Wallfahrt nach Mariazell als Dank

Wallfahrt nach Mariazell

Joseph Haydn verehrt die Heilige Maria sehr. Nachdem er bei der Familie Spangler Zuflucht gefunden hat, unternimmt er eine Wallfahrt nach Mariazell. Durch eine glückliche Fügung und Geschick kann er dort für kurze Zeit musikalisch tätig sein.

Haydn örtlich - Teil 11

Die "marianische Frömmigkeit", diese besondere, man darf schon sagen kindliche Hinwendung eines gläubigen Menschen an die Gottesmutter Maria als der mächtigen und vor allem mütterlichen Fürsprecherin, das ist für das katholische Österreich ein über viele Jahrhunderte hin identitätsstiftendes Phänomen.

Die prominente Stellung der Heiligen Maria

Von Bernhard von Clairvaux, dem mystischen Philosophen des 12. Jahrhunderts, ausgehend hat diese Facette der "Pietas Austriaca", aufbauend auf fest verwurzelten Traditionen, ihre barocke Ausformung durch die in Österreich sehr populäre Hl. Teresa von Ávila erfahren, die sich inhaltlich auf Bernhard bezieht. Die Gedanken dieser bedeutsamen Denkerin werden vor allem von der ersten Gemahlin Kaiser Leopold I., deren spanischer Landsmännin Margarita Teresa, hierzulande am habsburgischen Hof verbreitet, von wo sie rasch in die Breite der Bevölkerung und aller Stände wirken.

Die Gestalt der Gottesmutter ist in den österreichischen Ländern vielfach gegenwärtig: Der populäre Hofprediger Abraham à Sancta Clara schreibt ihrer Fürsprache den Sieg der habsburgischen Truppen gegen die Osmanen zu und in vielen Orten werden die zentralen Plätze mit Säulen prächtig geschmückt, auf welchen die Mutter Jesu oft auch im Kontext mit der allerheiligsten Dreifaltigkeit thront und so sichtbar unter den Menschen gegenwärtig ist, welche durch ein solches Kunstwerk ihre Verehrung und Dankbarkeit, aber auch ihre nie versiegenden Bitten zum Ausdruck bringen.

Die Gestalt Mariens ist Haydn natürlich schon von Kind an vertraut, durch Gebet und Lied und in der Darstellung in seiner Taufkirche in Rohrau. Und der Sängerknabe im Wiener Stephansdom hat bei jedem seiner Dienste ein bedeutendes marianisches Gnadenbild vor sich: jenes am sogenannten "Maria Pötsch"-Altar, bei dem vor allem auch viele einfache Menschen Zuflucht und Trost suchen.

So gilt denn auch sein erster, so ambitionierter wie ungelenker Kompositionsversuch der gleich zwölfstimmigen Vertonung des "Salve Regina", eines demütigen Bittgebetes an die Königin des Himmels.

1749 steht Haydn auf der Straße

Als er 1749 das Capellhaus verlassen muss, da steht er im wahrsten Sinne des Wortes auf der Straße. Er findet Zuflucht bei der Familie des Choristen Johann Michael Spangler. Das Spangler'sche Ehepaar mit seinen Kindern lebt zwar beengt, aber dafür sind dort die Herzen groß und weit. Haydn wird es ihnen noch als angesehener Mann danken, indem er den begabten Spanglerkindern seine nützliche Protektion zuteil werden lässt.

Erster Dank auf einer Wallfahrt

Im Kontext mit der Art seiner Frömmigkeit, seiner persönlichen Ausformung der "Pietas Austriaca", ist es verständlich, dass er den allerersten Dank auf einer Wallfahrt abstattet und dass er sich von dieser Pilgerreise auch Aufschluss über seinen künftigen Lebensweg erhofft. Sein Ziel im Frühjahr 1750 ist Mariazell, das Heiligtum der "Magna Mater Austriae" in den steirischen Bergen. Dorthin ist es ein mehrtägiger Fußmarsch. Haydn vergisst diese fromme Reise und das, was ihm dort an innerer Stärkung zuteil wird sein Lebtag nicht mehr. "Ich bin beim silbernen Gitter der Gnadenkapelle niedergekniet und habe zur Muttergottes gebetet, dass sie meinen Geist erleuchten möge. Ich würde ihr stets dafür Lob singen. Mir war es darnach, als würde es rund um das alte Gnadenbild danach ganz hell."

Musikalische Betätigung in Mariazell

Und so hat er auch Mut, sich musikalisch in der Zeller Basilika profilieren zu wollen.

"Ich habe den Chormeister P. Florian gebeten, daß ich auf dem Chor singen darf, aber der hat mein Ansuchen zunächst schroff abgewiesen. Mit List habe ich mir ein Notenblatt erobert und ein Solo mit meiner nunmehrigen gefestigten männlichen Stimme gesungen. Darauf hat sich die Stimmung alsogleich geändert: der Chormeister und der Superior P. Petrus haben mich zum Essen eingeladen und letztendlich bin ich acht Tage in Mariazell geblieben."

Heimgekehrt ist er reich beschenkt - und vor allem auch gestärkt.

Hör-Tipp
Haydn örtlich, jeden Montag, Mittwoch und Freitag bis einschließlich 22. Mai 2009, jeweils 15:06 Uhr

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Links
austria.info - Joseph Haydn
Haydn 2009

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