Wie es sich für Frauen gehört

Damenprogramm

Es gibt Konstanten im Leben. Dazu gehört das Damenprogramm bei Staatsbesuchen. Wenn Königin Sylvia im zartrosa Kostüm Köpfe von Kindern in gelben IKEA-Leiberln tätschelt und einen grün getupften Frosch geschenkt bekommt, ist die Welt doch schön - bunt.

Es könnte sein, dass ich in der nächsten Nacht schweißgebadet aufwache. Ich träume, dass ich Königin Silvia bin. Sie dürfen raten, welchen Umstand die Schweißtropfen geschuldet sind: dem IKEA-Besuch (Stress), dem rosa Kostüm (wie die Frau des Bundespräsidenten Fischer hätte ich Schwarz getragen), oder dem Damenprogramm? Wahrscheinlich war es das letztere. Denn bei IKEA war ich schon, sie haben mir keinen grün getupften Frosch aufgedrängt, aber einige wesentliche Teile, die für den Zusammenbau des Garderobenschranks unerlässlich waren, waren gerade aus. Traumatisiert bin ich dennoch nicht.

Auch das rosa Kostüm kann es nicht gewesen sein, denn mit dieser Farbe wird man überall konfrontiert. Dass Rosa nicht nur von Fünfjährigen getragen wird, denen es gut steht, sondern auch von fülligen 50+, ist zwar bedauerlich, lässt mich aber kalt. Ich kann ja wegsehen, obwohl gerade daran die Welt krankt (am Wegsehen).

Also hat das Damenprogramm den Alptraum ausgelöst! Sicher war es anno dazumal (wann auch immer das war) überaus sinnvoll. Wer "Fluch der Karibik 1" gesehen hat, weiß, wie wenig belastbar Frauen waren, die ein supereng geschnürtes Mieder trugen. Man durfte ihnen nichts zumuten, denn sie konnten nicht mehr atmen (schon gar nicht essen oder trinken) und fielen beim ersten Windhauch in Ohmacht. Nur in modernen Hollywoodfilmen geht das gut aus: Sie (eingeschnürt, zart) fällt ohnmächtig von der Hafenmauer ins Meer und lernt den Mann ihres Lebens kennen. (Halt: in "Fluch der Karibik" hat die weibliche Hauptperson später sogar Schiffe entführt, aber erst, als sie das enge Mieder aufgegeben hatte und Männerkleider trug.)

Was schließen wir daraus? Wenn Frauen so angezogen sind, wie es sich für Frauen gehört, dann darf man sie nicht mit den hässlichen Seiten des Lebens konfrontieren, sonst fallen sie in Ohnmacht. Womit das Damenprogramm erklärt ist. Während der Mann die schreckliche Arbeit macht (Staaten lenken, Kriege führen, an Wirtschaftsforen teilnehmen), streichelt die Frau zuhause Kinderköpfe. Und wenn sie auf Staatsbesuch mitgenommen wird, weil er mit den Kollegen etwas Weltbewegendes zu besprechen hat, dann darf sie auswärts streicheln, im besuchten Land.

Wie würde es denn aussehen, wenn die Frau (früher mit eng geschnürter Taille, heute im rosa Kostüm) plötzlich selber Staaten lenkt, strammstehende Heere abschreitet oder wie George W. auf einem Flugzeugträger mit anzüglich geschnalltem Fallschirm das Ende des Krieges verkündet!

Deshalb trägt Angela Merkel einen Hosenanzug, manchmal, wenn sie in Afghanistan eine Friedensmission überwacht, gerne mit einer kugelsicheren Weste darüber (die sicher nur zufällig farblich abgestimmt war). Selten sieht man Frau Merkel mit Ehemann, und wenn, dann schreiten sie über den roten Teppich zur Premiere der Bayreuther Festspiele, wo es weit und breit keinen IKEA und keine grün getupften Frösche gibt.

Mehr zum Wien-Besuch von Königin Sylvia in oe1.ORF.at