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Die pflanzengenetische Vielfalt Äthiopiens ist durch die Einführung von Hochertragssorten gefährdet. Das Projekt Seeds of Survival steht für die Gewährleistung einer krisenfesten Selbstversorgung durch die Erhaltung der regionalen Sorten.

Tef ist ein sehr altes Kulturgetreide aus der Familie der Süßgräser, das seit über 5.000 Jahren im äthiopischen Hochland kultiviert wird. Funde in der Pyramide von Dashur beweisen, dass es bereits im 4. Jahrtausend nach Ägypten gelangt ist. Doch während Tef in anderen Ländern unbekannt geblieben ist, wird es in seinem Herkunftsland ununterbrochen bis heute angebaut und gehört zu den wichtigsten Grundnahrungsmitteln.

Injera - das "Brot" der Äthiopier

Auch wenn es unserem Brot nicht einmal entfernt ähnlich sieht, kann man Injera als das Brot des äthiopischen Hochlands bezeichnen. Die weichen palatschinkenartigen Fladen werden aus Tefmehl hergestellt, das mit Hefe und Wasser versetzt und nach zwei bis vier Tagen über dem offenen Feuer gebacken wird.

Im fertigen Injera befinden sich viele kleine Löcher, die beim Entweichen des in der Hefe enthaltenen Kohlendioxyds entstanden sind. Daher ist Injera sehr weich und es schmeckt wegen der Hefe etwas säuerlich.

Ursprungsland zahlreicher Kulturpflanzen

Neben zahlreichen Varietäten von Tef haben die äthiopischen Bauern über Jahrtausende hinweg auch viele andere Feldfrüchte kultiviert: Gerste, Fingerhirse, Kichererbsen, Sorghum und Weizen.

Die natürliche Vielfalt hat den russischen Botaniker Nikolai Vavilov tief beeindruckt, als ihn seine ausgedehnten Expeditionen in den 1920er Jahren auch nach Äthiopien geführt haben, das heute eines von nur acht sogenannten Vavilov-Zentren weltweit ist. Doch diese Vielfalt droht zu verschwinden, warnt Melaku Worede, einer bekanntesten Pflanzengenetiker Afrikas. "Die lokal angepassten Landsorten werden durch - teilweise als Hungerhilfe - eingeführte Hochertragssorten verdrängt. Diese müssen allerdings mit Kunstdünger und Pestiziden 'bestochen' werden, damit sie Erträge abwerfen und niemand hat Geld für diese Bestechung."

Der Agrarwissenschafter setzt dagegen auf die Erhaltung und Verbesserung der regionalen Landsorten als Bausteine für eine krisenfeste Selbstversorgung und auf die Weisheit der Bauern. Für sein Projekt "Seeds of Survival - Samen des Überlebens" wurde er 1989 mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet.

Ejere - ein Dorf macht Geschichte

In Ejere hat in den 1980er Jahren das "Seeds of Survival"- Programm seinen Anfang genommen. "Nach Dürre und Hungersnot war Ejere gezeichnet von Bodenerosion und Monokulturen. Die genetische Erosion der heimischen Nahrungspflanzen lag bei 95 Prozent", erinnert sich Regassa Feyissa, Präsident der "Ethio-Organic Seed Action", die auch die Bauern in Ejere unterstützt.

"Inzwischen ist die Monokultur wieder von den Feldern verschwunden, die alten Anbaumuster wurden wiederhergestellt und sind intakt. Es gibt heute auch wieder traditionelles Saatgut und die ehemalige Vielfalt ist wieder da."

Service

Melaku Worede
Seeds of Survival - Äthiopien
Alternativer Nobelpreis - Dankesrede von Melaku Worede