Nur ist beim Spielfilm das Ende eher absehbar. Hingegen dauern die Dok-Film-Projekte meist länger. So hat der Schnitt bei 'Meine liebe Republik' - natürlich mit Unterbrechungen - über ein Jahr gedauert", stellt Alarich Lenz fest.

"Franz Fuchs"-Spieldoku in ORF 2

Am Dienstag, 2. Oktober 2007, um 20:15 Uhr war in ORF 2 nun Elisabeth Scharangs 90-minütige Spiel-Dokumentation "Franz Fuchs - Ein Patriot" mit u. a. Karl Markovics, Hubert Kramar, Stefan Puntigam und Klaus Händl zu sehen, die Alarich Lenz geschnitten hat.

"Eine Spiel-Dokumentation ist ein eigenwilliges, nicht sehr verbreitetes Genre. Es ist eine Mischung aus Fiction und Dokfilm. Wir haben den dokumentarischen Teil in den Film eingeflochten. Dabei ist es wichtig, die richtige Balance zu finden. Meine letzten Projekte waren alle spannend, weil sie eben mehrere Themen in sich bergen", berichtet Lenz.

Vielfältige Film-Erfahrung

Eine Auswahl seiner Filmarbeiten belegt die vielfältige Praxis, die Alarich Lenz inzwischen als Cutter sammeln konnte:

Dazu zählen u. a. die TV-Doku "Mythen der Alpen" (Regie: Manfred Corrine, 2007), der Dok-Film "Meine Liebe Republik" (Regie: Elisabeth Scharang, 2006), der Spielfilm "Mein Mörder" (Regie: Elisabeth Scharang, 2005), der Dok-Film "Sehnsucht Dorf" (Regie: Manfred Corrine, 2005), der Kurzspielfilm "Anna und der Soldat" (Regie: Sören Hüper & Christian Prettin, 2004), der Dok-Film "Leben mit der Natur" (Regie: Manfred Corrine, 2004), die Kurz-Spielfilme "Felix Ende" (Regie: Thomas Schwendemann, 2004) und "Wegen Daniel" (Regie: Michael Ramsauer, 2003), Michael Cencigs beide Dok-Filme "Bodh Gaya" und "Drei Buddhisten vier Wahrheiten" (beide 2002) sowie die Kurzspielfilme "Wenn es regnet" (Regie: Gudrun Falke) sowie Thomas Schwendemanns "Gloom" (Düsternis; beide 2002).

Diplomfilm "Von bis"

In Alarich Lenz' Diplomfilm "Von bis" geht es um die Themen Tod und Erinnerung, die sich in einer Familie durch mehrere Generationen ziehen. "Es war ein Herzensprojekt, denn es geht hier um ernste Themen. Meine Anfänge als Schnittassistent bei Haneke-Filmen hatten ja auch nichts mit Komödien zu tun. Ich habe mir diesen Film sehr bewusst ausgesucht", betont der erfolgreiche Cutter.

Der Diplomfilm des ambitionierten Cutters wurde auch bei zahlreichen renommierten Festivals gezeigt, so unter anderen bei der Diagonale 2004, beim Max Ophüls Preis 2005, wo er in der Kategorie "Best Short" nominiert war sowie bei der DokumentART 2005 in Neubrandenburg.

Cutter-Assistent bei Haneke-Produktionen

In seiner Studenten-Zeit hatte Lenz aus finanziellen Gründen zahlreiche Jobs - was sich später als Vorteil erwies. "Damals war mein Einstieg in die Schnittassistenz. Als ich erfuhr, dass die 'Klavierspielerin' verfilmt wird, habe ich mich sehr darum bemüht, die Assistenz machen zu können. So entstand eine langjährige Zusammenarbeit mit Monika Willi, der Cutterin von Michael Haneke. Es war lehrreich, Hanekes ungeheure Präzision in jeder Einstellung zu sehen", schildert Lenz, der auch bei "Wolfzeit" und "Caché" eingesetzt war.

"Die Wegafilm gab mir auch die Chance, den ersten Langspielfilm schneiden zu dürfen. Es war eine wichtige Erfahrung zu sehen, wie große Filme gemacht werden. Das war parallel zur Filmakademie eine gleichwertige Ausbildung", so Lenz, der auch bei Produktionen von u. a. Barbara Albert, Michael Glawogger sowie Franz Novotny mitwirkte.

Auszeichnung bei Diagonale 2007

Und für Elisabeth Scharangs Dokumentarfilm "Meine liebe Republik" wurde Alarich Lenz bei der Diagonale 2007 für die "Beste künstlerische Montage Dokumentarfilm" ausgezeichnet. "Das war für mich überraschend, weil ja dort ganz große Produktionen gezeigt werden. Es war natürlich eine tolle Anerkennung für das Projekt, an dem wir über ein Jahr gearbeitet haben", freut sich Lenz.

Wunsch nach vielen faszinierenden Projekten

Zum "Fall Fuchs" werde es eventuell noch eine Dokumentation geben, weiters seien noch zwei Film-Projekte für die nächste Zukunft in Planung, erzählt der freischaffende Cutter.

Und wie lautet der Zukunftswunsch von Alarich Lenz? "Ich möchte noch viele, faszinierende und mich bereichernde Projekte schneiden."

Kontakt
Alarich Lenz

TV-Tipp
"Menschen & Mächte spezial", "Franz Fuchs – Ein Patriot", Regie: Elisabeth Scharang, Drehbuch: Elisabeth Scharang und Karl Goldblat, Schnitt: Alarich Lenz, mit u. a. Karl Markovics, Hubert Kramar, Stefan Puntigam, Klaus Händl, Helge Stradner, Walter Weissensteiner und Sebastian Pass, Dienstag, 2. Oktober 2007, ORF 2, 20:15 Uhr.

Links
Wiener Filmakademie
tv.ORF.at - Franz Fuchs - Ein Patriot
Diagonale
Meine Liebe Republik
Österreichischer Verband für Film- und Videoschnitt
Tschaturanga
Wegafilm