Neues Programm des Salzburger-Stier-Preisträgers

Klaus Eckel als Juniorchef

In Österreich gibt es ca. 129.451 Chefs. Fritz Weninger junior ist davon überzeugt, einer davon zu sein. Klaus Eckel, Preisträger des Salzburger Stiers 2007, präsentiert diesmal seine große Sympathie für die Blender und Spinner unserer Zeit.

Spezialisiert auf automatische Fliegerwarnanlagen

Die Firma Weninger ist ein Traditionsbetrieb. Seit 1957 beschäftigt man sich in dort mit der Frage, wie man unser Leben sicherer machen kann. Dieser langjährigen Erfahrung steht der neue Junior-Chef Fritz Weninger gegenüber, der erst seit einem Jahr im Amt ist. Einer Initiative der Wirtschaftskammer gehorchend, lädt er zum "Tag der offenen Brandschutztür".

Für diese humoristischen Bemühungen um unser aller Sicherheit wird Klaus Eckel am 5. Dezember 2008 mit dem Österreichischen Kabarettpreis 2008 ausgezeichnet. Diese von Wien Energie gestiftete Trophäe ist mit 7.000 Euro dotiert und wird heuer zum zehnten Mal vergeben. Schauplatz ist das RadioKultuhaus. Der Förderpreis geht an Gery Seidl für sein Programm "Wegen Renovierung offen"

In seinem prämierten Solo erzählt Klaus Eckel die Geschichte von Fritz Wenininger junior: "Bevor ich Kabarettist wurde, war ich in einer Firma beschäftigt und hatte einen Chef, der nur sehr schwer seine Arbeit und Rolle im Unternehmen reflektieren konnte. Er hat meine Hauptfigur sicher beeinflusst. Diese Figur, nämlich Fritz Weninger, ist eine möchte-gern-autoritäre Person, unbeholfen und tollpatschig. Und um tollpatschig zu sein, da musste ich nicht viel spielen, habe ich in mir selbst gefunden."

Erbe des Familienimperiums

Klaus Eckel, seit 2000 im Dienste der Kleinkunst unterwegs und seit dem Vorjahr im Besitz des Radiokabarettpreises Salzburger Stier, hat sich für sein neues Solo ein recht skurriles Szenario zurechtgelegt. Als Weninger junior arbeitet er - desorientiert und unbelehrbar - am unvermeidlichen Abstieg des Familienimperiums.

Klaus Eckel, selbst im Döblinger Milieu groß geworden, hat auch für den in kaufmännischen Fragen nicht immer so potenten Nachwuchs der alten Wirtschaftkapitäne Anleihen bei realen Vorbildern genommen.

"Ich komme aus einem sehr bürgerlichen Milieu und ich habe viel Zeit mit Söhnen von erfolgreichen Vätern verbracht", erzählt Klaus Eckel. "Die haben teilweise später die elterlichen Betriebe übernommen und nach drei Jahren waren diese Betriebe dann verschwunden. Das heißt, die genetische Vererbung in Sachen Geschäftssinn war da nicht gegeben. Und natürlich haben alle Tausende Ausreden, warum ihr Geschäft nicht funktioniert hat. Was ich total spannend dabei finde: Keiner sucht die Schuld bei sich."

Brennende Fragen zur Sicherheit
Klaus Eckel ließ seine Weningers nicht zufällig im Bereich "Sicherheit" tätig werden. Wer kümmert sich heute denn schon um die brennenden Fragen, die den einzelnen täglich beschäftigen, wie: Kann man in Google Earth nachschauen, ob man das Küchenfenster gekippt hat? Oder: Ist Rauchen im Winter gefährlicher, weil man vor dem Lokal erfrieren könnte? Spätestens seit Klaus Eckel davon überzeugt wurde, dass am Flughafen jeder erst einmal beweisen muss, kein Terrorist zu sein, war das Grundthema für sein fünftes Solo klar:

"Das Thema Sicherheit ist ja nicht nur von mir besetzt. Wo immer heute eine Gefahr auftaucht, klopft zwei Minuten später jemand mit einer Lösung für diese Gefahr an deine Tür", so Eckel. "Der Mensch sucht ja sein ganzes Leben lang Sicherheit, ob beim Einbruchsschutz und bei der Pensionsvorsorge, bei der Krankenversicherung oder der Altenpflegen. Und es ist natürlich auch spannend zu sehen, wie viel Panik gemacht wird, um Produkte zu verkaufen. Als Fritz Weninger biete ich zum Beispiel Meteoriten-Helme an. Und so weit ist das gar nicht mehr von der Realität entfernt. Ich habe einmal in einem Magazin gelesen, dass man sich Schutzhelme gegen große Hagelkörner besorgen kann."

Kultur reicht im Jogurt
Zu den weniger beliebten Sparten im Leben des Fritz Weninger zählt die Kultur: nach eigenen Angaben reicht sie ihm im Jogurt. Dennoch hat er für seinen Tag der offenen Brandschutztür einen Künstler eingeladen, einen gewissen Eckel, Komiker von Beruf. Aber wie hält es dieser Klaus Eckel im wahren Künstler-Leben? Würde er zu einer Firmenfeier der Weningers auch gehen?

"Kabarettisten spielen immer wieder Galas und wenn man ganz ehrlich ist, verdienen wir dort das Geld, von dem wir leben", so Eckel. "Bei so Firmengalas kennt mich meistens niemand, ich werde gleichzeitig mit dem Buffet angekündigt und dann trete ich auf. Es ist eine Extremsportsituation, die ich total gerne hab. Entweder man ist nach den dritten Satz lustig oder man wird's nie wieder. Bei so Feiern wollen die Mitarbeiter den nächsten Wein öffnen oder warten auf die Nachspeise und dann kommt der Lustige, den sich der Geschäftsführer eingebildet hat und den sie vielleicht gar nicht sehen wollen. Da muss man als Künstler an sein Limit gehen, um das zu überstehen. Wenn man es übersteht, ist es ein wunderbares Gefühl."

Weninger ist mehr
Sein fünftes Solo lässt die Wahrscheinlichkeit sehr groß werden, dass Klaus Eckel auf so mancher Firmenfeiern nicht mehr als unbekannter Kabarettist auf die Bühne tritt. "Not sucht Ausgang" ist ein witziges Programm, das mit scheinbar simpel konstruierten Pointen doch sehr tief in die Abgründe der Selbsüberschätzung des sogenannten Businessman blicken lässt. Klaus Eckel ist mit seiner Satire auf die Sicherheiten und Unsicherheiten im Geschäft und im Leben ein unterhaltsames Spiel geglückt, dem man gerne beiwohnt.

Hör-Tipp
Contra, Sonntag, 30. November 2008, 22:05 Uhr

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