Im Herzen des Ortes

Das Haydndenkmal in Rohrau

Bereits zu Lebzeiten wird Haydn ein Denkmal errichtet, und zwar in Rohrau. Es bleibt auch bestehen, zeugt also davon, dass er wirklich ein Held ist für sein Dorf. In Wien hingegen gibt es nur eines, das eher unauffällig in Mariahilf gelegen ist.

Haydn örtlich - Teil 44

Ein Denkmal zu Lebzeiten! Und noch dazu eines, das nicht gleich wieder abmontiert wird nach dem Tode des aufs Podest dieses Denkmals Gehobenen unter nunmehr veränderten Gegebenheiten. Es bekommt nur später einmal einen anderen Platz - und dies vielleicht doch unter geänderten Gegebenheiten, wenn es aus der fest ummauerten Sphäre des harrach'schen Schlosses zu Rohrau herausgetragen wird um hineingetragen zu werden mitten ins Zentrum des Ortes, wo es vor der Pfarrkirche seinen Platz findet.

Eine Haydnbüste im Schlosspark

Eine kulturell regsame und wahrlich bedeutende Familie wie die der Grafen Harrach tut schon das Richtige damit, wenn sie dem größten Sohn des ihnen gehörenden Ortes Rohrau 1794 eine Portraitbüste errichten lässt und diese im Park des gräflichen Schlosses aufstellt. Dergleichen muss auch in seinem symbolischen Wert erkannt werden: Der Sohn eines Wagnermeisters findet als Adeliger des Geistes Eingang in die Lebensräume von Menschen aus einer ganz anderen Gesellschaftsschicht. Haydns Vater muss am Sonntag früh um 6:00 Uhr ins Schloss, um dem gräflichen Verwalter Bericht zu geben über örtliche Vorkommnisse. Dem Sohn Joseph öffnen sich auf andere Weise die Tore. Und er tritt nicht in einen Amtsraum, ihm wird vielmehr der Park zugewiesen, der allenthalben eine "Herzeigeeinrichtung" jeder adeligen Residenz ist.

"Joseph Haydn war im Jahre 1732, den 31ten März zu Rohrau in Unter Österreich, dem Grafen Harrach gehörig geboren. Nachmittag, die 4te Stunde, war die Stunde seiner Geburt." So verkündet es die erste Steinplatte auf dem Monument.

Auffälliges an der Tafel

An diesem Text fällt Mehreres auf:

Zum Ersten die genaue Angabe der Geburtsstunde.

Zum Anderen das Geburtsdatum. Nachdem der Tauftag der erste April ist, wurde ja vielfach auch dieser als Tag der Geburt angenommen - was innerhalb des Rahmens der Gepflogenheiten gewesen wäre. Aber Haydn selbst legt zeitlebens Wert darauf, dass der Tag der Taufe keineswegs identisch ist mit jenem der Geburt. "Ich wäre ja sonst ein April-Narr" - so wehrt er sich vehement gegen das Ansinnen, an jenem traditionell närrischen Tag geboren zu sein.

Zum Dritten darf aber auch noch die für das Jahr 1794 auffällige bescheidene Art hervorgehoben werden, mit welcher sich die gräflich harrach'sche Familie auf diesem Denkmal, das immerhin von ihr gesetzt wird, einschreiben lässt. Da ist man aus späteren Zeiten und namentlich von Denkmälern, welche vom Bürgertum gestiftet werden, andere Töne gewöhnt und andere Arten geistiger Vereinnahmung. Man betrachte diesbezüglich das Monument für Franz Schubert im Wiener Stadtpark, welches auf Initiative des Wiener Männergesangvereines 1872 errichtet wurde.

In Wien nicht im Zentrum

Und à propos Wien: Dort hat Haydn erst 1887 ein Denkmal bekommen. Und das steht auch nicht prominent im Stadtpark, oder wie jenes für Mozart im Burggarten, sondern nur in der Vorstadt Mariahilf vor der dortigen namensgebenden Kirche. Das lässt sich natürlich damit wohl begründen, dass Gumpendorf, wo Haydns letztes Wohnhaus situiert ist, zu eben jenem Wiener Gemeindebezirk Mariahilf gehört.

Demgegenüber steht aber die Tatsache, dass halt alles, was zu der Zeit, als das bürgerliche Wien Denkmäler errichtet, prominent war, seinen Platz im Zentrum bekommen hat. Die Parkanlagen entlang der Ringstraße geben davon Zeugnis. In Wien hat es Haydn also in dieser Hinsicht nicht bis in die Mitte, bis ins Herz der Stadt geschafft.

In Rohrau, am Rande dessen, was man gerne als "große Welt" zu bezeichnen geneigt ist, da steht er im Mittelpunkt. Natürlich auch, weil die genannte "große Welt" lange Zeit Haydn als Nebensache betrachtet hat, als einen, dessen Abstand von Mozart und Beethoven auch durch die Platzierung eines Denkmales innerhalb einer Stadt erkennbar zu sein hat.

Ländliche Kontinuität

Aber vielleicht ist es auch die konservierende Kraft, in welcher die Bedeutung der "nicht großen Welt" liegt, weil durch sie Kontinuität ermöglicht wird und somit der Blick sich irgendwann einmal wieder frei machen kann von seiner Konzentriertheit auf das bloß heutig Modische.

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Hör-Tipp
Haydn örtlich, jeden Montag, Mittwoch und Freitag bis einschließlich 22. Mai 2009, jeweils 15:06 Uhr

Links
austria.info - Joseph Haydn
Haydn 2009

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