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Aufräumen (1)

Das Wesen der Unordnung

Aufräumen war nie nur Wischen und Wegräumen: Es war auch immer ein Spiegel der Zeit und Gesellschaft, in der wir leben. Was sagt das Aufräumen über uns aus? Der Mensch neigt aus vielen Gründen zum Chaos: Seitdem wir in einer Wohlstandsgesellschaft leben, hat sich unser Besitz vervielfacht. Es sammeln sich zu viele Dinge an, was zu Unordnung und psychischer Belastung führen kann. Aufräumen kann jedoch auch dabei helfen, das Wohlbefinden zu steigern. Wieso eigentlich?

(1) Die Unordnung der Dinge
Manchmal wächst einem der eigene Besitz über den Kopf. Bei manchen Menschen erreicht die Unordnung krankhafte Züge: "Hording" beschriebt die Sucht, Dinge zwanghaft zu sammeln. Das Messie-Syndrom ist eine komplexe Verhaltensstörung, die durch die Schwierigkeit gekennzeichnet ist, sich von Gegenständen zu trennen. Hinter der Sammelleidenschaft steckt aber mehr: Traumata und persönliche Verluste. Wer hilft dabei, das Chaos in den Griff zu bekommen? Ein Lokalaugenschein bei Menschen, denen die Unordnung über den Kopf wächst.
Gestaltung: Jonathan Scheucher

(2) Die Wohnung der Vergangenheit
Der überbordende Besitz ist innerhalb vieler Familien ein brodelnder Konfliktherd: Wenn die Eltern und Großeltern die Vergangenheit nicht loslassen können und die nächsten Generationen einen Haufen Dinge "erben", die sie nicht haben wollen. Wieso haben unsere Eltern und Großeltern so viel angehäuft? Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Konsum leistbar. Die Nachkriegsgeneration, die den Mangel noch gut in Erinnerung hat, legte Wert auf viele Besitztümer. Die 1950er und 1960er-Jahre standen im Zeichen des Wiederaufbaus: Die Wohnung wurde zum opulent gestalteten Ausstellungsraum des Aufschwungs und erreichten Wohlstands.
Gestaltung: Désirée Prammer

(3) Über die Verkrempelung der Welt
"Knebel" nennt man die drehbaren Elemente an Küchenherden, mit denen sich bequem die Temperatur regulieren lässt. Wer heute einen Induktionsherd kauft, verbiegt sich freilich bald die Finger auf widerspenstigen Touchflächen. Solche Dinge, die in gewissen Hinsichten schlechter sind, als sie einmal waren oder sein könnten, nennt Gabriel Yoran "Krempel" in seinem Werk "Die Verkrempelung der Welt". Warum existieren sie überhaupt? Was ist Krempel, wo kommt er her, wo muss er hin?
Gestaltung: Walter Gröbchen

(4) Saubere Verhältnisse - Wie man professionell aufräumt
Was tun, wenn der Putzschwamm nicht reicht? Professionelle Putzfirmen wie Menschen der Firma "Simacek" räumen auf, wenn konventionelle Putz- und Hausmittel nicht mehr ausreichen und/oder professionell dort gereinigt werden muss, wo viele Menschen zusammenkommen - etwa am Arbeitsplatz. Facility Management Services nennt man das dann. Die Firma Simacek räumt auch im ORF Zentrum auf: Sie reinigen die Mischpulte, die Schneideplätze, sie räumen das Chaos weg, das arbeitende Menschen hinterlassen. Ein Lokalaugenschein.
Gestaltung: Sabine Nikolay

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