Friedenslieder

Was als Antwort auf Panzerlieferungen von Steyr-Daimler-Puch mit einem Marsch der 7.000 begann, einte im Mai 1982 70.000, die gegen atomare Bedrohung demonstrierten. Die Bühnen der Friedensprozessionen boten in singulärer Weise Musik aller Stile.

Ambros, Steinhauer, Zykan

"Es ist natürlich klar, dass wir uns alle größte Mühe geben", sagt Wolferl Ambros, vor 10.000 in der Wiener Stadthalle, bevor er zu singen anhebt: "Hand in Hand."

Am 6. November 1982 traten 200 Künstler und Künstlerinnen vor 10.000 Menschen in der Wiener Stadthalle auf, unentgeltlich. Die österreichische Bewegung bekam Unterstützung und Glanz von internationalen Friedensbekennern: Harry Belafonte, Floy Westerman, Hans Thessinck und Konstantin Wecker.

Steinhauer moderierte

"Würde sich die Praxis herumsprechen, dass jede schwachsinnige Äußerung eines Politikers automatisch zu seinem Rücktritt führt, wir hätten überall Neuwahlen", moderierte Erwin Steinhauer - er hatte vorher einen amerikanischen Ex-Verteidigungsminister zitiert mit den Worten: "Es gibt Wichtigeres als den Frieden".

Danach sang er ein Lied von Arthur Lauber: "Mit einem Schlag" - über die Vernichtung der Welt in atomarer Ästhetik. Schön mit Sonnenuntergang. Die Coda kam vom Satelliten von Radio Vatikan: "Macht euch die Erde untertan."

Künstler für den Frieden

Was auf dem Wiener Rathausplatz im Mai 1982 begann, sich in Konzerten in allen Bundesländern im Friedenszug fortsetzte, fand seinen künstlerischen Höhepunkt im Konzert in der Stadthalle im November 1982. Hannes Rossacher und Rudi Dolezal leisteten die Aufnahme- und Studioarbeit , die Proponentinnen und Proponenten des Vereins "Künstler für den Frieden" sichteten zehn Stunden Material, die Doppel-LP fängt etwas von dem besonderen Abend Österreichs ein.

André Heller forderte eine Internationale der Vernunft, er forderte Zusammensingen. Man gab Eislers und Brechts "Solidaritätslied". Friedensreich Hundertwasser machte das Cover für die LP - ein Poster für die deutsche Friedensbewegung, Alfred Hrdlicka das Foto für die Rückseite. Auf der Innenseite der Doppel-LP Bilder der Auftretenden vor einer jubelnden Menschenmenge.

Impuls für Grün- und Frauenbewegung

Die Friedensbewegung vor 25 Jahren war Impuls für Grünbewegung und für Frauenemanzipation. "Frauen für den Frieden" war eine der Gruppierung, Hermi Hirsch jene, die die anderen sammelte (und auch verpflegte).

Erika Pluhar sang mit Antonio Dalmeida und Peter Marinoff "Dagegen". Pluhar hatte von Antonio Dalmeida von der portugiesischen Nelkenrevolution gehört. Da war eine Revolution, zwar nicht von der Musik getragen, aber doch durch sie angefacht. Das Lied damals hieß Grândola, Vila Morena - Grândola, braungebrannte Stadt.

Friedensfantasien

Die Utopien, die 1982 in der Friedensbewegung zum Greifen nahe schienen, waren zahlreich. Palästinenser und Juden sollten zusammen leben können, es sollte eine atomwaffenfreie Welt geben, und Fritz Muliar wünschte sich, nicht nur in Frieden leben sondern auch in Frieden sterben zu können. Auch Konstantin Wecker sang.

Es traten auf: eine Überlebende des Frauenorchesters von Auschwitz, ein kroatisches Tamburizza-Ensemble, die griechische Sängerin Maria Dimitriadi, die südafrikanische Sängerin Letta Mbulu, die auch Songwriterin für Miriam Makeba war, der Hamburger Friedenschor, der Kärntner Partisanenchor.

Ping Peng Peng

Eigentlich hätte der Kärntner Partisanenchor Otto M. Zykans Auszählreim singen sollen. Zykan und die Organisatorin des Friedenskonzerts Margit Niederhuber fuhren nach Kärnten, probierten, und mussten ihre Pläne ändern.

Der Partisanenchor trat auf mit einem Lied "Morgen brechen wir auf" und Zykan präsentierte erstmals seinen Hit der österreichischen Musikgeschichte, der zum Hit seines Lebens wurde: "Ping Peng Peng".

Die Chefs von heute

Die Demonstranten von damals sind die Chefs von heute: Gusenbauer Cap, Häupl, Karas, Küberl, Wrabetz. Die, die damals mitmarschierten, erinnern sich, dass die Musikdarbietungen der Friedensbewegung den Demonstrationszweck überschatteten.

Im Sendungsmanuskript der Radionachrichten des ORF stand zuerst: "In Wien versuchten heute Nachmittag cirka 30.000 Studenten, Intellektuelle und Künstler gegen die Aufrüstung in Ost und West zu demonstrieren." Der verantwortliche Redakteur hatte seine abschwächende Formulierung damit argumentiert, dass es doch auch Musik und Tanz gegeben hätte - er musste erst von mitmarschierenden Redakteurskollegen umgestimmt werden, dass es wirklich echte Demonstrationen waren.

Das letzte Lied
Georg Herrnstadt stimmte das letzte Lied des Konzerts an: "Das letzte Lied müsst ihr euch selber singen, denn außer euch ist niemand da, dem so was könnt gelingen..."

Nachsatz: Der Verein Künstler für den Frieden löste sich 1994 auf, die Doppel LP "Künstler für den Frieden" aus dem Jahr 1983 ist vergriffen.

Hör-Tipps
Spielräume, Sonntag, 11. November 2007, 17:30 Uhr

Journal-Panorama, Donnerstag, 15. November 2007, 18:25 Uhr