Oscars für "One Battle after another"

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98. Oscars

"One Battle After Another" der große Gewinner des Abends

Das satirische Politdrama "One Battle After Another" von Paul Thomas Anderson ist der große Gewinner der 98. Oscars. Das 13-fach nominierte Werk setzte sich bei der Glamourgala im Dolby Theatre gegen den härtesten Konkurrenten "Blood & Sinners" von Ryan Coogler durch und konnte insgesamt sechs Trophäen für sich reklamieren - darunter in den zentralen Kategorien Bester Film und Beste Regie.

Die Arbeit des 55-jährigen Anderson, der in seiner Karriere zuvor auf über ein Dutzend Nominierungen gekommen war, aber bis zum heutigen Abend keine Auszeichnung einfahren konnte, holte auch die Preise für das adaptierte Drehbuch, den Schnitt und die heuer neu eingeführte Kategorie Casting. Und schließlich hätte sich Sean Penn über die Auszeichnung als bester Nebendarsteller freuen können - wäre der 65-Jährige denn anwesend gewesen. Der Hollywoodveteran holte sich die Ehrung jedoch nicht persönlich ab - obgleich er damit in den illustren Kreis von Jack Nicholson, Walter Brennan und Daniel Day-Lewis aufstieg, die als einzige männliche Darsteller drei Oscars ihr Eigen nennen können.

Der Film basiert auf dem Roman "Vineland" von Thomas Pynchon, der in den 1980er Jahren spielt - wirkt aber überraschend zeitgemäß. Anderson zeichnet das Bild eines Amerikas im Alarmzustand: geprägt von Abschiebungen, bewaffneten Sicherheitskräften und einer Gesellschaft, in der immer mehr Menschen glauben, für ein besseres Land kämpfen zu müssen.

Vier Oscars für "Blood and Sinners"

Vier Trophäen für "Blood & Sinners": Ryan Coogler (Drehbuch), Ludwig Goransson (Soundtrack), Durald Arkapaw (Kamera), Michael B. Jordan (Männlicher Hauptdarsteller). Arkapaw hat als erste Frau den Oscar für die beste Kameraführung gewonnen. Sie hat bereits für den Sci-Fi-Actionfilm "Black Panther: Wakanda Forever" mit Coogler zusammengearbeitet.

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Vier Trophäen für "Blood & Sinners"

Ryan Cooglers schwarzes Vampir-Selbstermächtigungsdrama "Blood & Sinners", das mit 16 Nennungen als Allzeit-Rekordhalter in den Abend gegangen war, konnte immerhin vier Nennungen in Preise ummünzen. Heraus sticht dabei Michael B. Jordan, der für seine Doppelrolle als Brüderpaar als bester Hauptdarsteller geehrt wurde. Überdies konnte sich Coogler in der Sparte Originaldrehbuch freuen. Auch Soundtrack (Ludwig Goransson) sowie Kamera gingen an den nominalen Topfavoriten, wobei Autumn Durald Arkapaw als erste Frau in dieser Kategorie reüssierte.

Der Film von Ryan Coogler erzählt von Rassismus, Gewalt und historischer Schuld in den amerikanischen Südstaaten. Daneben stehen aber auch Motive wie die Kraft der Blues-Musik im Fokus.

Beste Schauspielerin

Bei den Schauspielerinnen wurde wie erwartet die 36-jährige Irin Jessie Buckley für ihren Part als Shakespeares Ehefrau in "Hamnet" als beste Hauptdarstellerin gewürdigt. Sie widmete ihren Sieg "dem wunderschönen Chaos im Herzen aller Mütter".

Jessey Buckley

Jessie Buckley

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Die 75-jährige Amy Madigan nahm hingegen mit schrillem Lachen ihre erste Oscar-Ehrung als beste Nebendarstellerin für ihren Part der diabolischen Hexe in "Weapons" entgegen und sinnierte darüber, weshalb sie sich am Vorabend die Beine rasiert habe, wenn sie heute lange Hosen trage.

"KPop Demon Hunters" holt Animationstrophäe

Wie bereits im Vorfeld fix erwartet, holte der Netflix-Hit "KPop Demon Hunters" von Maggie Kang und Chris Appelhans die Trophäe bei den Animationsfilmen und animierte die Präsentatoren zum flammenden Appell gegen die drohende Übermacht von KI in der Kunstform. Das Werk über eine KPop-Mädchenband war der meistgesehene Film auf Netflix im vergangenen Jahr und konnte mit "Golden" auch die Oscar-Sektion Bester Song für sich entscheiden.

Bei den Dokumentarfilmen setzte sich "Mr. Nobody Agains Putin" durch, in dem ein russischer Lehrer porträtiert wird, der gegen das Putin-Regime protestiert. Co-Regisseur David Borenstein ermahnte die Anwesenden in einer der immer wieder eingestreuten politischen Anspielungen des Abends: "Wenn wir uns mitschuldig machen, wenn eine Regierung Menschen auf den Straßen unserer großen Städte ermordet, wenn wir nichts sagen, wenn Oligarchen die Medien übernehmen und kontrollieren ... stehen wir alle vor einer moralischen Entscheidung."

Bester internationaler Film

Wie erwartet reklamierte Joachim Triers Familiendrama "Sentimental Value" für Norwegen den Auslandsoscar. Es ist die erste derartige Auszeichnung für eine norwegische Produktion. Triers Film ist eine große Erzählung mit vielen kleinen Geschichten, die sich nach und nach zusammenfügen. In "Sentimental Valuer"erzählt Trier erzählt vom komplizierten Verhältnis eines Regisseurs, verkörpert von Stellan Skarsgård, zu seinen beiden Töchtern. Bei den Europäischen Filmpreisen, die Mitte Jänner in Berlin vergeben wurden, konnte der Film bereits sechs Auszeichnungen für sich verbuchen.

Österreichs Einreichung "Pfau - Bin ich echt?" hatte es indes nicht auf die Liste der Endnominierten geschafft.

Drei "Oscars" für "Frankenstein"

Auf drei Ehrungen für Kostüm, Production Design und Make-up/Haare kann Guillermo del Toros Literaturadaption "Frankenstein" blicken, verbrachte doch allein Monster-Darsteller Jacob Elordi 400 Stunden in der Maske für seinen Part. Unter anderen jubelte Burgtheaterschauspieler Felix Kammerer, der im Werk zu sehen ist, über die Ehrungen im Dolby Theatre.

Zu einem Kuriosum kam es in der Kategorie Bester Kurzfilm, in der ob eines Gleichstands gleich zwei Werke zum Gewinner gekürt wurden: "The Singers" und "Two People Exchanging Saliva".

Politisch – aber nicht zu sehr

Zum zweiten Mal in Folge wurde die Glamourgala vom Comedian Conan O'Brien moderiert. "Als ich letztes Jahr moderierte, stand Los Angeles in Flammen", sinnierte der 62-Jährige zum Auftakt ironisch: "Aber dieses Jahr läuft alles super."

Oscar-Moderator Conan O'Brien

Conan O'Brien

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Zugleich verzichtete O'Brien nicht auf ernstere Töne: "Lasst uns feiern, nicht weil wir denken, dass alles gut ist, sondern weil wir arbeiten und auf Besseres hoffen." Damit war der Ton gesetzt, wobei immer wieder Anspielungen auf die USA unter Donald Trump oder die Kriege in der Welt folgten. "Free Palestine" deklamierte etwa Javier Bardem als Präsentator. Zu gröberen Störaktionen kam es im Verlauf des Abends indes nicht.

Noch im vergangenen Jahr wirkte die Branche nach der Wiederwahl Trumps auffällig zurückhaltend, beinahe wie gelähmt. Nun hat sich diese Schockstarre zumindest etwas gelöst. Einige Reden und auch die am meisten prämierten Filme greifen politische Themen auf - von gesellschaftlicher Spaltung über Rassismus bis zu staatlicher Gewalt.

Die Freude trübte wie gewohnt auch die Verabschiedung Hollywoods von den verstorbenen Größen des vergangenen Jahres. Den emotionalen Höhepunkt stellte hier der zuvor bereits in der Gerüchteküche ventilierte Auftritt der 83-jährigen Barbra Streisand dar, die an ihren verstorbenen Freund und Filmpartner Robert Redford erinnerte: "Bob hatte Rückgrat - auf und hinter der Leinwand."

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