Großer Luster im Opernsaal, Wiener Staatsoper

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Opernabend - Live aus der Wiener Staatsoper

"Eine florentinische Tragödie" und "Herzog Blaubarts Burg"

Mit Asmik Grigorian (Bianca/Judith), Dmitry Golovnin (Guido Bardi), Christopher Maltmann (Simone) und Florian Boesch (Herzog Blaubart)
Orchester der Wiener Staatsoper; Dirigent: Alain Altinoglu
(Live-Übertragung der Premiere aus der Wiener Staatsoper, in 5.1 Surround Sound)

Nicht abendfüllende, einaktige Opern: Sie stellen die Planenden des Opernbetriebs immer vor die Frage, womit kombiniert man sie - und es ist dabei nicht immer so einfach wie bei Giacomo Puccinis "Trittico", bei dem der Komponist drei kurze Einzelwerke für einen Abend zusammengefasst hat, oder bei Pietro Mascagnis "Cavalleria rusticana" und Ruggero Leoncavallos "Pagliacci", die zwar in keiner Weise als Ergänzung zum jeweils anderen Werk entstanden sind, die aber durch die Aufführungsgeschichte (fast) untrennbar zusammengeschweißt wurden. Setzt man bei der Kombination einaktiger Werke auf Verbindendes oder Kontrastierendes?

Beim neuen Einakter-Abend der Wiener Staatsoper findet man beides. Das Verbindende: Alexander Zemlinskys "Florentinische Tragödie" und Bela Bartoks "Herzog Blaubarts Burg" sind in der gleichen musikalischen Epoche entstanden, das Werk des Wiener Komponisten (nach einer Dichtung von Oscar Wilde) ist 1917 in Stuttgart zur Uraufführung gekommen, die Oper des ungarischen Tonsetzers (eine symbolistische Deutung des alten Blaubart-Märchens in der Libretto-Fassung von Bela Balazs) im Jahr danach in Budapest. Bartoks Werk war zwar schon 1911 entstanden, galt zuerst aber als unaufführbar und hat bis zur Weltpremiere mehrere Überarbeitungen erfahren.

Die Handlungen der beiden Werke sind sehr unterschiedlich, aber auch hier gibt es Verbindendes: "das fortschreitende Erkennen des Wesens des Gegenübers", wie es im Pressetext der Wiener Staatsoper heißt. In der "Florentinischen Tragödie" betrügt Bianca ihren Ehemann Simone mit einem Prinzen, die Auseinandersetzung der beiden Männer entwickelt sich zum Duell, bei dem Bianca hofft, dass der verhasste Ehemann von ihrem Geliebten getötet wird. Doch letztendlich erdrosselt Simone seinen Nebenbuhler - und gewinnt durch diesen Mord den Respekt seiner Frau zurück; das Verbrechen signalisiert einen neuen Liebesbeginn für Bianca und Simone. "Erkenntnis" gewinnt auch Judith über den geliebten Blaubart in "Herzog Blaubarts Burg" - symbolistisch dargestellt durch das Öffnen von sieben Türen, die die Geheimnisse des Herzogs preisgeben. Nachdem aber Judith alles erfahren hat, verschwindet sie mit ihren Vorgängerinnen hinter der siebenten Tür. Blaubart bleibt in dunkler Einsamkeit zurück.

Thematisch findet man also Gemeinsamkeiten, in der musikalischen Stilistik sind beide Werke, obwohl in der gleichen Zeit entstanden, aber höchst unterschiedlich; da erlebt man einmal (bei Zemlinsky) einen spätromantischen, an Richard Strauss und Gustav Mahler erinnernden Klangrausch, dann (bei Bartók) ein in der Musik wesentlich kantigeres, spröderes Werk mit viel deklamatorischem Sprechgesang der Protagonistin und des Protagonisten über einem expressionistisch wirkenden Orchestersatz.

Text: Michael Blees

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