Paul Badura-Skoda

Seit über 50 Jahren spielt Paul Badura-Skoda auf den internationalen Konzertpodien, sein gewaltiges Schallplatten-Opus umfasst mittlerweile über 200 Einspielungen. Der 80-jährige Pianist ist am Samstag im Österreich 1 Klassik-Treffpunkt zu Gast.

Badura-Skoda über seine Liebe zu Bösendorfer

Seit fünf Jahrzehnten ist er in den Konzertsälen der Welt zu hören - dabei hätte der am 6. Oktober 1927 in Wien geborene Pianist Paul Badura-Skoda eigentlich Ingenieur werden sollen. Die Neugier, hinter die genaue Funktionsweise von Musikstücken zu blicken, und die Leidenschaft für das Sammeln historischer Instrumente sind ihm von diesem ursprünglichen Berufswunsch geblieben. Bis heute ist Badura-Skoda auch konzertierend hochaktiv.

Sein 80. Geburtstag wurde im Herbst letzten Jahres mit einem großen Galakonzert in Paris und der Verleihung von Ehrenzeichen sowohl der Republik Österreich wie des Landes Wien gefeiert.

Prägende Konzerterlebnisse

Badura-Skodas musikalische Begabung wurde früh erkannt und gefördert, ausschlaggebend für seine Laufbahn waren jedoch auch die Konzerterlebnisse bei Auftritten Edwin Fischers oder Wilhelm Furtwänglers während der Kriegsjahre. "Ich möchte behaupten, dass noch nie mit solcher Hingabe musiziert wurde", sagte Badura-Skoda in einem Interview über jene Konzerte kurz vor und nach dem Ende des Krieges.

Mit eben jenen Idolen sollte er schon wenig später engeren Kontakt erhalten. Nur zwei Jahre nach Beginn seines Studiums am Wiener Konservatorium gewann er den ersten Preis des Österreichischen Musikwettbewerbs und erhielt ein Stipendium für einen Meisterkurs bei Edwin Fischer. "Das Heizmaterial war damals so knapp, dass ich nur schnelle Stücke geübt habe, damit mir die Finger nicht an den Tasten festfrieren", erklärte Badura-Skoda die rasche Entwicklung seiner Technik.

Über Nacht berühmt

Furtwängler und Herbert von Karajan wurden 1949 erstmals auf den jungen Pianisten aufmerksam, ihre Einladungen zu internationalen Konzerten machten ihn praktisch über Nacht berühmt. Seine ersten Auftritte in Salzburg, New York und Tokio blieben als einmalige ausverkaufte Debüts in Erinnerung.

Seit nunmehr über 50 Jahren ist Badura-Skoda auf allen wichtigen Musikfestivals vertreten und mit zahlreichen Konzertreisen jährlich auch heute noch hochaktiv unterwegs. Beachtlich ist auch sein Schallplatten-Opus, das mittlerweile über 200 Einspielungen umfasst, darunter die kompletten Klaviersonaten von Mozart, Beethoven und Schubert.

Kollektion wertvoller Tasteninstrumente
Auch als Sammler machte sich der technisch Interessierte einen Namen: Eine umfassende Kollektion wertvoller Tasteninstrumente, sowie ein großes Archiv von Autographen und Originalmanuskripten zeugt von seinem Wunsch, die technische Funktionsweise von Musik, sowohl in ihrer theoretischen Entstehung, wie auch in ihrer instrumentalen Umsetzung zu begreifen.

Internationale und nationale Auszeichnungen*
Umfangreich ist mittlerweile auch seine Sammlung von Auszeichnungen. 1976 erhielt er das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kultur, zwei Jahre darauf den Bösendorfer-Ring, 1998 die Goldmedaille der Stadt Wien. In Frankreich wurde er 1993 zum Ritter der Ehrenlegion ernannt und 1997 zum "Commandeur des Arts et des Lettres."

Zu seinem 80. Geburtstag regnete es Ehrungen: Das Kulturministerium verlieh ihm das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, die Stadt Wien stellte sich mit dem Goldenen Ehrenzeichen ein.

Hautnahe Beziehung zu Österreich
Seine Dankesrede bei der Verleihung des Silbernen Ehrenzeichens nutzte der Pianist dann für eine kleine Geschichtsstunde, in der er historische Entwicklungen Österreichs mit Anekdoten seines Lebens verknüpfte. "Ich habe eine hautnahe Beziehung zu diesem Land", so Badura-Skoda, der darauf verwies, dass er im selben Jahr geboren wurde, in dem der Justizpalast brannte, dass er 1934 wegen der politischen Unruhen schulfrei bekam und dass seine Tante am Tag des nationalsozialistischen Einmarsches Geburtstag hatte. "So kann ich mir das ganz gut merken", scherzte er.

Die Überzeugung, dass er Musiker werden müsse, sei eng mit dem Krieg verbunden gewesen, nicht nur, weil er während seiner Landdienst-Zeit vor allem als Akkordeonspieler auf Bauernhochzeiten tätig war, sondern durch Konzerterfahrungen. "Ich merkte in der Kriegszeit, dass in der Musik eine Kraft liegt, die Zerstörung überdauert", erinnerte er sich.

Hör-Tipp
Österreich 1 Klassik-Treffpunkt, Samstag, 9. Februar 2008, 10:05 Uhr

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