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Punkt eins
250 Jahre USA: Bittere Bilanz der Indigenen
Geschichte und Gegenwart der nordamerikanischen Urbevölkerung. Gäste: Univ. Prof. em. Christian Feest, Ethnologe & Univ. Prof. Dr. Peter Schwarzbauer, Obmann Arbeitskreis Indianer Nordamerikas (AKIN) und von der internationalen NGO "European Alliance for the Self-Determination of Indigenous PeopleS" (Europäische Allianz für die Rechte Indigener Völker).
Moderation: Barbara Zeithammer. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at
2. Juli 2026, 13:00
Die USA feiern den 250. Jahrestag und damit auch die "selbstverständlichen Wahrheiten" der Unabhängigkeitserklärung, unter anderem, "dass alle Menschen gleich geschaffen sind" und, dass zu ihren "unveräußerlichen Rechten" "Leben, Freiheit und das Streben nach Glückseligkeit" gehören. Doch Geschichte und Gegenwart zeigen: Das gilt längst nicht für alle Menschen in den Vereinigten Staaten. Der Kampf der nordamerikanischen Ureinwohner um Entschädigung, Anerkennung der Gräueltaten, Aufarbeitung der Geschichte und ihre Rechte ist noch lange nicht vorbei.
Die Geschichte der USA ist auch eine Geschichte von Vertreibung, Krieg und Tod, von gebrochenen Verträgen, Gier und Unterdrückung - bis in die jüngste Vergangenheit. Die vielzitierte "Entdeckung Amerikas" brachte der Bevölkerung des Kontinents Krankheitserreger, die Millionen Todesopfer forderten; Land wurde geraubt, Lebensgrundlagen wurden zerstört (Bisons wurden von professionellen Jägern gezielt nahezu ausgerottet); Kulturen, Sprachen, Spiritualität und Traditionen verboten, Kinder aus Familien gerissen - noch in den 1970er Jahren; die Aufarbeitung der Misshandlungen und Gewalttaten ist noch nicht beendet. Bis ins frühe 20. Jahrhundert zählte auch die aggressive christliche Missionierung zur "Indianerpolitik" und unter anderem Benjamin Franklin, einer der Gründungsväter der USA, nannte gezielt Rum als "auserwähltes Mittel" für die "Lösung" der "Indianerfrage". Eine offizielle Entschuldigung angesichts der Massaker an den Indigenen, wie beispielsweise jenem von Wounded Knee 1890, mit dem der Widerstand der Indigenen endgültig gebrochen war, ist bis heute nicht erfolgt.
Heute leben in den USA über 550 anerkannte indigene Volksgruppen, etwa 7-10 Millionen Menschen, circa zwei Prozent der Bevölkerung. Sie besitzen rund 230.000 km2 Land, meist in Reservaten. "Die Indigenen sind heute eine der am schnellsten wachsenden Bevölkerungsgruppen - je nach Statistik", sagt der Ethnologe Christian Feest, emeritierter Universitätsprofessor und langjähriger Leiter des Wiener Völkerkundemuseums, heute Weltmuseum. "Haben früher bei einer Volkszählung viele ihre indigenen Wurzeln geleugnet, trauen sich heute mehr Menschen, sich als American Natives zu deklarieren", sagt Peter Schwarzbauer, Obmann des Arbeitskreises Indianer Nordamerikas (AKIN), einer Organisation, die sich seit heuer 45 Jahren vielfältig für die Rechte der Indigenen einsetzt, und nicht nur das: "Es gibt auch immer mehr Menschen, Weiße, die sich selbst zu Ureinwohnern erklären."
"Die Indianer" dagegen gab und gibt es nicht, betonen Feest und Schwarzbauer, sondern eine enorme Vielfalt von Völkern, Sprachen, Kulturen und Traditionen. Das hierzulande gängige Bild des Indianers mitsamt vieler Zutaten - vom Häuptling über den Marterpfahl, vom Federschmuck bis zum Totem - hat mit der Realität nicht viel zu tun. "Natürlich ist Winnetou ein Indianer. Aber das darf man nicht verwechseln: Es gibt das, was in der Welt vorgeht und das, was sich in den Köpfen abspielt", sagt der Ethnologe Christian Feest. Die Wirklichkeit des "Indianer Seins" bedeutet statisch eine deutlich kürzere Lebenserwartung, geringere Bildung, ein hohes Armutsrisiko, Arbeitslosigkeit - und ein zähes Ringen um Rechte und Anerkennung. "Die Sozialdaten aus den Reservaten sind katastrophal", fasst Peter Schwarzbauer zusammen, der für die Arbeit der Menschenrechtsorganisation AKIN seit über 40 Jahren sehr enge Kontakte zu Indigenen pflegt.
Wer waren und sind die indigenen Völker Nordamerikas? Was weiß man über ihre Lebensweisen vor Ankunft der Invasoren, wo sie doch keine Schrift hatten, über ihre Kulturen? Vor welchen Herausforderungen stehen die Menschen heute, wie steht es um ihre Rechte? Worum geht es vor Internationalen Gremien und was erzählen Vertreterinnen und Vertreter der indigenen Völker selbst von ihrer Geschichte und Gegenwart?
Christian Feest und Peter Schwarzbauer sind Gäste bei Barbara Zeithammer und unsere Hörerinnen und Hörer wie immer herzlich eingeladen, sich an dem Gespräch mit Fragen, Berichten und Erfahrungen zu beteiligen, sei es, dass Sie von persönlichen Begegnungen erzählen können oder Ihr Bild des "Indianers" (Winnetou?) mit der Realität abgleichen möchten. Sie erreichen uns unter 0800 22 69 79 kostenfrei aus ganz Österreich während der Sendung und jederzeit per E-Mail an punkteins(at)orf.at
Service
Arbeitskreis Indianer Nordamerikas
Europäische Allianz für die Rechte Indigener Völker
Sendereihe
Gestaltung
- Barbara Zeithammer
