Eine mentale Standortbestimmung des Münchner Kabarettisten

Max Uthoff befindet sich hier

Ein ganz normaler Mann, eine typische Kleinstadt, die alte Grundschule, Wahlsonntag: Das ist die Ausgangssituation von Maximilian Uthoffs Solo. Plötzlich werfen einfache Entscheidungen Fragen auf. Und ein kleines Zögern führt zur völligen Verunsicherung.

Man muss die Dinge auch von der anderen Seite betrachten.

Ein Klassenzimmer in München, an der Wand eine naturkundliche Darstellung einer Ameisenpaarung, auf dem Tisch die Wahlurne – mitten drin der ratlose Kabarettist: Wen wählen in Zeiten, in denen alles beliebig geworden ist, alles möglich ist und die Programme der politischen Parteien zu einem Brei zusammengeronnen sind? Das ist – passend zur Vorwahlzeit - die Ausgangssituation des Solos "Sie befinden sich hier" des Münchner Kabarettisten Maximilian Uthoff. Für dieses Programm ist er im Herbst 2007 mit dem Goldenen Kleinkunstnagel ausgezeichnet worden. Und tatsächlich: "Sie befinden sich hier" ist ein vergnüglicher, intelligenter Kabarettabend, der gar nicht wie ein Erstlingsprodukt daherkommt.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Der Münchner hat Erfahrung mit dem Kabarett, das merkt man gleich. Immerhin gründete sein Vater Reiner Uthoff 1965 das Rationaltheater in der bayerischen Hauptstadt und war ein Garant für scharfes politisches Kabarett. Ob linkes Agit-Prop-Theater oder klassisches Nummernkabarett, schon früh schnupperte Maximilian Uthoff Bühnenluft und spielte 1985 erstmals gemeinsam mit dem Vater in der Produktion "Kohlonie Deutschland".

"1965 hat mein Vater das Rationaltheater eröffnet, das war ganz links", erzählt Uthoff. "Da wurde oft nach eine paar Minuten die Vorstellung von Zuschauern unterbrochen, die 'Diskussion!' riefen, und dann ging das Licht an und es wurde wild diskutiert. Dementprechend länger dauerten damals auch die Programme. Heute würde das nicht mehr möglich sein, aber damals ging es noch um Informationsvermittlung über das Medium Kabarett. Damals gab es nur drei Fernsehsender und vielleicht den 'Spiegel'. Da war politische Information im Kabarett gerechtfertigt!"

Der politische Kabarettist als Meandertaler

Nach den ersten Ausflügen auf die Kleinkunstbühne studierte Max Uthoff, der von sich sagt, dass er ein "Meandertaler" ist, der verschiedene Richtungen im Leben eingeschlagen hat, "aber immer wieder zum Kabarett gekommen ist". Nach dem Abschluss des Studiums der Rechtswissenschaften schrieb er als freier Texter satirische, tagesaktuelle Kommentare. Nach der Wiedereröffnung des Rationaltheaters, das eine zehnjährige Pause eingelegt hatte, nahm er im Herbst 2007 einen ersten Anlauf als Solokabarettist.

Uthoffs Stil wirkt auf den ersten Blick konventionell, doch versteht er es auf bemerkenswert souveräne Art seine politischen Assoziationsfäden sehr spielerisch zu spinnen. Einerseits deklariert sich Maximilian Uthoff als politischer Kabarettist, andererseits lässt er auch seiner literarischen Ader Raum. Er formuliert genau, lässt aber auch eine gewisse Leichtigkeit zu. Vom Konkret-Politischen kommt er zum Allgemein-Menschlichen und umgekehrt. Vom wandelbaren Pazifismus der Grünen schafft er einen Bogen zur barocken Lebensart der CSU. Begriffe wie Revolution und Koalition werden gedreht und gewendet, aber auf ganz andere Art und Weise als es einst Rainer Uthoff zu tun pflegte:

"Mein Vater kommt vom Journalismus und hat sehr analytisches Kabarett gemacht", so Uthoff. "Da war wenig zum Schenkelklopfen dabei. Viele erste Lacher sind von ihm im Lauf der Probenarbeit rausgestrichen worden. Ich muss sagen, dass ich schon sehr gerne Gags schreibe und bin mir aber auch bewusst, dass ich eher zum Schmunzeln anrege. Das reicht mir. Ich weiß, dass ich das Olympiastadion in München füllen werde."

Allzumenschliches und politisch Unkorrektes

Max Uthoff führt auf der Bühne vor, dass alles irgendwie miteinander zu tun hat, man muss nur die Zusammenhänge durchschauen, sie auf den Punkt bringen oder einfach einmal die Perspektive wechseln, und schon kommt man zu höchst interessanten Sichtweisen, das beweist Max Uthoff im freundlichen Plauderton. Er erzählt von der Sprachlosigkeit bei der Stimmabgabe, von Ehefrauen als Begleiterscheinung und von der Ohnmacht der Opposition in Bayern, die so agiert, als würde man versuchen, einem Tausendfüssler ein Bein stellen. Dazwischen stellt er dialektgeschult und schauspielerisch durchaus gekonnt die unterschiedlichsten Figuren auf die Bühne: den geselligen Waffenhändler, den Massenmörder und seine Mutter, sowie Napoleon und einen Hausmeister aus Sachsen.

"Ich lebe in Bayern, habe aber eine Affinität zu anderen Dialekten und spiele sie auch gern", sagt Uthoff. "Sie bringen eine weitere Farbe in ein Programm. Manche Kollegen - ich glaube auch Harald Schmidt - meinen, dass eine Bühnenfigur nicht interessant sei, wenn man ihr Dialekt verleiht. Das kann man so sehen. Mir aber macht es Spaß. Es ist so, als würde man ein anderes Instrument einsetzen."

Hör-Tipp
Contra, Sonntag, 14. September 2008, 22:05 Uhr

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Max Uthoff
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