Zum Tod Josef Traindls

Anfang September starb im Alter von 61 Jahren ein unterschätzter Musiker der österreichischen Jazzszene: Josef Traindl. Der Wiener Posaunist war in den 1970er und 1980er Jahren Teil der dynamischen Pariser Free-Jazz-Szene.

Man kennt sie, die österreichischen Jazzer, die auszogen, um in Deutschland oder in den USA ihr Glück zu machen: Hans Koller, Joe Zawinul, Wolfgang Muthspiel - ihre Namen sind uns wohlbekannt. Dass sich in den 1970er Jahren ein Wiener Posaunist in der Pariser Jazz-Szene etablierte, weiß hingegen kaum jemand. Dabei galt die Seine-Metropole Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre dank zahlreicher prominenter US-Exilanten als hochspannendes Pflaster: Das Art Ensemble of Chicago, Archie Shepp, Anthony Braxton und viele andere lebten zeitweilig in Paris.

Mittendrin war Josef Traindl. Traindl, 1947 in Wien geboren, studierte ab 1967 an der Sorbonne und spielte sich ab 1971, ausgehend von der Machi Oul Big Band des chilenischen Pianisten Manuel Villaroel, kreuz und quer durch die französische Free-Jazz-Szene. Erwähnt seien etwa Alan Silvas "Celestrial Communication Orchestra" und das Quartett "Armonicord" um den algerischen Saxofonisten Jouk Minor.

Klima der Toleranz in Paris

Das soziale Klima in Paris sei in den 70er Jahren ein im positiven Sinne politisiertes gewesen, erzählte Traindl dem Autor dieser Zeilen im Jahr 2000: "Da war es ausgeschlossen, dass es rassistische Probleme gab. Der Umgangston war allgemein erfreulicher. Man war idealistischer. Das alles dürfte aber auch mit der sozialen Situation zusammengehangen haben: Es gab Arbeit in Hülle und Fülle. Als ich nach Paris gekommen bin, habe ich schon am nächsten Tag für ein Übersiedlungsunternehmen gearbeitet. Kein Mensch hat mich nach Papieren gefragt! Außerdem waren die Wohnungen billig, ich habe die Miete manchmal schon mit einem Konzert abgedeckt."

1982 initiierte Traindl, der im Rahmen seiner Heimaturlaube auch Kontakte zur Wiener Free-Jazz-Avantgarde um Fritz Novotnys "Reform Art Unit" knüpfte, das Wien-Pariser Quintett "Tatitu Tatatu" mit Franz Koglmann, Walter Malli, Jean-Louis Méchali und Gus Németh.

Hartes Wiener Pflaster

1990 kehrt er nach dem Tod seines Vaters wieder nach Wien zurück, wo er anfangs unter anderen mit Burkhard Stangl, Oskar Aichinger, Werner Dafeldecker spielte, sich aber mehr und mehr aus der Szene zurückzog. 2001 realisierte Traindl gemeinsam mir "Phalène" sowie Catherine Rollier und Markus Pillhofer im Semperdepot das Multimedia-Projekt "Das Wesen - L'être".

Wiens kulturelle Szene sei geprägt von Leuten, "die sich seit langen Jahren kennen, von vielen Cliquen und Seilschaften, die für einen Außenstehenden, auch wenn er geborener Wiener ist, ein undurchdringliches Hindernis sind", begründete Josef Traindl den Umstand, weshalb er in seiner Heimatstadt nicht wirklich Fuß fassen konnte. Am 2. September ist Josef Traindl 61-jährig einem Krebsleiden erlegen. Ein Unterschätzter, der noch Spannendes zu sagen gehabt hätte, ist gegangen.

Hör-Tipp
Die Ö1 Jazznacht, Samstag, 18. Oktober 2008, 23:05 Uhr

CD-Tipps
Machi Oul Big Band, "Quetzalcoatl", PALM

Franz Koglmann, "Opium/For Franz", Pipe Records

Armonicord, "Esprits del Sel", Electrobande

"Jazzgalerie Nickelsdorf - The 20th Anniversary Album", Eigenverlag