ORF/URSULA BURKERT
Ambiente
Steingewordene Wunder
Eine Wanderung in der Eifel im größten Vulkangebiet Mitteleuropas
15. Mai 2026, 14:49
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17 05 2026, 10:05 | Ambiente - Unterwegs in der Vulkaneifel
"Das größte Vulkanfeld Europas befindet sich nicht in Italien, sondern in Mitteleuropa, in der Eifel. Auf einem Gebiet zwischen Ardennen und Mosel sind circa 300 Vulkankegel versammelt. Da lassen sich bemerkenswerte Phänomene der Natur beobachten: blubbernde Vulkane, Maare, Schlackenkegel, Lavasäulen, Dome, Calderen und Kaltwasser-Geysire", sagt der Geologe Aniello Di Iorio, der nach wie vor von dieser durch Feuer und Wasser geprägten Landschaft fasziniert ist. Mit ihm durch die Vulkaneifel zu wandern gewährt ungeahnte Einblicke in das Werden und Verändern unserer Erde und des Naturerbes im Westen Deutschlands. Ausgangspunkt für die geologische Wanderung ist das Benediktinerkloster Maria Laach am Ufer des Laacher Sees, in dem sich einige Handwerksbetriebe angesiedelt haben und wo auch biologische Landwirtschaft betrieben wird.
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Während seines Studiums in Mainz führten den aus Ischia stammenden Geologen Aniello Di Iorio häufig Forschungsprojekte an den Laacher See. Dieser war nach der letzten Eruption des Laacher Vulkans vor circa 13.000 Jahren in dessen Caldera entstanden. Der Ausbruch war deutlich mächtiger als der historische Vesuv-Ausbruch oder jener des Mount St. Helens. Er veränderte die Landschaft grundlegend. Ausgerüstet mit seinem Geologenhammer führt Aniello Di Iorio zunächst am Seeufer durch einen Mischwald, zu den sogenannten Mofetten.
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Wingertsbergwand - Das Buch der Geologen
Diese sprudelnden Kohlensäurequellen sind eindeutige Hinweise auf die Vulkanaktivität, die sich tief in der Erde nach wie vor abspielt. Dann muss sich Aniello Di Iorio einen neuen Pfad durch Geröllhalden bahnen, um zum "Buch der Geologen", zur berühmten Wingertsbergwand, zu gelangen. An dieser freigelegten Gesteinswand kann man heute noch die unterschiedlichen Phasen des bis dato größten Vulkanausbruchs in Europa ablesen. Darüber geben auch einige Informationstafeln Auskunft. Die winzigen Haüyn-Kristalle, die im Zuge des Vulkanausbruchs entstanden sind und überall verborgen sein können, muss man selbst suchen. Mit Unterstützung des geübten Blicks des Geologen sind tatsächlich einige zu finden.
Einzigartig sind auch, meint Aniello Di Iorio, die historischen Felsenkeller, die im Lauf der Zeit von Menschenhand im Ort Mendig geschaffen wurden. Im 19. Jahrhundert baute man unter der Ortschaft auf einer Fläche von beinah drei Quadratkilometern Basalt ab, der durch einen unterirdischen Lavastrom entstanden war. Eine Vielzahl von Schächten und Stollen durchzieht den Untergrund, sie wurden lange Zeit aufgrund ihrer gleichbleibenden Temperatur von sechs bis neun Grad als Felsenkeller für die Lagerung von Bier verwendet. Immerhin gab es einst allein in Mendig 28 Brauereien. Heute existiert noch eine, die Vulkan-Brauerei, die auch Führungen durch das Kellerlabyrinth anbietet.
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Multimediales Museum in Mendig
Dass sich die Vulkaneifel als Marke und touristischer Hotspot samt Vulkanpark und Vulkan-Museum etablieren konnte, ist eigentlich der 1987 gegründeten Deutschen Vulkanologischen Gesellschaft zu verdanken. Ihr gehört auch Heinz Lempertz an, der seit 2013 in Mendig ein kleines Mineralien-Privatmuseum leitet, in dem Haüyne, Lavabomben und Meteoritenbrocken sowie Erinnerungsstücke an den Basaltabbau und das Brauereiwesen zu sehen sind. Er ist überzeugt, dass "die Wissenschaft mithalf, dass die Menschen in der Region stolz auf ihre Heimat wurden und mehr darüber wissen wollten". Im Lava-Dome, einem modernen multimedialen Museum in Mendig, wird heute neben interaktiven Versuchs- und Experimentierstationen auch mit einer spektakulären computeranimierten Show die Geschichte der Vulkanausbrüche für Groß und Klein anschaulich vermittelt.
Text: Ursula Burkert
