Zum internationalen Tag der älteren Menschen

Erfahrung ist Zukunft

Alter ist ein soziales und kulturelles Konstrukt. Es gibt keine einheitliche Altengeneration. Trotzdem orientieren sich die Altersbilder überwiegend am Defizitmodell. Ihnen soll ein Kompetenz- und Potenzialmodell gegenübergestellt werden.

Nach wie vor wird in Österreich Altersvorsorge oft als Synonym für Geldvorsorge gesehen. Doch Altersvorsorge ist auch Daseinsvorsorge im Sinne physischer, mentaler und sozialer Zukunftssicherung.

Mit dem Ausstieg aus dem Erwerbsleben kommt es in vielen Fällen nicht nur zu einer Verschlechterung der finanziellen Situation, sondern vor allem zum Einsetzen eines Vereinsamungsprozesses. Das Fehlen von Sozialkontakten führt oft zu Depression oder Verbitterung von alten Menschen. Pensionierung ist also nicht nur Synonym für Verarmung. Es ist für manche auch Synonym für Ausgrenzung.

Die Kompetenz der Älteren ist gefragt

Für den Demographen Rainer Münz ist eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit die einfachste, wenn gleich auch unpopulärste Alternative. Eine zweite Möglichkeit sieht er in der freiwilligen Arbeit von Pensionisten und Pensionistinnen.

Es gibt etliche Bereiche, in denen bestehende Kompetenzen von älteren Menschen genützt werden könnten, beispielsweise in der Pflege von nichtverwandten Personen oder bei der Nachhilfe von Kindern zur Integration von Migranten und Migrantinnen.

Kreativität und Altern

Auch kreative Betätigung und kulturelle Aktivität im Alter können Vereinsamung vorbeugen oder solche "Resozialisierungsprozesse" unterstützen. "Kreativität, Kunst und Lernen kennen kein Alterslimit". Dr. Nora Aschacher beschreibt kulturelle Bildung zum Eingang des City Science Talks im Konservatorium Wien Privatuniversität als Teil eines lebenslangen Prozesses, wobei besonders für ältere Menschen nicht nur der passive Konsum, sondern gerade die aktive Partizipation von großer Bedeutung sind.

Die Studie "Kreativität und Altern" des National Center for Creative Aging und der George Washington Universität in den USA unterstützt diese These. In dieser dreijährigen Studie wurden, abgesehen von den Kontrollgruppen, drei künstlerisch aktive Gruppen mit einem Durchschnittsalter von 80 Jahren formiert. Diese künstlerisch aktiven Hochbetagten hatten in der Folge weniger körperliche Beschwerden und Depressionen als andere Gleichaltrige.

Hör-Tipp
Salzburger Nachtstudio, Mittwoch, 1. Oktober 2008, 21:01 Uhr

Link
Internationaler Tag der älteren Menschen