Gounods "Faust"

Zuletzt war Charles Gounods Oper "Faust" 1990 an der Wiener Staatsoper zu sehen gewesen. Am Samstag hat das Werk abermals Premiere. In den Hauptpartien ist eines der "Operntraumpaare" unserer Tage zu sehen: Angela Gheorghiu und Roberto Alagna.

Sie gehört zu den Klassikern des französischen Opernrepertoires: die Oper "Faust" von Charles Gounod. Bereits in jungen Jahren hatte der Komponist eine Oper nach Goethes "Faust I" ins Auge gefasst, zur Ausführung kam dieser Plan allerdings erst, als Gounod um 1855 die versierten Theaterdichter Jules Barbier und Michel Carré als Librettisten gewinnen konnte.

Carré war damals bereits mit dem Sujet vertraut, er hatte einige Jahre zuvor das Schauspiel "Faust et Marguerite" - in loser Anlehnung an Goethe - zur Aufführung gebracht. Und auch das Libretto für Gounod darf keinesfalls als Vertonung des komplexen Werkes von Goethe betrachtet werden.

Auf die "Gretchen-Tragödie" konzentriert

Sein "Faust" diente den Librettisten "nur" als eine Art Geländer für die Erstellung ihres Szenariums, das sich vor allem auf die "Gretchen-Tragödie" konzentriert. So gesehen, war es keinesfalls abwegig, dass man die 1859 im Pariser Théâtre Lyrique uraufgeführte Oper im deutschen Sprachraum lange Jahre unter dem Titel "Margarethe" gespielt hat.

Die Uraufführungsversion von 1859 ist nicht ganz die Oper, wie sie heute in der Regel zur Aufführung kommt. Der Komponist selbst hat in der frühen Aufführungsgeschichte zahlreiche Änderungen vorgenommen: Beispielsweise hat er selbst die ursprünglichen Dialoge zwischen den Musiknummern durch orchesterbegleitete Rezitative ersetzt und 1869 für Aufführungen an der Grand Opéra von Paris das für dieses Haus obligate große Ballett sowie einige weitere Nummern ergänzt.

Dauerhafter Erfolg

An Frankreichs erster Opernbühne wurde "Faust" schnell zu einem der meistgespielten Werke, wie überhaupt der Gounod-Oper bis heute unter all den vielen musikdramatischen Bearbeitungen des "Faust"-Stoffes der international dauerhafteste Erfolg beschieden geblieben ist.

Vergleichsweise selten ist "Faust" an der Wiener Staatsoper zur Aufführung gekommen, die jetzige Neuproduktion ist erst die dritte nach der Wiedereröffnung des Hauses am Ring. Auf 54 Reprisen einer Paul-Hager-Produktion zwischen 1963 bis 1977 und 21 Aufführungen der nicht unumstrittenen Ken-Russell-Inszenierung von 1985, die bis 1990 auf dem Spielplan stand, folgt jetzt eine neue Auseinandersetzung mit dem Meisterwerk - in einem Regiekonzept von Nicolas Joel, musikalisch betreut von Bertrand de Billy, dem Chefdirigenten des RSO Wien, und mit einem berühmten Künstlerehepaar in den Rollen von Faust und Marguerite: Nach vielen Jahren wird man in der Premiere Angela Gheorghiu und Roberto Alagna wieder gemeinsam in Wien erleben können.

Mehr dazu in oe1.ORF.at
Gheorghiu und Alagna über Gounods "Faust"
Operntraumpaar singt "Faust"

Hör-Tipp
Charles Gounod, "Faust", Samstag, 11. Oktober 2008, 19:00 Uhr

Veranstaltungs-Tipp
Charles Gounod, "Faust", Samstag, 11. Oktober 2008, Wiener Staatsoper, 19:00 Uhr

Link
Wiener Staatsoper