Die Alternative-Szene im Bild

Magdalena Blaszczuk

Magdalena Blaszczuk fotografiert Musiker und Musikerinnen, allerdings nicht als Musiker und Musikerinnen. Vielmehr interessiert sie der Mensch hinter den Bühnenfiguren. Blaszczuk holt die Musiker und Musikerinnen für ihre Fotos weg von den Instrumenten.

"Schau mich an. Ganz streng. Mach kein Doppelkinn. Genau. Tu so, als ob ich nicht da wäre. Das ist mein Standardsatz. Danke." Diesen "Standardsatz" formuliert Magdalena Blaszczuk immer dann, wenn sie Musiker und Musikerinnen ins Bild rückt. Die letzten 15 Jahre haben ihr auf diese Weise nicht nur spannende Begegnungen, sondern auch wichtige Einblicke in die österreichische und die internationale Musikszene beschert, Einblicke aus eigener, nicht alltäglicher Perspektive.

Magdalena Blaszczuk wuchs in Polen im Städtchen Pulawy, 130 km östlich von Warschau, auf, seit 1984 lebt sie in Wien, wo sie bildnerische Erziehung sowie Malerei und Grafik an der Akademie für angewandte Kunst beziehungsweise der Akademie der bildenden Künste studierte. Sie fotografiert Live-Konzerte, sie macht Presse-Fotos, ihre Leidenschaft aber gilt der persönlichen, individuellen Begegnung ihrer Kamera mit dem Musiker, der Musikerin.

Außergewöhnliche Begegnung mit Henri Chopin

"Ich mache zu 98 Prozent nur Fotos von Musikern, die mich mit ihrer Arbeit ansprechen", betont Blaszczuk. "Aber es passieren natürlich auch andere Sachen wie die, dass ich zufällig bei einem Konzert dabei bin - und dann überzeugt mich das so unglaublich, dass ich nichts anderes will, als diesen Menschen einfach festzuhalten auf meinen Fotos. Und das ist mir schon oft passiert, etwa mit dem Jim Hall. Oder mit Henri Chopin."

Die Begegnung mit Chopin bei einem Auftritt im Porgy & Bess im Jahr 2004 sei eine besonders außergewöhnliche gewesen, so Blaszczuk: "Natürlich kannte ich seinen Namen, ich wusste, was er ungefähr macht. Dann sah ich ihn auf der Bühne, einen alten Mann, der nicht mehr gehen konnte, und er hat mich so berührt, dass ich damals im Porgy & Bess wirklich geweint habe. Das war das erste Mal, wo ich nach dem Konzert zu einem Musiker gegangen bin und gefragt habe, ob es möglich ist, ihn am nächsten Tag noch vor dem Abflug zu fotografieren. Und er hat zum Glück ja gesagt."

Runter von der Bühne

Magdalena Blaszczuk holt die Musiker und Musikerinnen für ihre Fotos runter von der Bühne, weg von ihren Instrumenten. So wie sie einen Fußballer weitab des runden Leders und eines Spielfelds fotografieren würde: "Meine Idee war immer schon und ist vor allem, aus einem Musiker das zu machen, was er nicht ist, auf dem Bild. Mir war immer schon wichtig, dass danach fremde Menschen, die damit nichts zu tun haben, sich für mein Foto auch auf irgendeine Art begeistern können, weil sie vielleicht die Persönlichkeit dieser Person erkennen."

Blaszczuk fotografiert Musiker und Musikerinnen, allerdings nicht als Musiker und Musikerinnen. Vielmehr interessiert sie der Mensch hinter den Bühnenfiguren. Deren klingende Identität hat auf die Art, wie sie fotografiert werden, keinen Einfluss.

"Skug" als ideales Forum

Die Arena und das alte Flex in der Arndtstraße im 12. Wiener Gemeindebezirk waren wichtige Stationen für Magdalena Blaszczuk. Wie auch die Bekanntschaft mit Alfred Pranzl, der 1990 das Musikmagazin "Skug" mitbegründete.

Für Blaszczuk, die Anfang der 1990er-Jahre sukzessive und gänzlich autodidaktisch in die Rolle einer Skug-Fotografin hineinwuchs, bedeutet die Zeitschrift bis heute ein ideales Forum: Skug hat mir das ermöglicht, dass ich das finde, was ich scheinbar gesucht habe. So kann man das glaube ich am besten sagen", so Blaszczuk. "Das ist eine Musikzeitschrift, die mir sehr viel Freiheit gibt. Ich veröffentliche nur das, was ich will, ich fotografiere nur das, was ich will. Ich entscheide was reinkommt. Also: Es ist Freiheit."

Galizien-Bukowina-Express
Neben Musiker-Portraits arbeitet Magdalena Blaszczuk auch als Fotografin für diverse Zeitschriften, neben "Skug" für das feministische Frauenmagazin "An.schläge", die Obdachlosen-Zeitschrift "Augustin" und das Kinomagazin "Ray".

Daneben unterrichtet sie an einem Wiener Gymnasium bildnerische Erziehung und hat 2007 einen Fotoband mit dem Titel "Galizien-Bukowina-Express. Eine Geschichte der Eisenbahn am Rande Europas" herausgegeben.

Buch-Tipp
Magdalena Blaszczuk, "Galizien-Bukowina-Express. Eine Geschichte der Eisenbahn am Rande Europas", Turia & Kant

Hör-Tipp
Zeit-Ton, Mittwoch, 26. November 2008 23:05 Uhr

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