Raphael Handschuh, Viola

Über die Violine kam er zur Viola: Raphael Handschuh, Jahrgang 1983, der an der Konservatorium Wien Privat-Uni studiert. Die "European Chamber Players", die der begeisterte Kammermusiker gegründet hat, gaben am 15. November im Wiener Konzerthaus ihr Debüt.

R. Handschuh: Bach, Brahms, Schostakowitsch

"Der Weg zur Musik war für mich ein leichter, denn sie war von Beginn an omnipräsent in meinem Leben. Meine beiden Eltern sind Hobbymusiker, mein Großvater, der mich sehr prägte, war Komponist und Musiker. Also war mein Weg zur Musik sehr direkt. Bereits mit fünf habe ich begonnen, Geige zu lernen, mit neun kam dann die Gitarre dazu.

Zur Viola kam ich, wie es meistens der Fall ist, durch die Violine, die ja ein sehr verwandtes Instrument ist. Da ich durch das Geigespielen Haltungsprobleme hatte, bekam ich damals den Rat, zur Viola zu wechseln. Kurz danach lieh mir mein Großvater eine Viola - und ich habe mich mit dem Klang und der Größe des Instruments sehr wohl gefühlt. So entstand eine immer stärkere Beziehung zu diesem Instrument", erzählt Raphael Handschuh, gebürtiger Wiener, Jahrgang 1983, der seit 1999 am Konservatorium Wien zunächst bei Herwig Zelle mit Viola begann und seit 2005 bei Herbert Müller, dem Solobratschisten der Wiener Symphoniker, studiert.

Seinen Bachelor hat er im Juni 2008 gemacht, seit Herbst setzt er mit dem Master-Studium fort, das er voraussichtlich 2010 abschließen wird.

Von 1989 bis 1999 lernte der Nachwuchs-Musiker an der Musikschule der Stadt Wien Violine und Gitarre. Von 1998 an besuchte er das Wiener Musikgymnasium, wo er 1998 maturierte.

Im September 2007 hat er den Universitätslehrgang Ensembleleitung an der Konservatorium Wien Privatuniversität abgeschlossen.

Der spezifische Klang der Viola

"An der Viola faszinieren mich vor allem der warme, sonore Klang und die Vielseitigkeit. Denn sie hat sich von der Renaissance bis heute als Instrument durchgesetzt. Man findet sowohl in der großen symphonischen wie in der Kammermusik wunderschöne Stellen für die Viola", so der junge Bratschist.

"European Chamber Players"-Konzerte 2009

Und im Mai 2009 hatte Raphael Handschuhs erfolgreiches Ensemble "European Chamber Players" Konzerte in Horn, Hallein, Klagenfurt und in Vaduz.

"European Chamber Players"-Debüt im Konzerthaus

"Die Idee zur Gründung dieses neuen Ensembles entstand beim Zermatt Festival. Dort spielte ich auch mit Kollegen aus dem European Union Youth Orchestra zusammen. Diesem Kammermusik-Ensemble gehören Musiker aus ganz Europa an, die früher in diesem Orchester gespielt haben", erklärt Raphael Handschuh, Begründer der "European Chamber Players" zu seinem neuen Ensemble.

Am 15. November 2008 gab es das Debüt-Konzert im Mozartsaal des Wiener Konzerthauses. Auf dem Programm standen Werke von Maurice Ravel, Richard Strauss und Franz Schubert. Und das Debüt-Konzert war gleich ausverkauft.

"Dass das Debüt-Konzert im Wiener Konzerthaus stattfand, freut uns natürlich sehr", so der erfolgreiche Bratschist.

Mitbegründer des "Atlas Quartetts"

2003 war Raphael Handschuh Mitbegründer des "Atlas Quartetts", bei dem Ioanna Apostolakos Erste Geigerin ist. Seither ist das erfolgreiche Ensemble bereits im Wiener Musikverein, im Konzerthaus, in Athen und in Peking aufgetreten.

Im Herbst 2006 war das Ensemble Gast beim 2. Zermatt Festival in der Schweiz.

Mehr zu Ioanna Apostolakos in Ö1 Talentebörse

Orchesterpraxis seit elftem Lebensjahr

Umfangreiche Orchesterpraxis konnte Handschuh bereits seit seinem elften Lebensjahr bei verschiedenen Ensembles und Orchestern sammeln - vom Orchester des Musikgymnasiums Wien bis zum European Union Youth Orchestra, dem er seit 2005 angehört. Zahlreiche Konzerte und Tourneen führten in inzwischen in nahezu alle Länder Europas, in die USA, nach Venezuela und China.

"Mit Bernard Haitink verbindet mich ein unglaubliches Erlebnis. Es war meine erste Tournee mit dem European Union Youth Orchestra, als wir im Concertgebouw Amsterdam, wo der Maestro zuhause ist, Mahlers Siebente aufführten. Es war berührend und inspirierend, mit diesem erfahrenen, charismatischen Dirigenten musizieren zu dürfen", schildert der junge Musiker, der bereits unter Leitung so bedeutender Maestri wie Sir Colin Davis, Sir John Eliot Gardiner, Herbert Blomstedt sowie Vladimir Ashkenazy spielte.

Seit Jänner 2008 in RSO-Orchesterakademie

Und seit Jänner dieses Jahres ist Raphael Handschuh Mitglied der Orchesterakademie des RSO Wien: "Nach dem guten Abschneiden beim Probespiel im Juni 2007 wurde ich dann im November nochmals zu einem Probespiel eingeladen, bei dem es um eine Stelle in der RSO-Orchesterakademie ging - und ich habe es gewonnen. Seither darf ich nun im RSO spielen", freut sich der Bratschist.

"Diese Institution soll jungen Musikern den Einstieg ins Orchesterleben erleichtern. Als Akademiemitglied hat man die Möglichkeit, für maximal drei einhalb Jahre im Orchester zu spielen. Ich habe 20 Dienste im Monat, bei Bedarf sind es dann mehr."

"Schon mein Einstieg war ein Erlebnis, denn ich durfte bei der Poulenc-Oper 'Gespräche der Karmeliterinnen' unter Chefdirigent Bertrand de Billy im Theater an der Wien mitwirken. Eindrucksvoll war für mich auch ein Konzert mit Dimitrij Kitaenko mit russischen Werken, darunter der Elften Schostakowitsch. Und ich freue mich schon auf die Siebente Mahler unter Bertrand de Billy, die am 29. Jänner 2009 im Konzerthaus aufgeführt wird."

Substitut bei Wiener Philharmonikern seit April

Seit April 2008 ist der gefragte Bratschist auch Substitut bei den Wiener Philharmonikern sowie im Orchester der Wiener Staatsoper. In diesem Rahmen hat er bereits mit Riccardo Muti und Lorin Maazel konzertiert.

Ö1 Fidelio-Preisträger-CDs

Und mit dem Atlas Quartett ist der ausgezeichnete Bratschist auf den beiden Ö1 CDs der Fidelio-Preisträger-Konzerte 2005 und 2007 mit Werken von Dmitri Schostakowitsch und Alexander Müllenbach zu hören.

Fixengagement und Kammermusik

Derzeit bereitet der Nachwuchs-Musiker Bela Bartoks Konzert für Viola, eines der wichtigsten Werke für dieses Instrument, das auch bei Probespielen verlangt wird, vor.

Wie seine Zukunftswünsche lauten? "Mein großer Wunsch ist es, ein Fixengagement möglichst in einem Wiener Orchester zu bekommen, denn ich fühle mich hier sehr wohl. Und ich möchte auch viel Kammermusik spielen und solistische Aufgaben übernehmen. Wichtig ist mir, geistig und körperlich fit zu bleiben, um lange musizieren zu können", so Raphael Handschuh.

Die Ö1 Talentebörse ist ein Kunstförderprojekt mit Unterstützung der Bank Austria

Mehr zu Orchestern, Ensembles, Preisen und Workshops von Raphael Handschuh in oe1.ORF.at

Kontakt
Raphael Handschuh

CD-Tipps
Preisträgerpräsentation des Fideliowettbewerbs 2005, ORF-Shop, Bestell-Nummer: 2008636

6. Fidelio-Wettbewerb 2007, Preisträger-Präsentation, ORF-Shop, Bestell-Nummer: 2010442

Links
Konservatorium Wien Privatuniversität
Musik der Jugend - Gradus ad Parnassum
BBC Proms
European Union Youth Ochestra
Musikgymnasium Wien
Musikverein
ORF-Shop
RadioKulturhaus
RSO Wien
Wiener Jeunesse Orchester
Wiener Konzerthaus
Wiener Philharmoniker
Zermatt Festival