Das Designduo Polka
Wie wir zusammen kamen
Ein Wackelstuhl, Töpfe mit viel zu vielen Henkeln, Stehlampen mit mehreren fröhlich gemusterten Lampenschirmen - Design mit einem Schuss Humor ist das Markenzeichen der beiden Produktdesignerinnen Maria Rahm und Monica Singer und ihrem Label "Polka".
8. April 2017, 21:58
Seit beinahe fünf Jahren arbeiten sie Seite an Seite, und oft weiß die eine besser über die andere Bescheid als über sich selbst: Monica Singer, gebürtige Salzburgerin, und die Münchnerin Marie Rahm haben sich beim gemeinsamen Produktdesign-Studium an der Wiener Universität für Angewandte Kunst kennen- und schätzen gelernt.
Schon zu Studienzeiten hat man eine Gemeinsamkeit entdeckt: den frischen Humor, mit dem beide an das Gestalten von Alltagsgegenständen gehen. Ganz typisch für das freche Polka-Design sind etwa die "Polka Pots", Töpfe mit viel zu vielen Griffen, die an fantastische Tiere erinnern oder "Doosey", eine Lampenserie, für die gleich mehrere knallbunt gemusterte Lampenschirme übereinander gestülpt wurden.
Kreatives Ping-Pong
Entworfen wird im Pingpong-Verfahren. Wie man sich das vorzustellen hat, erläutert Monica Singer: "Es ist eine Art kreatives Brainstorming, in dem jeweils eine die Ideen der anderen weiter entwickelt". Auch der Markennamen "Polka" entstand auf diese Art: "Es sollte ein Name sein, der gut im Mund liegt und fröhliche Assoziationen weckt", sagt Marie Rahm und denkt dabei an "Polkadots", an Pünktchenmuster.
Anfang nächsten Jahres feiert das Design-Doppel sein fünfjähriges Jubiläum. 2004 ist man erstmals gemeinsam unter dem Label "Polka" aufgetreten - bei der Mailänder Möbelmesse, für die Monica Singer und Marie Rahm ein Ledersofa mit personalisierter Tätowierung entwarfen. Je nach Größe und Form kostet eine vom Meistertätowierer bearbeitete Lederbank zwischen 1.500 und 3.000 Euro.
Im Jahr 2005 machten die beiden Designerinnen mit dem "Polkachair" von sich reden. Polka wurde nämlich eingeladen, bei der Prosedia, der größten Stuhlmesse im friulanischen Udine ein Produkt vorzustellen. Und da wollte man mit etwas Besonderem auffallen. Beim Herumexperimentieren wurde kurzerhand eines der Beine des Prototypen kürzer - und es entand eine Art Wackelstuhl - ein Möbelstück, auf dem es sich hervorragend schaukeln lässt.
Design mit Witz
Voller Witz, aber durchaus brauchbar sollen sie sein, die Produkte aus dem Hause Polka. Ganz in diesem Sinne ist auch das Cutlight zu verstehen: ein Lampenschirm aus einzelnen Polyesterstreifen, den man sich - wie einen Haarschopf - selbst nach den eigenen Bedürfnissen zurechtstutzen darf.
Viel Spaß hatten die Designerinnen auch mit dem Entwurf eines Bierglases - rechtzeitig zur Fußball-EM 2008 in Wien. Das Glas namens "Otto" gibt es im griffsicheren Fußball-Design oder als Cordoba-Erinnerungsstück mit eingraviertem Spielstand.
Der letzte Streich, präsentiert bei der Viennadesignweek im Oktober dieses Jahres, ist eine elegante Weinglasserie mit dem Namen "Wiener Gemischter Satz" - ein Produkt für das Traditionsunternehmen Lobmeyr. Relativ schlicht gehalten, besteht das minimalistische Set aus zwei Weingläsern, einem Wasserglas, einem Champagnerglas, einem Likörglas und einer Karaffe. Am Prototypen für die universellen Weingläser feilten Marie Rahm und Monica Singer zwei ganze Jahre. "Es war wohl das Aufwändigste, das wir jemals produziert haben", meinen die Produktdesignerinnen im Rückblick, "aber dafür passen die Gläser wie ein maßgeschneiderter Anzug!"
Hör-Tipp
Moment, Donnerstag, 11. Dezember 2008, 17:09 Uhr
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Polka Products